Vier Pfoten und eine gute Spürnase: Die Rettungshundestaffel Eifel-Mosel wird 20

Vier Pfoten und eine gute Spürnase: Die Rettungshundestaffel Eifel-Mosel wird 20

Die Rettungshundestaffel wird gerufen, wenn ein oder mehrere Menschen vermisst werden. Dann gehen die Teams aus Mensch und Tier zusammen auf die Suche, auch nachts, bei strömendem Regen und in unwegsamem Gelände. Die ehrenamtlichen Helfer können Leben retten, und das mittlerweile seit 20 Jahren.

Tino streckt die Nase in die Luft. Er nimmt Witterung auf. Der Hund mit dem wuscheligen Fell ist ein Flächensuchhund und trainiert mit seinem Besitzer Hardy Nickels im Rahmen einer Übung am Sportplatz in Bergweiler als Rettungshunde-Team. Zuvor hat Nickels mithilfe von Babypuder geprüft, woher der Wind kommt, um seinen vierbeinigen Partner entsprechend zu positionieren. Flächensuchhunde sind darauf trainiert, in einem größeren Gelände Menschen zu wittern und aufzuspüren. Dabei sind sie nicht an der Leine, sondern laufen frei. Kaum hat Tino gewittert, wo sich die für ihn fremde Person befindet, läuft er eilig zu dem Versteck im Wald. Tino ist noch in der Ausbildung, macht seine Sache aber schon sehr gut. Und so ist die Freude des Rüden riesig, denn zur Belohnung für die erfolgreiche Suche gibt es leckere Fleischwurst, eine besondere Delikatesse für das Tier.

Ohne Belohnung geht es ohnehin nicht, erklärt Martina Gorges-Dany von der Rettungshundestaffel Eifel-Mosel. Und diese Belohnungen sind von Hund zu Hund verschieden. Während der eine für Fleischwurst seine Arbeit macht, muss es bei dem nächsten Katzenfutter sein oder auch ein besonderes Spielzeug. Wichtig dabei ist, dass die Belohnung nicht alltäglich ist und fest mit ihrer Aufgabe als Suchhunde verbunden ist. Der Vorteil dabei ist, dass die Hunde ihre Arbeit als großen Spaß empfinden.

"Mit Gewalt erreicht man nichts", sagt Gorges-Dany. Dann würden die Hunde in schwierigen Situationen versagen. "Sie müssen mit Freude und Elan dabei sein." Auch wenn es eine schwere Arbeit und sehr ermüdend für die Tiere ist.
Auch Bounty ist hoch motiviert. Er ist ein Fährtensuchhund und soll ein Mitglied der Rettungshundestaffel suchen. Anders als Tino hat Bounty, nachdem er eine Kappe des Gesuchten erschnuppert hat, die Nase bei der Suche am Boden. Er läuft an der Leine von Tina Caspari. Schnell hat er die Fährte aufgenommen und eilt über den Sportplatz, entlang der Straße, dann links in eine weitere Straße. Und dort findet er Hardy Nickels, der sich in einer Hofeinfahrt versteckt hat. Auch hier ist die Freude über die Belohnung wieder riesig.

Einmal pro Woche treffen sich die Mitglieder der Staffel, um mit ihren Tieren zu üben. Dabei haben sie verschiedene Übungsgelände, sind aber immer auf der Suche nach neuen Flächen, um für Abwechslung zu sorgen. Das viele Training ist notwendig, denn die Anforderungen an die Teams, die immer aus einem Hund und ihrem Führer bestehen, sind groß. Mindestens zwei Jahre dauert die Ausbildung eines Rettungshundes (siehe Extra). Auch nach bestandener Prüfung müssen die Teams jedes Jahr erneut ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Ein Grund dafür, dass sich Tanja Morscheid auch häufig über "Hobbykünstler" ärgert. Denn oft werde ihre Arbeit erschwert von Menschen, die mit ihren Hunden Fährtensuchen üben und sich im Ernstfall als Hilfe anbieten. Sie würden die Arbeit der ausgebildeten Teams erschweren und häufig Spuren unbrauchbar machen.

