Vielfahrer können sparen

WITTLICH. Rapsöl, Flüssiggas, Ethanol oder vielleicht doch lieber Hybrid? Fast jeder, der regelmäßig mit tränenden Augen an der Zapfsäule steht, hat schon mal über Alternativen zum herkömmlichen Kraftstoff nachgedacht – sei es aus ökologischen oder finanziellen Gründen.

Wer auf sein Reserverad verzichten kann, ist an diesem Abend im Wittlicher Cusanus-Gymnasium genau richtig. Auf einem der Tische in dem kleinen Klassenzimmer steht ein so genannter Reserveradmuldentank. Er hat die Form eines Reifens, passt genau dorthin, wo normalerweise das Notrad seinen Platz hat, ist im Inneren statt mit Reifenluft jedoch mit Autogas, einem Propan-Butan-Gemisch, gefüllt. "Autogas lässt sich im Prinzip bei jedem mit Benzin betriebenen Auto nachrüsten", sagt Bernd Link, spricht dabei vor rund 25 Männern, zwei Frauen und aus Erfahrung. Link arbeitet in einer Werkstatt in Trier und ist Experte, wenn es darum geht, den Kraftstoffverbrauch im Fahrzeug mittels Einsatz von Gas zu reduzieren, sei es durch flüssiges Autogas oder aber gasförmiges Erdgas. "Zwischen 2000 und 3000 Euro kostet die Umrüstung je nach Motorgröße bei Autogas", sagt Link, 3000 bis 5000 Euro seien es bei Erdgas. Ausgaben, die sich für Vielfahrer durchaus lohnen würden, wie der Mechaniker erklärt. Rund 1200 Euro könnten bei einer jährlichen Fahrleistung von 30 000 Kilometern bei Umstellung auf Flüssiggas an der Tankstelle gespart werden, "so dass es sich bei 2500 Euro Investitionskosten schon nach zwei Jahren lohnen würde", rechnet Link vor. In anderen Ländern wie den Niederlanden sei LPG (Autogas) längst Standard, erklärt der Experte, nur in Deutschland habe sich die Alternative und Ergänzung zum Otto-Kraftstoff wegen fehlender staatlicher Förderung nicht durchgesetzt. Immerhin: Bis 2009 sei Autogas noch von der Steuer befreit, sagt Link, "und es soll auch wie Erdgas bis 2020 festgeschrieben werden".Fragwürdige Spritztour in die falsche Richtung

Was für einige ein Schritt nach vorn ist, ist für Klaus Oneseit eine ökologisch-fragwürdige Spritztour in die falsche Richtung. "Gas ist kein Ausweg", sagt Oneseit, ebenfalls Referent an diesem Abend, KFZ-Meister und Baubiologe sowie bekennender Pflanzenöl-Fan. "Wir verbrauchen allein in einem Jahr so viel Gas wie in einer Million Jahre entsteht", erklärt Oneseit, der sich - wenn überhaupt - höchstens mit Autogas anfreunden könnte, weil es ein Abfallprodukt bei der Erdölförderung sei und nicht wie Erdgas aufwändig gefördert werden müsse. Hybrid, also die Kombination von Benzin- und Elektromotor, sei da schon der bessere Weg. Doch für ihn ist die Antwort auf die ständig steigenden Kraftstoffpreise nicht Gas oder Hybrid sondern Pflanzenöl. Erste Kontakte habe er damit schon 1979 gehabt, als er in einem auf Pflanzenöl umgerüsteten Mercedes Benz gesessen habe. Seit 1985 verändert er selber Fahrzeuge, sei es alte Vorkammer-Diesel, die mit nahezu allem gefahren werden könnten, oder aber auch moderne Common-Rail- und TDI-Maschinen. Je innovativer die Aggregate werden, umso schwieriger und teurer ist die Umrüstung und desto wichtiger ist es auch, dass "das Pflanzenöl gut, sauber und genormt ist". Ganz auf herkömmlichen Diesel verzichtet Oneseit bei seinen Umbauten jedoch nicht, da Diesel zum Starten und Warmlaufen benötigt wird. Wie genau das Mischungsverhältnis der in zwei getrennten Tanks gelagerten Kraftstoffe Diesel und Pflanzenöl ist, hänge vom Fahrzeugtyp ab, sagt der Baubiologe, der unter seinen Zuhörern auch einige KFZ-Mechaniker hat. Einer von ihnen versucht unermüdlich, dem Referenten das Geheimrezept der optimalen Dosierung zu entlocken, doch Klaus Oneseit bleibt eisern und verschlossen - auch bei der Frage eines anderen Teilnehmers am Ende der Veranstaltung und am Rande der Legalität: "Kann man Rapsöl im Auto eigentlich auch mit Heizöl mischen?" Infos im Internet unter www.gas-tankstellen.de, www.autogas-forum.de, www.amortisationsrechner.de und www.ichfahrepflanzenoel.de

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