Vier Buchstaben, die faszinieren

1949 hat Lego seinen Siegeszug in Kinderzimmern angetreten. Doch die Plastikbausteine sind nicht nur etwas für Kinder. Mit 60 Jahren hat Wilfried Holstein seine Leidenschaft für das unverwüstliche Spielzeug aus Dänemark entdeckt. Für ihn eine knifflige Herausforderung und wie eine Sucht.

Hetzerath. Was Wilfried Holstein als Kind gelangweilt hat, findet er heute faszinierend: Lego. Der Rentner aus Hetzerath bezeichnet sich nach offizieller Lego-Sprachregelung als AFOL (Adult Fan of Lego), was so viel bedeutet wie erwachsener Lego-Fan. Sein Herz schlägt für die Technic-Serie des dänischen Spielzeugherstellers. Baumaschinen, Flugzeuge, Autos, elektronisch oder pneumatisch betrieben, mit allerhand technischem Schnickschnack ausgestattet und besonders knifflig im Zusammensetzen. "Ich kann beim Bauen total abschalten", erklärt Wilfried Holstein, warum er Lego-Fan ist.
Enorme Wertsteigerung


Lego ist für ihn auch eine Geldanlage: Limitierte Auflagen oder solche Modelle, die nur kurz im Programm sind, kauft er im Doppelpack und lässt eins im Pappkarton, um es zum richtigen Zeitpunkt mit Gewinn zu verkaufen. Ein Beispiel für die Wertsteigerung bietet sein Kinder-Karussell aus 3400 Teilen, für das ihm Sammler das Zigfache des Kaufpreises bieten. Einem Neuseeländer wäre es 1000 Euro wert gewesen - eine Wertsteigerung um mehr als das Vierfache in nur vier Jahren.
Wilfried Holsteins Sammelleidenschaft ist noch jung, erst vier Jahre alt. "Als ich das Rauchen eingestellt habe, hab ich nach einer anderen Sucht gesucht", erzählt er. Und als er an Weihnachten die Geschenke aus Lego für die drei Enkel zusammenbaute, hat es ihn gepackt. Seitdem hat er 150 000 Steine in 160 Modellen zusammengesetzt. Faszinierend, was man dazu nicht benötigt, findet Holstein: Keine Schrauben, kein Werkzeug, keine textlichen Anleitungen, Bilder reichen. Und alle Technic-Modelle sind zu bewegen und besitzen Funktionen: sie können kippen, schaufeln, fahren, abschleppen.
Im ehemaligen Gästezimmer hat Lego alle Plätze besetzt. Auf dem Schreibtisch liegt das aktuelle Prospekt. Als Bildschirmschoner wandern Lego-Neuheiten über den Monitor. Auf Regalen und in Vitrinen, an den Wänden, an der Decke, wo das Auge hinsieht, Lego. Unimog, Offroader, Flugzeug, Hubschrauber, Raupenkran, Riesenrad, Bagger, Geländewagen, Rolls Royce, Truck, Bulldozer, Campingbus, Schwerlastkran und und und. Spielzeug im Kaufwert von 6000 Euro. Über den Liebhaberwert lässt sich nur spekulieren.
Zu 90 Prozent kauft der Sammler die Modelle im Internet. Die gebrauchten Steine steckt er erstmal in Waschbeutel und reinigt sie bei 60 Grad in der Waschmaschine. "Lego geht nicht kaputt."
Viele Männer teilen die Leidenschaft für das Bauspielzeug. So auch ein Club aus Luxemburg, mit dem sich Wilfried Holstein zum Stammtisch trifft. Hier und auf Messen und Ausstellungen wird eifrig gefachsimpelt und gezeigt, was man hat.
Das älteste Stück in Wilfried Holsteins Sammlung ist ein Kranwagen aus den 70er Jahren. Das größte Gefährt, das er zusammengebaut hat, ist der Mobile Schwerlastkran mit einer Länge von 60 Zentimetern. Sein Lieblingsstück dagegen ist winzig: Ein acht Zentimeter großer Radlader.
Nicht immer ist das Hobby entspannend. "Es kommt vor, dass ich beim Bauen ganz schön laut werde", gibt Holstein zu. Nämlich dann, wenn er am Ende bemerkt, dass ein Stein unter Tausenden falsch sitzt und alles wieder zerlegt werden muss.

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