Vogelsang hat kein Neonazi-Problem

Vogelsang hat kein Neonazi-Problem

Strikt setzt die Vogelsang-Crew die Hausordnung auf dem Gelände der nationalsozialistischen "Ordensburg" bei Schleiden in der Eifel um. Neonazis bekommen ein Platzverbot, sobald sie ihre Gesinnung offenlegen.

Vogelsang. Als eine Gruppe älterer Herren aus Ostdeutschland plötzlich in ehrfurchtsvollem Ton darüber spricht, dass durch dieses Tor auch schon "unser Führer höchstpersönlich" geschritten sei, dämmert es dem Vogelsang-Experten. Offenbar führt er gerade eine Gruppe Besucher durchs Areal, die erklärtermaßen auf dem Gelände unerwünscht ist. Er bricht die Führung für die Unbelehrbaren sofort ab. Nachdem die belgischen Militärs das Camp Vogelsang verlassen hatten, wurde das Areal am 1. Januar 2006 für Besucher geöffnet. Neben der Sorge, eine zivile Nutzung für die sperrige Immobilie zu finden, stand von Beginn an die Furcht, dass die einstige "Ordensburg" der Nationalsozialisten zu einem "braunen" Pilgerort werden könnte.
Tatsächlich fanden sich in den folgenden Jahren mehrfach Besuchergruppen ein, die dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen sind. Doch die Verwalter von Vogelsang haben ein einfaches Mittel gegen unerwünschte Besucher gefunden. Private Führungen sind in Vogelsang nicht erlaubt. Nur die von den Vogelsang-Verantwortlichen bestellten Experten dürfen Gruppen übers Gelände führen. Und die haben ein waches Auge darauf, welche Klientel sie begleiten.
Eine rechtsextreme Gruppierung aus dem Raum Aachen versuchte in den ersten Jahren mehrfach, auf eigene Faust in Vogelsang als Gruppe aufzutreten. Doch auch ihre Besuche blieben nicht unentdeckt. Sie hatten die Rechnung ohne den Hausherrn gemacht. Manfred Poth selbst, Aufsichtsratsvorsitzender der Standortentwicklungsgesellschaft und der Vogelsang "ip", machte vom Hausrecht Gebrauch und erteilte der Gruppe Platzverweise. In einem Fall setzte er diesen mit Unterstützung der Polizei um.
Unerwünschte Gäste


Die unerwünschten Gäste fügten sich, wenn auch zähneknirschend. Sie begnügten sich damit, auf dem Parkplatz vor Vogelsang gegen den Platzverweis zu demonstrieren - und schwenkten eifrig eine "Reichskriegsfahne".
Doch ein echtes Problem mit Neonazis hat Vogelsang bislang nicht. Eine strikte Umsetzung der Hausordnung, vor allem aber die zahlreichen Aktivitäten, die sich seit der Freigabe entfalteten, verhinderten, dass Vogelsang zum attraktiven Reiseziel für Rechtsextreme wurde. Gruppen, deren rechtsextreme Gesinnung bekannt oder erkennbar ist (etwa durch Kleidung oder Utensilien), werden vor die Tür gesetzt. Außerhalb der Öffnungszeiten patrouillieren die Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma übers Gelände. "Das Ziel, dass Vogelsang nicht zum ,braunen\' Mekka wird, wurde erreicht", sagt auch "ip"-Geschäftsführer Albert Moritz. Wichtig sei aber, auch weiterhin das klare Signal zu setzen: "Wer nicht verfassungskonform auftritt, ist hier nicht erwünscht."
Und hierzu wird auch die Konzeption für jenen Komplex Vogelsangs beisteuern, der sich künftig mit der NS-Vergangenheit der Anlage beschäftigt. Für 1,2 Millionen Euro entsteht in der Schenke und der Etage darüber die NS-Dokumentation. Diese ist zwar inhaltlich noch zu konzipieren. Grundlage wird aber der historische Hintergrund der "Ordensburg" als Kaderschmiede der Nationalsozialisten sein.
Die Besuche von rechtsex tremen Gruppen, so Albert Moritz, bildeten sowieso nur die Spitze des Eisbergs. "Braunen" Gruppen zu begegnen, sei Aufgabe der Polizei und des Staatsschutzes - oder auch eines Bündnisses gegen rechts, wie es gerade im Kreis Euskirchen immer konkretere Formen annimmt.
Eine vorrangige gesellschaftliche Aufgabe sei es, frühzeitig rechtsextremen Tendenzen zu begegnen. Hierzu könne auch Vogelsang durch Information und Aufklärung beitragen. Es entstehe ja auch ein Lernort, an dem Jugendliche sich intensiv mit der Thematik beschäftigen können.

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