Von Blut bis Sprengstoff

WITTLICH. Alles was ekelig ist, stinkt, explodieren kann und vor allem gefährlich ist. Das ist das Geschäft der "T & E Gefahrgutlogistik". Das Unternehmen kümmert sich um den Transport von Gefahrgütern. Und dazu zählen allerlei Produkte, die man auf Anhieb gar nicht für gefährlich halten würde.

"Jeder von uns hat zu Hause was von dem rum stehen, was unter bestimmten Voraussetzungen als Gefahrgut deklariert werden muss", sagt Roman Elsen, Geschäftsführer von T & E. "Das reicht vom WC-Reiniger über den Rasendünger oder das Kettenspray bis hin zur Gaskartusche für den Partygrill." Sobald größere Mengen dieser Waren oder auch einzelne Zusatzstoffe daraus transportiert oder gelagert werden müssen, kommt Elsen mit seiner Firma auf den Plan. Er bietet eine ganze Palette von Dienstleistungen rund um das Geschäft mit gefährlichen Gütern an. So organisiert er den Transport in speziell ausgestatteten Fahrzeugen, kümmert sich um eine geeignete Lagerstätte oder er stellt Unternehmen, die dauerhaft kritische Ware lagern müssen, einen so genannten Gefahrgutbeauftragten. Das ist ein Mitarbeiter, der sich mit allen Regularien auskennt, die das Gesetz für Gefahrgut festlegt. Und dieses Gesetz hat es in sich: Es ändert sich ständig und unterliegt internationalen Normen. Elsens spektakulärster Auftrag kam aus Italien: "Wir waren zuständig für die Deklaration eines Transportes von 15 Ferraris per Flugzeug", erzählt er. Die Sportwagen galten, obwohl alle Tanks für den Flug leergepumpt waren, wegen der Restmengen von Öl und Kraftstoff in den Autos als Gefahrgut. Und was kostet ein Gefahrguttransport? "Die Preise liegen zwischen 500 und 10 000 Euro", sagt Elsen. "Spezialtransporte zum Beispiel per Flugzeug kosten aber auch schnell ein Vielfaches." Namen seiner Kunden sind Elsen nicht zu entlocken. "Diskretion ist eine Grundvoraussetzung fürs Geschäft." Doch so viel sei verraten: Es gehören große und bekannte Unternehmen aus ganz Europa zum Kundenkreis. Als Gefahrgut gilt übrigens auch eine Blutprobe, die man beim Hausarzt abgibt. Schließlich weiß niemand, welche Viren oder Bakterien sich darin verstecken. Das Röhrchen mit der Probe muss in speziellen Behältern transportiert werden. Solche Boxen hat Roman Elsen entwickelt und dafür auch Patente angemeldet. Außerdem sorgt er für einen ordnungsgemäßen Transport mit einem eigenen Fuhrpark, der ständig wächst. Bisher gibt es zwei spezielle Tiefkühlfahrzeuge, in denen Proben mit bis zu minus 20 Grad Celsius vom Arzt zum Labor gebracht werden kämen.Im März kommt ein weiteres Fahrzeug

Im März soll ein weiteres Fahrzeug zum Einsatz kommen. Damit können zusätzlich Amputate aus Krankenhäusern entsorgt werden. Diesen Unternehmensbereich will Elsen in den kommenden Jahren weiter ausbauen. Das Unternehmen T & E wurde 1998 von Roman Elsen als Ein-Mann-Betrieb gegründet und ist seitdem stetig gewachsen. Seit 2000 ist die Firma im Luftfrachtbereich tätig und arbeitet mit den Flughäfen Hahn und Luxemburg zusammen. 2002 kam in Hamburg ein Büro mit zwei Mitarbeitern dazu, die sich um das See-Geschäft kümmern. 2007 soll ein Büro in Wiesbaden eröffnet werden. Dort wird ein Mitarbeiter mit dem Medizinal- und Veterinärgeschäft betraut. "Weitere Dependancen sind geplant", sagt Elsen, der in den ersten zwei Jahren seiner Existenz noch selbst Gefahrgut mit dem LKW transportiert hat. Und heute? "Bei jedem Neukunden im Medizinalgeschäft fahre ich die ersten Touren selbst, um die Gegebenheiten vor Ort kennenzulernen. So kann ich meinen Mitarbeitern die Abläufe genau erklären." Apropos Mitarbeiter: Ein Team von zehn Männern und Frauen arbeitet insgesamt an allen Standorten des Unternehmens. In Wittlich will Elsen übrigens im nächsten halben Jahr weitere Arbeitsplätze schaffen. Im April veranstaltet Elsen den dritten Internationalen Gefahrgutkongress - die nach eigenen Angaben drittgrößte Tagung ihrer Art in Deutschland. Behörden, Transporteure sowie Kli-nik- und Flughafenpersonal kann sich hier zwei Tage lang über die neuesten Gesetze im Gefahrgutbereich informieren. "Ich versuche damit, ein Sicherheitsbewusstsein bei den Verantwortlichen zu schaffen", sagt Roman Elsen.

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