Vom Erntehelfer zum Spitzenwinzer
Kröv · Weinpapst Stuart Pigott hat ihn zu seinem Lieblingswinzer an der Mosel erklärt: Andrzej Greszta ist vor 19 Jahren von Polen an die Mosel gekommen und hat den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Der TV hat ihn in seiner Wahlheimat Kröv besucht.
Kröv. Es ist neblig und feuchtkalt im Moseltal an diesem Dezemberabend. Etwas versteckt liegt das kleine Haus von Andrzej Greszta in Kröv, zwischen der Robert-Schumann-Straße und Jesuitenhofstraße. Greszta beklebt gerade Weinflaschen mit Etiketten. Weingutskatze Jerry hüpft in die wohlig warm geheizte Wohnstube des Altbaus mit ihren heimeligen, niedrigen Decken. Greszta arbeitet oft bis spätabends in seinem Betrieb. Der weltweit anerkannte Weinspezialist Stuart Pigott hat ihn kürzlich zur "Winzerentdeckung des Jahres" gekürt. Seine 2009er Steffensberg Spätlese schmeckt knackig und frisch. Sie beeindruckt mit Zitrus- und Pfirsich-Aromen. Das ist für einen bereits sechs Jahre alten Riesling außergewöhnlich, denn der Trend geht zu möglichst frischen Weinen.
Aber Trends sind nicht unbedingt Gresztas Ding. "Für mich ist der Riesling der König der Rebsorte, ich baue meine Weine klassisch und geradlinig aus", sagt Greszta, der aus Lublin stammt, in seiner ruhigen Art.
An der Mosel ist er wohl der erste und einzige Pole, der sich vom Lesehelfer zum Winzer hochgearbeitet hat. 1996 war er zum ersten Mal dort, als Erntehelfer in Kröv. "Ich habe mich in Kröv und in die Mosel verliebt", sagt er schmunzelnd. Wie er nach Kröv gekommen ist? Er hatte damals einen Schulfreund besucht, der in Kröv geheiratet hat und dort geblieben ist. Dessen Nachbar fragte ihn, ob er im Weinberg helfen könne. Damals studierte er in Polen Landwirtschaft und begann sich so, für Weinbau zu interessieren. Aber in Polen gab es keine spezielle Schule für Winzer. Greszta half Saison für Saison in Kröv bei der Weinlese mit. Als Polen dann Mitglied der Europäischen Union wurde, eröffnete sich ihm mit seinem Abschluss als Landwirt die Möglichkeit, eine Winzerausbildung in Bernkastel-Kues zu machen. "Das hat sich gut ergänzt", sagt er.
Und so fiel vor zehn Jahren der Entschluss, sich selbstständig zu machen. Das war ein Sprung ins kalte Wasser. 2009 musste er einen herben Schicksalsschlag hinnehmen. "Das Haus, das ich damals gemietet hatte und auch kaufen wollte, brannte ab." Die Hilfsbereitschaft im Dorf sei aber groß gewesen: "Ich habe eine Ersatzwohnung erhalten, konnte einen Keller anmieten, um meinen Wein unterzubringen und viele Leute haben mir geholfen." Schließlich konnte er 2011 das Haus in der Robert-Schumann-Straße kaufen.
"Der 2006er war mein erster Jahrgang. Damals habe ich 1300 Liter ausgebaut", erinnert er sich. Er hatte damals auch einen Plan B: "Wenn der Wein nichts geworden wäre, dann wäre ich nach Australien gegangen, um dort Weinbau zu machen". Aber es ging alles gut. Heute hat er zwei Hektar Anbaufläche und produziert 18 000 Flaschen im Jahr. "Manchmal kommt die Familie aus Polen zu Besuch und hilft mit." Mittlerweile verkauft er seine Weine in ganz Deutschland, aber auch nach Tschechien und nach Polen. "Das polnische Konsulat in Deutschland serviert meine Weine bei Empfängen. Die laden mich dann immer ein", freut sich Greszta.
Auch in Tschechien sind seine Weine gefragt. "Das ist für die Tschechen was Besonderes, wenn ein Pole Wein anbaut", schmunzelt der 45-jährige Junggeselle. Was er neben dem Weinbau macht? "Ich habe kaum Zeit für andere Sachen, aber ich betreibe Kampfsport und gehe ins Fitnessstudio. Denn für Steillagen braucht man Power!"