Vom Rummel auf die Intensivstation

Tina Koop aus Regulshausen wird das Idar-Obersteiner Spießbratenfest 2008 so schnell nicht vergessen. Denn für ihre Tochter endete der Besuch auf dem Rummelplatz in der Intensivstation. Die Mutter macht nun der Stadtverwaltung Vorwürfe: Sie investiere zu wenig Geld in den Sanitätsdienst.

Idar-Oberstein. (sc) Weil ihre Tochter nicht die medizinische Hilfe an Ort und Stelle erhielt, die sie erwartet hatte, macht Tina Koop der Stadtverwaltung schwere Vorwürfe. "Der Geiz der Stadtverwaltung kostete unsere dreijährige Tochter beinahe das Leben", sagt die Mutter. Das war passiert: Familie Koop besuchte am Samstag mit ihren beiden Töchtern das Spießbratenfest. Dabei verschluckte sich die Jüngste an einem gebratenen Champignon und bekam keine Luft mehr. "Wir rannten zum Sanitätsbereitschaftsdienst, wo wir zu unserem Schrecken feststellten, dass dieser vor 18 Uhr gar nicht besetzt war. Ein anwesender Feuerwehrmann alarmierte den Notarzt, der keine Sekunde später hätte eintreffen dürfen. Denn unsere Tochter war bereits blau angelaufen und hatte das Bewusstsein verloren."Sanitätsdienst wird erst ab 18 Uhr bezahlt

Das Mädchen wurde im Klinikum intubiert und künstlich beatmet, verbrachte danach vier Tage auf der Intensivstation. Sie ist aber seit Montag wieder gesund und zu Hause. Ihre Mutter kann sich indes noch nicht beruhigen: "Wäre ein Krankenwagen vor Ort gewesen, hätte das kostbare Zeit gespart, und die ganze Sache wäre glimpflicher ausgegangen. Es ist unfassbar, dass erst ab 18 Uhr ein Sanitätsdienst bezahlt wird." Oberbürgermeister Bruno Zimmer bedauert den Vorfall, sieht die Stadt aber nicht direkt in der Verantwortung: "Wir haben die Sanitätsdienste eingeteilt wie in den Jahren zuvor - und da gab es noch nie Probleme." Zudem sei die Marktleitung in der Mikadohalle immer besetzt und könne in solchen Fällen für schnelle Hilfe sorgen, zumal der Notarzt aufgrund der räumlichen Nähe zum Klinikum sehr schnell auf dem Festplatz sei. "Wir werden aber nach dem aktuellen Vorfall in Rat und Verwaltung grundsätzlich noch einmal über den Sanitätsdienst nachdenken", verspricht Zimmer. "Die Sicherheit der Besucher geht vor." Das Pech der Familie Koop war, dass sie am Samstag das Volksfest besuchte. Freitags und samstags ist der Sanitätsdienst dort erst am Abend besetzt. Sonntag (14 bis 24 Uhr), Montag (10 bis 14 und 18 bis 24 Uhr) und Dienstag (13 bis 24 Uhr) stehen die Rot-Kreuz-Ersthelfer auch am Tage Gewehr bei Fuß.