Virtuosität und russische Seele

Ein leidenschaftliches und unkonventionelles Konzert hat Ekaterina Melnikova in der Abtei Himmerod gespielt. Im Rahmen des Internationalen Orgelsommers begeisterte die russische Konzertorganistin 400 Zuschauer.

Großlittgen. (red) Mit Ekaterina Melnikova ist eine der profiliertesten russischen Konzertorganistinnen beim Internationalen Orgelsommer der Abtei Himmerod zu Gast gewesen.. Dass die temperamentvolle Künstlerin gern eigene Wege geht, zeigte ihre unkonventionelle Programmgestaltung mit Transkriptionen großer Orchesterwerke, die sie für die Königin der Instrumente arrangiert hatte. 400 Besucher lauschten ihrem Konzert in der ausverkauften Abteikirche.

Akademisches Musizieren ist der forschen Dame aus Moskau fremd. Wenn sie spielt, dann greift sie beherzt zu, lotet mit großer Leidenschaft die Tiefen der Musik aus. So hat sie einen untrügerischen Sinn für die Dramatik der Stücke, die oft erzählenden Charakter haben. Im Zentrum ihres Konzertes stand die berühmte Orchestersuite "Karneval der Tiere", in der der Franzose Camille Saint-Saens auf humorvolle Weise so manches Getier gekonnt karikiert hat.

Anspruchsvolle Partituren



Mal hüpft es da im Reich der Tiere, mal stampft es, mal geht es geschwind zu, mal gemächlich, und auch die menschliche Spezies der musizierenden Zunft bekommt ihr Fett weg. Ekaterina Melnikova gelingt es mühelos, die brillanten Effekte der Orchestervorlage kongenial auf die Orgel zu übertragen; sie meistert mit artistischer Bravour so manche spieltechnischen Klippen, die die anspruchsvolle Partitur bereithält.

Als Verschnaufpause folgten zwei Tänze aus Tschaikowskys "Nussknacker-Suite" und ein Ausschnitt aus der Filmmusik zu "Once Upon a Time in America" von Enrico Morricone, bevor es dann am Ende mit einem Filmepos aus der russischen Historie nochmals dramatisch wurde. Kein Geringerer als Sergej Prokofiev hat die Filmmusik zu "Alexander Nevsky" (Regie: S. Eizenstein) geschrieben. Ekaterina Melnikova hatte für ihr Konzert die Schlüsselszene des Films, den Kampf auf dem Eis, gewählt. Hier vermochte sie ebenso anschaulich wie plastisch das Geschehen vor Augen zu führen, aber weit mehr noch durch ihre ausdrucksstarke Wiedergabe die seelische Tragik des Ganzen zu vermitteln.

Zwei weitere Damen der Orgelwelt werden in Himmerod noch erwartet: Livia Mazzanti aus Rom am 12. September und Neva Krysteva aus Sofia am 26. September. Beide Konzerte beginnen um 15 Uhr.