Vom Koch zum Kerzenziehermeister

MANDERSCHEID. Mit der Lava-Kerze fing Michael Molls Karriere als Kerzenhersteller an. Damals war er noch Koch. Heute ist er Kerzenziehermeister und verbindet in seinem kleinen Familienbetrieb traditionelles Kunsthandwerk mit modernem Design.

Vielseitig - mit diesem Adjektiv lässt sich Michael Moll trefflich beschreiben. Zunächst hatte er als Koch gearbeitet. Doch war er auch schon als Burgverwalter, Fensterputzer und Gärtner tätig. Heute ist Moll Kerzenziehermeister - der einzige in der Eifel, wie er sagt - und entwirft in seiner Kerzenmanufaktur, in der er mit seiner Frau und zwei Aushilfen arbeitet, immer wieder neue Kreationen.Kreativität ist ihm wichtiger als Erfolg

Zur Zeit bevölkern Drachen und Eisbären sowie Ethnofiguren die Regale des Kerzenladens. Erotisch verwobene Körper, Nachbildungen von Ammoniten, aber auch Festtagskerzen und einfache Formen wie Zylinder gehören zum Angebot. Die Farbpalette reicht von bunt bis hin zu zeitlosem Gold mit Weiß. Moll: "Ich will nicht immer das Gleiche machen, ich will kreativ mit den Materialien arbeiten. So bin ich vielleicht nicht so erfolgreich, aber es macht Spaß." Die Gefahr, dass er sich verzettelt, sieht Moll durchaus. Doch das scheint den 47-Jährigen nicht zu schrecken. "Vielleicht ist das auch ein Wesenszug von mir?", fragt er lachend. Doch wie kam der Koch zur Kerze? Als 22-Jähriger fand der damals in Bonn Arbeitende in Bettenfeld ein Haus, das er sich leisten konnte. Als er sich mit der Gegend beschäftigte, stieß er mit dem Mosenberg vor der Haustür unweigerlich auf den Bodenschatz Lava. Ein bisschen wie die Apachen, nur eben mit anderem Material, fing er an, Brennschalen zu kreieren. Die Töpfchen formte er aus gemahlener Lava, ins Innere kamen Wachs und Docht. Ein Klassiker war geboren. Nach 25 Jahren gehören die Lavasteinkerzen immer noch zu Molls Repertoire. Das Jubiläum soll in diesem Jahr auch noch gefeiert werden. Durch den Volksfreund erfuhr Michael Moll von der sich bundesweit ausdehnenden Bayerischen Wachszieherinnung. "Ein schönes, altes Handwerk, das sollte man unterstützen", dachte er. Statt in die Lehre zu gehen, las er viel und lernte von Kollegen, bei denen er arbeitete. Schließlich absolvierte er Gesellen- und Meisterprüfung. Moll startete mit dem Verkauf seiner Kerzen auf Weihnachtsmärkten. Eine Weile lang war er viel auf Messen unterwegs, insbesondere in Frankfurt und Paris. Moll: "95 Prozent meiner Kunden kamen damals aus dem Ausland, von Kanada bis Abu Dhabi." Heute fährt der Kerzenzieher eine andere Strategie: "Ich will, dass die Kunden zu mir kommen." Dafür wirbt er mit Flyern und Plakaten überall dort, wo er Gäste der Region erreichen kann. Molls Werkstatt steht allen Interessierten offen, Gruppen können sich für eine Führung anmelden. Der Austausch mit den Kunden bringt Moll, der auch mit Gastronomiebetrieben zusammenarbeitet, oft auf neue Ideen. Mit seinen kreativen Kleinserien, die von Hand modelliert oder in selbst gemachte Formen gegossen werden oder auch durch das Übergießen des Dochts entstehen, geht Moll einen ganz eigenen Weg. Ansonsten sind in der Kerzenbranche einerseits moderne Industriebetriebe, andererseits traditionelle Kerzenzieherbetriebe, die vor allem Kirchen beliefern, die Regel. Moll legt Wert auf Qualität sowie auf ökologische Materialien und Arbeitsweise. Moll: "Das ist etwas teurer, aber die Leute akzeptieren das." Mehr Infos im Internet unter www.kerzenmoll.de und www.kerzeninnung.de