Vom Sitzen und Beißen auf Granit

MANDERSCHEID. (uhe) Seit nahezu 15 Jahren wird in Manderscheid über eine Umgestaltung des Marktplatzes diskutiert. In einer Bürgerversammlung wurde der Plan erneut vorgestellt, von dessen Umsetzung die Stadt auch nach dieser Veranstaltung noch genauso weit entfernt ist wie vorher. Wenn nicht sogar noch weiter.

Dass Steffen Riedle 1992 den Architektenwettbewerb für Vorschläge zur Veränderung des Manderscheider Marktplatzes gewonnen hat, mag für ihn in bestimmten Situationen von Vorteil sein, doch die Bürgerversammlung im Sitzungssaal des Rathauses ist keine dieser Situationen. Rund 30 Bürger, Rats- und Verwaltungsmitglieder haben sich dort zusammengefunden, um über Änderungen auf dem Platz zu debattieren. Es geht - wie bereits die anderthalb Jahrzehnte davor - um die Neugestaltung der derzeit geteerten Fläche oder wie es der Architekt aus Bad Kreuznach erklärt: "Es geht darum, den Marktplatz nicht irgendwie zuzubauen, sondern so zu gestalten, dass er auch genutzt werden kann." Der spröde Teerbelag soll einer Pflasterdecke weichen, und als Sitzmöglichkeit zwischen den Bäumen am Rand des Platzes könnten nach Riedles Ansicht Granitblöcke dienen. Schön und schlicht soll der Platz werden. Und vor allem eines: frei von Verkehr, sowohl von Durchgangs- als auch von parkendem Verkehr. Was im Grunde wünschenswert ist, gäbe es da nicht für die Anwohner im Umfeld und den benachbarten Straßen die Frage: Wenn die Autos zukünftig nicht mehr auf dem Marktplatz parken, wo dann?Ein Konzept ohne Verkehrsregelung

"Ich bin schon ziemlich erstaunt, dass wir ein Marktplatz-Konzept vorgelegt bekommen, ohne dass der ruhende und fließende Verkehr geregelt ist", sagt Hans Stölben, der in dem Haus Ecke Marktplatz/Kurfürstenstraße wohnt. Er ärgere sich bereits jetzt über die parkenden Autos, die in der Kurfürstenstraße und den benachbarten Straßen rücksichtslos vor Anliegereinfahrten und Wohnhäusern abgestellt würden. Sollte der Marktplatz für den Verkehr gesperrt werden, verschlimmere sich die Situation für die Anwohner weiter, sind Stölben und einige der anwesenden Bürger fest überzeugt. Ob es überhaupt sinnvoll sei, den Marktplatz zu verschönern, wenn es im Umfeld noch oder mittlerweile so viel Hässliches gebe, fragt eine Bürgerin und bezieht sich damit auf ein seit langem ungenutztes Haus am Marktplatz und einen vor wenigen Jahren in der Burgstraße gebauten Wohnkomplex, der sich so gar nicht in das historische Stadtbild einfügen möchte. "Das räume ich auch ein", sagt VG-Bürgermeister Wolfgang Schmitz, und in der Tat seien in der Vergangenheit in Manderscheid viele Fehler gemacht worden. "Aber wir können die Uhr nicht zurückdrehen: Der Bau steht nun mal da", sagt Schmitz und richtet dann den Blick wieder auf den Marktplatz, dessen Sanierung durchaus noch weitere zehn bis 15 Jahre hinausgezögert werden könne. Dass das Land dann allerdings immer noch die derzeit veranschlagten 100 000 bis 115 000 Euro Baukosten zu 80 Prozent übernehmen werde, sei eher unwahrscheinlich, fügt der VG-Chef hinzu, bevor sich die Versammlungsteilnehmer wieder dem ruhenden und fließenden Verkehr widmen, der zähflüssig den ganzen Abend bestimmt. Schließlich schlägt Stadtbürgermeisterin Christel Praum vor, in einer Testphase den Marktplatz für den Verkehr zu sperren und diesen umzuleiten - so wie es später auch sein soll. In einem noch festzulegenden Zeitraum, der aus Sicht von Praum und Schmitz ein halbes Jahr umfassen könne, nach Auffassung der Anwohner aber mindestens ein ganzes Jahr umfassen müsse. Am Ende der Sitzung wissen alle Beteiligten, dass auf dem Marktplatz noch einige Zeit auf Granit gebissen wird, bevor der erste Gast auf Granit sitzen wird.