Um Mitglied in der Rettungshundestaffel zu werden, müssen die Hundehalter vor allem bereits sein, viel Zeit in ihr Hobby zu stecken. Neben den wöchentlichen Trainingsabenden steht auch einmal im Monat Theorieunterricht an. Und natürlich die Einsätze. "Wir werden Tag und Nacht angefordert", sagt Tanja Morscheid. Das sei nicht immer angenehm, wenn es darum geht, bei Kälte und strömendem Regen nachts in unwegsamem Gelände unterwegs zu sein. Aber vor allem müssen die Hundeführer mental stark sein. "Wenn wir zu den Angehörigen kommen, ist die Erwartungshaltung riesig", sagt Martina Gorges-Dany. Da sei jemand vermisst und die Hoffnungen liegen nun auf den Teams der Staffel. "Man sieht die Trauer bei der Familie", sagt Gorges-Dany. Die Aufregung sei bei jedem Einsatz immer noch dabei. Und auch, wenn die Hilfe für gesuchte Personen zu spät kommt, kann das sehr belastend für die ehrenamtlichen Helfer sein. Ein weiterer Aspekt bei der Staffel sind die Kosten für die Ausstattung. Denn die müssen die freiwilligen Helfer selbst bezahlen. Und für die erste Ausrüstung mit der speziellen Arbeitskleidung, einer Rettungsweste für den Hund und sicheren Schuhe sind schnell 1500 Euro fällig.

Unterstützt werden die Ehrenamtler ansonsten nur von Spenden und dem Dachverband der Rettungshundestaffeln.
Warum bleibt man trotzdem 20 Jahre und mehr dabei wie Tanja Morscheid und Martina Gorges-Dany? "Ich möchte mit meinem Hund etwas Sinnvolles tun", sagt Morscheid. Und auch eine erfolgreiche Suche motiviere immer von Neuem, weiterzumachen, denn "es geht um Menschenleben".Extra

Die Hunde müssen zusammen mit ihrem Hundeführer eine Begleithundeprüfung, die Vorprüfung und die Hauptprüfung bestehen, ehe sie im Ernstfall eingesetzt werden. Dafür lernen sie unter anderem Grundgehorsam, Geländearbeit, Sucharbeit. Geeignet sind unabhängig von der Rasse robuste und sozialverträgliche Tiere. Außerdem müssen sie eine gute Nasenleistung aufweisen, Ausdauer besitzen und vor allem einen großen Spieltrieb haben. Ein Hundeführer muss ebenso wie sein vierbeiniger Partner eine umfangreiche Ausbildung absolvieren. Dazu gehören Grundwissen über Hundehaltung, Erste Hilfe für Mensch und Tier, Einsatztechnik und Suchtechnik, Karten- und Kompasskunde, Funktechnik, Trümmerkunde und Bergungstechnik. Wichtig ist auch eine mentale Stärke und Stabilität, um mit belastenden Situationen bei der Suche zurechtzukommen. nojExtra

Die Rettungshundestaffel Eifel-Mosel wurde im Jahre 1996 gegründet. Heute gibt es rund 20 Mitglieder, die aus verschiedenen Orten zwischen Trier, Mosel und Eifel kommen. Die Staffel kooperiert mit anderen Gruppen zum Beispiel aus dem Saarland, Koblenz, Lahnstein oder Kaiserslautern. Gesucht wird in Gruppen mit mehreren Teams und einem Suchgruppenhelfer, der das Funkgerät bedient, die Karte liest und die Hundeführer so unterstützt, dass sie sich ganz auf ihr Tier konzentrieren können. Gerufen wird die Staffel, wenn Personen vermisst werden und diese beispielsweise durch eine Krankheit orientierungslos sind, oder Suizidgefahr besteht. Auch Katastrophen, wie Explosionen, Erdrutsche oder Ähnliches können die Hilfe erforderlich machen. nojExtra: Kindernachricht

Die Suche ist erfolgreich, Bounty hat Hardy Nickels aufgespürt. Hundeführerin Tina Caspari belohnt ihn mit besonderen Leckereien. TV-Foto: Nora John. Foto: (m_kreis )
Aslan ist geprüfter Flächensuchhund. Foto: (m_kreis )

Stellt euch vor, ihr hättet euch im Wald verlaufen! Meist findet man ja wieder schnell zurück. Aber es gibt auch Menschen, die sind geistig verwirrt oder verletzt und schaffen es deshalb nicht, wieder nach Hause zurückzukehren. Dann ist es gut, wenn man die Rettungshundestaffel rufen kann. Denn das sind Menschen, die mit ihren Hunden zusammen gelernt haben, wie man Menschen wiederfindet. Damit haben sie schon viele Leute gerettet. Und dabei bekommen sie gar kein Geld dafür, sondern machen das alles in ihrer Freizeit. Die Hunde haben sogar richtig Spaß dabei. noj