Vom Türmchen zum Leuchtturm

Das Türmchen ist das liebste Bauwerk vieler Wittlicher. Läuft alles nach Plan, könnte das Gebäude, das derzeit umfassend restauriert wird, im kommenden Jahr erstmals für die Öffentlichkeit geöffnet werden. Das wünscht sich auch die passionierte Witlicher Denkmalpflegerin Elisabeth von den Hoff.

Wittlich. Das Wittlicher Türmchen wird derzeit umfassend von außen und im Inneren restauriert. Bisher wurde nach Mitteilung der Stadt unter anderem die Fassade unter Beibehaltung der vorherigen Farben mit einem diffusionsoffenen Anstrich beschichtet, so dass die Farbe von innen nach außen drängende Feuchtigkeit durchlassen kann.
Zudem wurde eine Außenabdichtung und eine Horizontal-Isolierung gegen Feuchtigkeit angebracht und ein Sanierputz aufgetragen, die alten Holzfenster wurden durch neue ersetzt (der TV berichtete mehrfach).
Alle Schritte waren und werden mit der Landesdenkmalpflege abgestimmt, wie die Stadt auf TV-Anfrage mitteilte, derzeit laufen die diesbezüglichen Gespräche.
Für die Restaurierung müssen die inneren Farbschichten im Wohnraum des Erdgeschosses und am Kreuz (siehe Hintergrund) durch einen Restaurator freigelegt werden.
Dass das eine langwierige und schwierige Aufgabe sein kann, davon weiß auch Elisabeth von den Hoff zu berichten. Die pensionierte Lehrerin und passionierte Denkmalschützerin besitzt in der Wittlicher Oberstraße, Hausnummer 20, ein denkmalgeschütztes Haus, das um 1700 gebaut wurde.
Mühevolle Kleinarbeit


Als die Wittlicherin das Gebäude 1980 kaufte, war es in einem schlechten Zustand, wie alte Bilder dokumentieren. "Oft wurde damals behauptet, das sei eine Bruchbude, ein Schandfleck der Stadt. Da fragt man sich doch, ob niemand erkannt hat, was in dem Haus steckt", erzählt von den Hoff, die den Förderverein Wittlicher Kulturgüter mitgründete. Das Gebäude sei keine Bruchbude, sondern vielmehr ein wertvolles Denkmal, das dokumentiere, wie man in Wittlich früher gelebt habe, sagt sie.
Das sei deutlich geworden, als sie in mühevoller Kleinarbeit das rund viereinhalb Meter breite Eckhaus restauriert und renoviert hat. Von den Hoff: "Wir sind in behutsamen Schritten vorgegangen", sagt sie. Per Hand hat sie alte Schichten Putz, Farbe und Tapete entfernt und so unter anderem eine alte Takenheizung (siehe Extra) frei gelegt.
"Eine solch behutsame Arbeit wünsche ich mir auch fürs Türmchen." Eine der letzten Arbeiten am Haus in der Oberstraße waren kürzlich die Erneuerung der Dachziegeln und die Restaurierung der Fenster, "mit Originalbeschlägen und einer speziellen Farbe", wie die rüstige 90-Jährige erzählt.
Die Fenster am Türmchen, die gefallen Elisabeth von den Hoff nicht, "der mittlere Steg ist viel zu breit", sagt sie, es käme so zu wenig Licht ins Innere. Ob dem so ist, davon können sich die Interessierten eventuell im kommenden Jahr überzeugen.
Dann, zum 700. Geburtstag des Türmchens, könnte das älteste Gebäude der Stadt Wittlich für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. In welcher Form und wann, steht derzeit noch nicht fest.Extra

Takenplatten sind gusseiserne Platten, die früher in Bauernhäusern in eine Aussparung der Feuerwand zwischen Küche und Stube eingemauert wurde. Sie nahm die Hitze des Feuers auf und gab sie zur Stube hin wieder ab. Takenplatten haben in der Regel bildliche Darstellungen und zeigen bis zur Französischen Revolution meist biblische oder heraldische Motive, danach auch mythologische oder allegorische Darstellungen. Die weite Verbreitung von biblischen Motiven in bäuerlichen Anwesen legt nahe, dass die Takenplatten dort auch als Bilderbibel dienten. Das Phänomen der Takenheizung ist auf einen eng begrenzten geografischen Rahmen beschränkt. Takenplatten wurden nur in Eisenhütten Ost-Belgiens, Lothringens, Luxemburgs, der Eifel, des Hunsrücks und des heutigen Saarlandes hergestellt. Die ältesten bekannten Platten stammen aus dem späten 15. Jahrhundert - einer Zeit, aus der sich ansonsten aus dem ländlichen Kulturkreis nichts erhalten hat.redExtra

Das barocke Hochkreuz am Türmchen stammt vermutlich aus der Werkstatt der Wittlicher Steinmetze Conrad und Sebastian Wolff. Es gehört zu einer Reihe von sechs gleichartigen Wegekreuzen im Raum Wittlich: in Altrich an der Lieserbrücke (1701), in Karl auf dem Dorfplatz (1703), in Dreis am Ortsausgang in Richtung Bruch (1708), in Großlittgen in der Friedhofskapelle (um 1710) und in Bergweiler am Beicherhaus (1717). Auch die Predella mit Kreuzigungsgruppe in der Kreuzkapelle Wittlich im Mundwald am Prozessionsweg nach Klausen (1712) gehört dazu. Quelle: Klaus Freckmann, Kreisjahrbuch 1993