Virtuosität und Klanggewalt

Zeltingen-Rachtig. Seit einigen Jahren bildet ein Konzert in der Pfarrkirche den Abschluss der Zeltinger Weinbautage. In diesem Jahr wurden aber gleichzeitig die Festlichkeiten zum 200jährigen Pfarrjubiläum eröffnet. Auch diesmal beeindruckten Ingrid Wagner und Sven Scheuren ihr Publikum.

Inzwischenhat es schon Tradition, dass zum Ende der Zeltinger Weinbautagein der katholischen Pfarrkirche St. Stephanus ein Orgelkonzertstattfindet. In diesem Jahr aber eröffneten Sven Scheuren, Kantorder Stiftskirche in Treis-Karden, und die Mezzosopranistin IngridWagner mit ihren Darbietungen auch gleichzeitig den Festreigenzum 200jährigen Bestehen der Pfarrei. Wie schon in den vergangenen Jahren war auch dieses Mal das Gotteshaus sehr gut besucht. Dass die Musikfreunde trotz des strahlenden Sonnenscheins den Weg in die Kirche fanden, zeigte, wie sehr sich die Qualität der beiden Ausführenden herumgesprochen hat. Auch in diesem Jahr sollten Wagner und Scheuren ihr Publikum nicht enttäuschen.

Für seinen Orgelpart hatte Scheuren ein Programm zusammengestellt, dessen Schwerpunkt im frühen Barock lag. Angefangen bei Dietrich Buxtehudes Präludium D-Dur über Johann Pachelbels Präludium in d-moll bis hin zu den 14 Variationen über die kurze Aria "Jesu, du bist allzu schöne" des Lüneburger Meisters und Lehrers von Johann Sebastian Bach, Georg Böhm. Mit geschickten Registrierungen und einer sehr beherzten Spielweise gestaltete Scheuren die Kompositionen. Dabei gelang es ihm, die Werke sehr lebendig und abwechslungsreich darzustellen, was unter dem Aspekt, dass die Zeltinger Orgel eigentlich für diese Art der Musik nicht konzipiert ist, besonders gewürdigt werden muss. Teilweise gelang es Scheuren, dem Instrument sehr interessante Klangkombinationen zu entlocken, die man so nicht unbedingt erwarten musste.

Seine beeindruckende Virtuosität belegte Scheuren mit der g-moll Toccata des Niederländers Rene Louis Becker, deren musikalischer Inhalt zwar eher in den Bereich des Plagiats denn der Neuschöpfung gehört, die den Fähigkeiten des Solisten und der Klanggewalt der Orgel aber breiten Raum gewährte. Für beides nutzte Scheuren die Gelegenheit ausgiebig.

Verneigung vor der Gottesmutter

Entsprechend der Überschrift "Salve Regina" wurde der vokale Teil des Konzertes zu einer Verneigung vor der Gottesmutter. Wagner hatte sich hierzu Literatur ausgesucht, die von der Frühzeit der Kirchenmusik bis in das 20. Jahrhundert reichte. Besondere Aufmerksamkeit verdienten hierbei die Vertonungen des Ave Maria von Antonin Dvorák und Camille Saint-Saëns. Zusammen mit der berühmten Bearbeitung von Charles Gounot entsprachen sie genau der Wagnerschen Stimme und ließen an Überzeugungskraft nichts zu wünschen übrig. Dass sie zusammen mit Scheuren ein gut eingespieltes Duo bildete, tat für das Gelingen ein Übriges.

Den Abschluss des Konzertes bildeten zwei mitreißende Improvisationen, in denen Scheuren zunächst zwei Lieder zu Ehren des Pfarrpatrons verarbeitete. Er konzentrierte sich dabei auf die Textlichen Inhalte und ließ so das Leben des heiligen Stephanus musikalisch am Publikum vorbeiziehen. Danach sorgte er noch dafür, dass auch das "Zeltinger Himmelreich" virtuos und klanggewaltig Einzug in die Pfarrkirche halten konnte. Sehr lang anhaltender Applaus ehrte verdientermaßen die Leistung der beiden Ausführenden.

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