Vom Tatort bekommen sie nie genug

WITTLICH. Unterwegs in Sachen Verkehrssicherheit und Jugendschutz: Der TV hat sich mit der Wittlicher Polizei auf der Straße und in Gaststätten die Nacht um die Ohren geschlagen.

Ein gleißender Lichtstrahl trifft die Augen des jungen Mannes. Seine Pupillen verengen sich. Glücklicherweise. Denn das ist ein gutes Zeichen. Ein Indiz dafür, dass er keine Drogen konsumiert hat. Polizeihauptkommissar Uwe Neumann nimmt seine Taschenlampe herunter und überprüft die Personalien des Mannes. Dann darf er weiterfahren.Alkoholfahne - und doch nicht betrunken

Angestrahlt vom Scheinwerfer des nächsten Wagens leuchtet die rote Kelle auf. Der Fahrer kurbelt das Fenster runter, ein Schwall von Alkoholgeruch dringt heraus. Ist das der große Fang? Ein Betrunkener, der trotzdem mit dem Auto unterwegs ist? "Ich komme gerade von der Arbeit, aus einer Weinkelterei", erklärt der Mann. Kein Lallen, kein auffälliges Verhalten. Pusten muss er natürlich trotzdem. Die Weinkelterei könnte ja eine - zugegebenermaßen dreiste - Ausrede sein. Das Kontrollgerät zeigt "0,00" an und gibt ihm damit Recht. Ein kurzes Schmunzeln, zwei, drei Lacher, dann fährt der Mann weiter in Richtung Feierabend. Sofort wird die Kelle wieder geschwenkt. Zwar ist an diesem Abend viel los auf der Straße, aber für die Polizisten der Inspektion Wittlich ist es trotzdem ein ruhiger Abend. Fast zu ruhig. "Normal ist das nicht", sagt Uwe Neumann. "Vielleicht sind wir einfach zu früh dran." Nach der Kontrolle heißt es erst einmal Aufwärmen im Besprechungsraum. Mittlerweile ist es fast Mitternacht - aber noch lange nicht Dienstschluss. Mehr Polizisten als Gäste

Mitternacht bedeutet für die Polizei in erster Linie Jugendschutz (siehe Extra). Auf einem Flipchart hat Polizeihauptkommissar Ralf Rachow (zuständig für Jugendsachen) die Grundrisse einer Wittlicher Gaststätte aufgezeichnet. Toiletten, Eingangstür, Hintereingang - alles muss abgesichert werden. Vor der Gaststätte geht dann alles ganz schnell: Autos auf der Straße abstellen, Warnblinker an - und rein. Zwölf Polizisten, drei Polizeistudenten und eine Reporterin - die Kontrollgruppe ist damit fast größer als die der Gäste. Auf den ersten Blick hat das etwas Chaotisches, auf den zweiten Blick Methode: Alle stehen auf ihren Posten, Ralf Rachow und zwei Kollegen kontrollieren die Personalausweise der Gäste, die noch nicht volljährig aussehen. Vier von ihnen sind tatsächlich noch unter 18, für sie ist der Abend damit zu Ende. Proteste der Jugendlichen gibt es keine, die Kontrolle verläuft ruhig. Weniger verständnisvoll sind die Besucher eines Wittlicher Clubs, der anschließend kontrolliert wird. Zwar sind auch die beiden Jugendlichen, die unter den Jugendschutz fallen, einigermaßen einsichtig. Nicht so jedoch die anderen Gäste, deren Personalien aufgenommen werden. Und dann ist es doch ein bisschen wie im Film: Schuhe ausziehen, Taschen ausleeren, Hände an die Wand - vorsichtig, aber bestimmt werden die Männer abgetastet. Weil einige von ihnen bereits straffällig geworden sind. Für die Polizisten ist die Nacht trotzdem noch nicht zu Ende: Weiter geht es mit einer Verkehrskontrolle in der Innenstadt. Ob sie sich in ihrer Freizeit auch mal bei einem Krimi entspannen? Uwe Neumann: "Diese Polizeiserien, die sind übertrieben. Aber gute Krimis, den Tatort zum Beispiel, sehe ich gerne."