Vom Baikalsee an die Mosel

VELDENZ/TRIER. (red) Vier Wochen zu Gast waren elf junge Russen bei ihren Pfadfinder-Kollegen aus Veldenz und Trier.

"Wir wollen noch nicht wieder nach Hause!", waren sich die elf russischen Mädchen und Jungen aus Schelechov am Baikalsee beim Abschied von ihren Freunden vom Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) aus Veldenz und Trier einig. Nach vier Wochen ging eine Jugendbegegnung zwischen deutschen und russischen Pfadfindern zu Ende, die allen Beteiligten unvergessen bleiben wird. Alles hatte im November 2005 begonnen: Thomas Graf Grote, der deutsche Pfarrer der kleinen evangelischen Kirchengemeinde von Schelechov, war auf Besuch in seiner Heimatstadt Trier und traf sich mit seinen Pfadfinderfreunden vom VCP. Schnell war beschlossen: Die deutschen Pfadfinder aus Trier und Veldenz werden im Sommer 2006 gemeinsam mit den russischen "Baikal-Scouts" zum großen VCP-Bundeslager mit 4700 Teilnehmern an der Mecklenburgischen Seenplatte fahren. Das wurde jedoch durch die Lebensumstände der Gäste aus dem fernen Sibirien sehr erschwert. Ihre Armut hätte es den russischen Pfadfindern niemals erlaubt, eine solche Reise zu finanzieren. Die deutschen Gastgeber vom VCP ließen sich jedoch davon nicht abschrecken. Sie setzen alle Hebel in Bewegung und fanden Sponsoren, die das nahezu Unmögliche schließlich möglich machten. So spendete beispielsweise allein die Stiftung West-Östliche Begegnungen, eine private Stiftung zur Förderung der deutsch-russischen Freundschaft, 2750 Euro für die Flugkosten, und auch die evangelische Kirche, die öffentlichen Kassen und der Pfadfinderförderverein unterstützen das Projekt. Die Mühe hat sich gelohnt. Die vier Mädchen und sieben Jungen aus Sibirien haben in den vier Wochen viel erlebt: Sie besichtigten Trier, waren im Morbacher Freibad, erkundeten Burg Eltz und den Eifelpark und besuchten einen Tag lang Berlin. Höhepunkt waren die zehn Tage mit den deutschen Gastgebern im großen Bundeslager der evangelischen Pfadfinder mit Gästen aus 17 Nationen. Doch die schönsten Erlebnisse sind nicht planbar: Die deutschen und russischen Pfadfinder wuchsen in dieser Zeit zu einer Gemeinschaft zusammen, die sich auch außerhalb des offiziellen Programms oft traf. Viele Freundschaften wurden geschlossen. Trotz Sprachbarrieren und kulturellen Unterschieden wurden die deutschen Gastfamilien in Veldenz, Gornhausen, Trier und Morbach zur kleinen Heimat auf Zeit. Und so hieß es dann beim tränenreichen Abschied "Do swidanja w Russie!" - "Auf Wiedersehen im nächsten Jahr in Russland!" Jetzt bereiten sich die deutschen Pfadfinder auf ihren Besuch im Sommer kommenden Jahres am Baikalsee vor.

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