Virtuose Empfindsamkeit und starke Leidenschaft

Virtuose Empfindsamkeit und starke Leidenschaft

Im Rahmen der Wittlicher Klinikkonzerte begeisterte der Konzertpianist Pervez Mody sein Publikum im Wittlicher St-Elisabeth-Krankenhaus. Er gestaltet das 100. Konzert der Reihe, das das Thema "Wahn und Religion" hatte.

Wittlich. Für das 100. Klinikkonzert konnte mit Pervez Mody einen Ausnahmepianist gewonnen werden. Bereits zu Beginn zog er mit der sogenannten "Schwarzen Messe" das Publikum tief in die Welt Alexander Skrjabins, ein innerlich aufwühlendes Meisterwerk des Komponisten.
Mody führte in die Musikstücke ein, die er zum Programmthema "Wahn und Religion" speziell ausgewählt hatte und ermöglichte dadurch dem Publikum einen Zugang zu dieser wuchtigen und sprunghaften Musik. Grandiose Virtuosität auch später bei der romantisch-zarten "Nocturne op. 9 Nr. 2" nur für die linke Hand: ein Werk, das Skrjabin 1894 aufgrund einer Erkrankung an seiner rechten Hand komponiert hatte. Dabei legte Mody locker seine rechte Hand aufs Knie und seine Linke spielt, als wären zwei oder drei Hände am Werk.
Es folgten unter anderem die Peludes op. 33, Deux Danses op. 73, drei Ètudes op. 8 und den Höhepunkt bildet das 1914 komponierte Poéme "Vers la Flamme op. 72", das laut Mody die Zuhörer aus dem Dunklen in ein gleißendes Licht führt. Im Klinikkonzert beeindruckte Modys von tiefer Innigkeit und brillanter Klaviertechnik geprägtes Spiel. Alle Werke spielte er aus dem Gedächtnis; er scheint in den Kompositionen aufzugehen, in ihnen zu leben.
Der im indischen Mumbai geborene Mody galt als Wunderkind, dessen Klavierausbildung mit vier Jahren begann. Ein Stipendium führte ihn mit 18 Jahren an das Tschaikowski-Konservatorium nach Moskau, das er, wie auch sein anschließendes Aufbaustudium an der Musikhochschule Karlsruhe, mit höchster Auszeichnung im Konzertexamen abschloss. Heute lebt der erfolgreiche Konzertpianist in Deutschland. Neben seiner Konzerttätigkeit arbeitet er unter anderem an der Einspielung des Gesamtwerkes von Alexander Skrjabin (1872-1915) auf CD, ein wahres Mammutprojekt, inzwischen sind bereits fünf CDs erschienen. Skrjabins Werke faszinierten Pervez Mody bereits im Studium. Der Komponist wollte die Welt mit seiner Musik in Ekstase versetzen: mit geradezu mystischem Zauber und einer fast körperlichen Reizwirkung. Es entstanden herausfordernde Klavierwerke. Skrjabin, schwankend zwischen empfindsamer Träumerei und ekstatischen Ausbrüchen - herausfordernd für den Interpreten als auch für das Publikum zugleich. Frenetischer Beifall entlockte Mody zwei Zugaben - virtuose Etüden von Chopin.
Das 100. Wittlicher Klinikkonzert war ein grandioses Konzerterlebnis, bei dem Pervez Mody das Publikum mit seiner äußerst virtuosen Empfindsamkeit und starken Leidenschaft begeisterte.
red

Mehr von Volksfreund