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"Vielen Kaufleuten fehlt der Gemeinschaftssinn"

 MichaelGroth.
MichaelGroth. FOTO: Winfried Simon (sim) ("TV-Upload Simon"
Wittlich. Was wollen die Kaufleute der Stadt Wittlich? Während der jüngsten Mitgliederversammlung des Vereins Stadtmarketing, der die Interessen der Kaufleute, aber auch anderer Gruppen vertritt, entbrannte eine Grundsatzdebatte über Sinn und Zweck des Vereins.

Wittlich. Der Verein Stadtmarketing Wittlich hat bei der jüngsten Mitgliederversammlung auf Wunsch der Kaufleute überraschend eine Satzungsänderung und die Vorstandsneuwahlen vertagt (der TV berichtete). Wie geht es nun weiter? TV-Redakteur Winfried Simon sprach mit dem Vorsitzenden des Vereins, Michael Groth.Die jüngste Mitgliederversammlung des Vereins Stadtmarketing hatte einen ungewöhnlichen Verlauf. Die Vorstandswahlen wurden vertagt. Wann werden diese nachgeholt?Michael Groth: Es wurde ja nicht nur über die Satzungsänderung heftig diskutiert, sondern auch über die Rolle der Kaufleute innerhalb des Vereins. Wie stark eine Gruppe ist, hängt vom Engagement der Mitglieder ab. Die Kaufleute werden in einer eigenen Sitzung klären müssen, welche Rolle sie als Einheit einnehmen wollen, ob sie bereit sind, sich in dieser Gruppe aktiv einzubringen und sich als Kaufmannschaft zu organisieren. Dann können die Satzungsänderungen geklärt werden, und danach findet eine neue Mitgliederversammlung mit Neuwahlen statt. Ich schätze im Frühjahr 2016.Werden Sie für das Amt des Vorsitzenden noch einmal antreten?Groth: Laut Satzung ist die Aufgabe des Vereins die Attraktivität der Stadt für alle Wittlicher und Gäste zu erhöhen. Die Aktionen, die der Verein durchführt, sind in diesem Sinne. Der Verein Stadtmarketing ist kein Verein, der nur für die Interessen der Kaufleute da ist. Mir lag immer daran, den Zweck des Vereins und die Interessen der Mitglieder ohne Konfrontation, in Zusammenarbeit mit Stadt, Politik und Verein zu vertreten. Da ist dann die Frage, ob das von den Mitgliedern noch so gewünscht wird.Bei der Versammlung wurde über die Struktur des Vereins heftig diskutiert. Im Verein sind die unterschiedlichsten Interessengruppen vertreten - von den Kaufleuten, Gastronomen, über Kulturschaffende, bis zu Leuten, die sich um die Verkehrs- oder Parkplatzsituation in der Stadt kümmern. Macht es Sinn, dass der Verein ein so großes Spektrum abdeckt?Groth: Gerade das war der Grundgedanke. Die unterschiedlichen Interessen in unserem Verein zu bündeln, um dann strukturierter handeln zu können. Zusammenarbeit von Aktionen, Absprache von Terminen, entwickeln von Ideen, zum Wohle des Standortes Wittlich. Es hat sich aber eine Erwartungshaltung entwickelt, die der Verein nicht erfüllen kann. Wir als Vorstandsmitglieder oder unser Geschäftsführer können nicht aktiv werden bei mangelnden Investitionen mancher Immobilieneigentümer, bei Leerständen oder bei Innenstadtrenovierungen. Wir können die ein oder andere Maßnahme begleiten und kommunizieren, oder Vorschläge einbringen, handeln können dann nur die entsprechenden Empfänger.Die Kaufleute der Stadt sind im Verein eine Gruppe unter mehreren anderen. Einige monieren, dass der Verein ihre Interessen nicht genug vertritt. Was sagen Sie dazu?Groth: Der Verein kann nicht das Sprachrohr nur für die Kaufleute sein. Deshalb war immer der Wunsch, dass die Kaufleute mit eigener Führung, mit eigener Planung und Durchführung ihrer Aktionen, eine aktive, selbstständige Gruppe sind. Dann können die Kaufleute auch nach außen ihre Wünsche aus einer starken Position heraus vorbringen. Karsten Mathar organisiert für die gesamte Stadt die verkaufsoffenen Sonntage, für die Innenstadt zusätzlich fünf bis sechs kleinere und mittlere Veranstaltungen wie Flohmärkte oder den Stoffmarkt. Er ist bei allen Arbeitssitzungen der Kaufleute anwesend, organisiert und moderiert diese und bringt regelmäßig Vorschläge ein. Meistens finden sich zur Umsetzung aber keine Mehrheiten.Was halten Sie von Überlegungen, dass die Kaufleute aus dem Verein ausscheren und eine ganz eigene Interessenvertretung gründen?Groth: Ich glaube, dass eine große und starke Kaufmannschaft ihre Interessen auch innerhalb des Vereins entsprechend wahrnehmen kann. In einem eigenen Verein muss auch jemand die Leitung übernehmen, jemand die Aktionen planen, organisieren und durchführen, das heißt, die Arbeit machen. Bisher wird das Meiste über die Geschäftsstelle mit Herrn Mathar abgewickelt, inklusive dem Einkaufsgutschein mit einem jährlichen Volumen von ca. 150 000 Euro. Das würde ja dann auch in diesen neuen Verein übergehen oder vom Verein Stadtmarketing Wittlich weitergeführt und als Dienstleistung abgerechnet.Es waren einmal über 60 Kaufleute im Verein, jetzt sind es nur noch 24. Was könnten die Gründe für diesen Schwund sein?Groth: Bisher war die Aktivität Einzelner immer mit persönlichen Interessen verbunden. Waren diese Interessen erreicht, oder ließen sich nicht verwirklichen, hat man sich zurückgezogen oder ist ganz aus dem Verein ausgetreten. Mal diese 24 aktiven Kaufleute ausgeklammert, fehlt noch vielen der Gemeinschaftssinn. Außerdem profitieren viele Kaufleute von den Aktionen des Vereins, ohne Mitglied zu sein. Was wünschen Sie sich von den Kaufleuten?Groth: Von den Nichtmitgliedern dem Verein beizutreten beziehungsweise sich finanziell mit einem Aktionsbeitrag an den Kosten beteiligen und so die im Verein organisierten Kaufleute zu stärken. Von allen dann organisierten Kaufleuten würde ich mir wünschen, ihre persönlichen Animositäten zurückzustellen und gemeinsam und solidarisch für die Attraktivität der Innenstadt aktiv zu sein. Nicht nur reden und meckern, sondern auch "Machen". Letztendlich wird dann aus vielen " Ichs" ein "Wir". sim

 Einkaufen in der Wittlicher Innenstadt. Hinter den Fassaden kriselt es. TV-Fotos (3): Winfried Simon
Einkaufen in der Wittlicher Innenstadt. Hinter den Fassaden kriselt es. TV-Fotos (3): Winfried Simon FOTO: Winfried Simon (sim) ("TV-Upload Simon"
 Ein Hinweis auf die Läden in der Innenstadt.
Ein Hinweis auf die Läden in der Innenstadt. FOTO: Winfried Simon (sim) ("TV-Upload Simon"