1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Vom Pech in Spanien zum Glück an der Mosel

Vom Pech in Spanien zum Glück an der Mosel

Als Victor Correa Crespo in seinem Heimatland Spanien nach einem Job gesucht hat, waren viele junge Menschen arbeitslos. So wie er. An der Mosel absolviert er nun eine Ausbildung - auch viele Landsleute von ihm.

Bernkastel-Wittlich. Wer sich in Spanien begrüßt, der sucht die Nähe. So erzählt es Victor Correa Crespo. Der 32-Jährige äfft ein paar Schmatz-Geräusche nach, imitiert eine herzliche Umarmung. "So geht das", erzählt er und lacht. Nachdem Crespo lange Zeit in Deutschland war, musste er sich bei einer Reise in seine Heimat aber erst wieder an den engen Körperkontakt beim Grüßen gewöhnen. "Hier schüttelt man sich die Hände."
Das stört Crespo nicht. Er fühlt sich wohl in Deutschland. Besser gesagt: in Bernkastel-Kues. Dort hat der Spanier in seiner beruflichen Laufbahn einen neuen Weg eingeschlagen. Der Mann mit dem Vollbart gehört seit einigen Monaten zu den 20 Schülern aus Spanien, die in der Berufsbildenden Schule (BBS) Bernkastel-Kues lernen und in gastronomischen Betrieben arbeiten. In der dualen Ausbildung steuern sie Berufe in Hotels, Restaurants und in der Küche an. Und das alles im Rahmen eines EU-Programms (siehe Extra).
Crespo ist dafür vom Computer an den Herd gewechselt. Er will Koch werden. Informatiker war er in seinem ersten Berufsleben in Spanien. Doch drei Jahre lang suchte er vergeblich einen festen Job. Wie so viele. "Als ich eine Anstellung gesucht habe, waren 60 Prozent der jungen Menschen arbeitslos." Das war frustrierend. Dann hörte Crespo von dem internationalen Ausbildungsprogramm, packte seine Koffer - und landete an der Mosel. Bis 2017 büffeln die jungen Spanier nun, um den Abschluss zu schaffen.
Landrat Gregor Eibes lobt das Konzept. Er sieht einerseits die Chance, neue Fachkräfte für die Region zu gewinnen. Und: "Wir bieten den jungen Leuten eine Lebensperspektive." Bei der Geschichte von Crespo schüttelt Eibes den Kopf. "Einem gut ausgebildeten Informatiker würden Unternehmen in Deutschland alle Türen einrennen. Wir müssen auch mal einen Blick auf andere Länder und die Probleme der Menschen dort werfen." Nicht immer fiel am Anfang alles leicht. Sieben Schüler hörten auf - meist wegen Heimweh. Crespo fühlt sich dagegen wohl. Er schwärmt besonders vom deutschen Bier. Die Ausbildung will er durchziehen. Im kommenden Schuljahr wird die Spanisch-Klasse aufgelöst. Dann werden die Schüler auf alle Klassen verteilt. Halb so wild. Für Crespo bietet sich dann die Möglichkeit, weitere Freundschaften zu schließen. Und viele neue Hände zu schütteln. flor
Extra

 ¡Bienvenidos! Oder auf deutsch: Herzlich willkommen! 20 spanische Schüler absolvieren mit diesem Schuljahr eine duale Ausbildung im Kreis. So wie Victor Correa Crespo (links) und Rosa Camana Vega. TV-Foto: Florian Schlecht
¡Bienvenidos! Oder auf deutsch: Herzlich willkommen! 20 spanische Schüler absolvieren mit diesem Schuljahr eine duale Ausbildung im Kreis. So wie Victor Correa Crespo (links) und Rosa Camana Vega. TV-Foto: Florian Schlecht Foto: (m_kreis )

20 spanische Schüler absolvieren im Landkreis Bernkastel-Wittlich die duale Ausbildung. Schulisch lernen sie in der BBS Bernkastel-Kues, beruflich in gastronomischen Betrieben. Die Klasse wurde im Rahmen des EU-Programms "MobiPro" gebildet. An der Mosel unterstützten es verschiedene Partner wie die Dehoga Rheinland-Pfalz, der Landkreis, die Agentur für Arbeit oder die Industrie- und Handelskammer. Der Versuch, auch zum kommenden Schuljahr neue Spanier zu gewinnen, ist gescheitert. Warum, darüber rätselt Dehoga-Präsident Gereon Haumann. Aber: Er habe positive Rückmeldungen von der Landesregierung, dass für das Schuljahr 2016/17 wieder Gelder für das Konzept bereitgestellt werden. flor