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Vier Landkreise wollen medizinische Versorgung auf dem Land verbessern

Neues Projekt : Lieber Landarzt  statt Frust schieben – Vier Landkreise wollen mit einem gemeinsamen Projekt die medizinische Versorgung auf dem Land verbessern

Der Kreis will mit den Nachbarkommunen die ärztliche Versorgung auf dem Land verbessern. Für das Projekt „Stadtfrust? Landarzt!“ bewilligt der Kreistag eine Förderung für die nächsten fünf Jahre.

(will) Die ärztliche Versorgung auf dem Land bereitet vielen Kommunen Sorgen. Im Kreis Bernkastel-Wittlich sieht zwar derzeit die Versorgungslage auf dem Papier gut aus. Allerdings bereitet die Altersstruktur der Mediziner Kummer, wie Susan Menges und Stephan von St. Vith vom Fachbereich Kreisentwicklung den Mitgliedern des Kreistags am Montag erklärten. Mehr als 40 Prozent der praktizierenden Hausärzte sei älter als 60 Jahre. Zudem gebe es immer mehr Frauen, die Medizin studieren oder studiert haben und Teilzeit arbeiten wollen, was als niedergelassene Ärztin in einer eigenen Praxis nur schwer möglich ist. Um aber auch in Zukunft sicherzustellen, dass es genügend Ärzte im Kreisgebiet gibt, arbeitet der Kreis seit 2017 daran, eine Strategie zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung zu erstellen.

Das Projekt: Der Landkreis Bernkastel-Wittlich entwickelt mit den Verbandsgemeinden, ansässigen Ärzten, den Krankenhäusern wie dem Verbundkrankenhaus und den Median-Kliniken sowie der Kassenärztlichen Vereinigung  Strategien arbeitet daran, diese umzusetzen (wir berichteten). Nun möchte der Landkreis mit dem Eifelkreis Bitburg-Prüm, dem Kreis Cochem-Zell und dem Vulkaneifelkreis zusammenarbeiten und ein Bündel an Vorhaben gemeinsam umsetzen. Der Titel des Projekts lautet „Stadtfrust? Landarzt!“. Das vorgesehene Maßnahmenprogramm besteht aus einer Ärztebefragung, der Gewinnung von Famulanten (siehe Info) und Ärzten im praktischen Jahr sowie von Weiterbildungsassistenten, der Gründung eines Ärzte- und Nachwuchsnetzwerks, der Unterstützung kooperativer Versorgungsmodelle, der Förderung alternativer Versorgungsmodelle und letztlich der Etablierung von entsprechenden Koordinierungsstellen. Einige Maßnahmen sollen in zwei bis fünf Jahren Wirkung zeigen, andere sind langfristig angedacht, innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre. Nach fünf Jahren soll eine erste Überprüfung erfolgen und zeigen, welche Vorhaben sich etabliert haben oder wo nachgebessert werden kann. Danach soll entschieden werden, ob und in welchem Umfang das Projekt fortgeführt wird.

Die Kosten: Durch den Zusammenschluss soll nicht nur die Vernetzung gestärkt, sondern es sollen auch die Kosten gesenkt werden. Bei der Beteiligung der vier Landkreise liegen, so das in der Sitzung präsentierte Konzept, die Gesamtkosten bei etwa 1,2 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre. Bei gleichmäßiger Kostenteilung fallen damit pro Jahr und Landkreis rund 60 000 Euro an. Eventuell kann sich dieser Betrag durch Zuschüsse Dritter verringern.

Das sagen die Fraktionen: „Es ist fünf vor zwölf, dieses Problem zu beheben“, sagt Günther Theis (Bündnis 90/Die Grünen): Es bringe nichts, Probleme in die Zukunft zu schieben.

Dennis Junk (CDU) sieht das Projekt positiv und begrüßte, dass das Vorhaben auf interkommunaler Ebene angesiedelt ist. Er sieht die ärztliche Versorgung als ein Dauerthema für die Zukunft, mahnte aber auch: „Wir dürfen uns nichts vormachen, dass es auch im Verbund schwierig wird, das zu realisieren.“ Für seinen Fraktionskollegen Andreas Hackethal ist das Projekt ein „tolles Fundament“, das die Investition wert sei. Für Bettina Brück (SPD) ist die ärztliche Versorgung eines der Themen, das die Menschen am intensivsten beschäftigt. „Gut, dass es hier Unterstützung in jedweder Weise gibt. Wir sind gerne gewillt, weiter an dem Thema mitzuarbeiten.“ Frank Klein (FDP) begrüßte das Vorhaben ebenfalls. Aus seiner Sicht soll die Politik Instrumente wie Netzpraxen fördern, die niedergelassene Ärzte von bestimmten Verwaltungsaufgaben entlaste. Brigitte Hoffmann (AfD) sagte, dass das Vorhaben nur bejaht werden könne. Für die FWG ist das Projekt eine Herzensangelegenheit, „und die Zielrichtung ist die richtige“, sagt Alois Meyer.

Der Beschluss: Der Kreisausschuss hatte in seiner zurückliegenden Sitzung einstimmig die Empfehlung an den Kreistag abgegeben, der Kooperation der Landkreise zuzustimmen sowie den Anteil an der Finanzierung ab 2021 sicherzustellen (wir berichteten). Dem folgte der Kreistag – ebenfalls einstimmig.