Von der Mosel nach Rio: Physiotherapeut Patric Reuter aus Lieser betreut Athleten bei den Paralympics

Von der Mosel nach Rio: Physiotherapeut Patric Reuter aus Lieser betreut Athleten bei den Paralympics

Im Flieger zu den Olympischen Spielen für Menschen mit Behinderung (7. bis 18. September) sitzt auch der nicht behinderte Patric Reuter aus Lieser. Der Physiotherapeut kümmert sich in erster Linie um die Schützen. In diesem Sport hat er auch selbst Erfolge aufzuweisen.

"Die ersten Athleten kommen morgens früh, die letzten spätabends. Ich werde wohl nur maximal fünf Stunden Schlaf pro Nacht bekommen." Patric Reuter nimmt in den nächsten knapp drei Wochen ganz schön viel Stress auf sich. Doch dafür ist er bei einem Ereignis dabei, das einen besonderen Charakter hat. Der 48-Jährige ist einer von 17 Physiotherapeuten, die zum Team der deutschen Mannschaft bei den Paralympics, den Olympischen Spielen für Menschen mit Behinderung, gehören. Sie gehen vom 7. bis 18. September in Rio de Janeiro über die Bühne. Heute, Mittwoch, hebt der Flieger nach Brasilien ab.

Bei den Wettkämpfen betreut Reuter die Schützen. Ansonsten ist er wie seine Kollegen, im medizinischen Zentrum für die gesamte Mannschaft da. "Das ist der Höhepunkt meiner bisherigen beruflichen und sportlichen Laufbahn", sagt der Mann, der aus Bernkastel-Kues stammt und mit Frau und drei Kindern in Lieser wohnt.

Die Beziehung zu den Schützen hat einen Hintergrund. Reuter ist selbst ein glänzender Schütze. Entdeckt wurde sein Talent vor mehr als 30 Jahren beim Weihnachtsschießen des Lieserer Schützenvereins. Mit 18 Jahren war er soweit, dass er bei Ausscheidungswettkämpfen für Europa- und Weltmeisterschaften sowie die Olympischen Spiele mitmachte. Die Förderung für Sportschützen steckte damals noch in den Kinderschuhen. "Ich musste mich entscheiden: Bleibt es ein Hobby oder wird der Sport mein Beruf."

Reuter entschied sich für eine Ausbildung zum Industriemechaniker - schoss aber weiter. Es gelang ihm aber nicht, sich für die Olympischen Spiele in Barcelona (1992) und Atlanta (1996) zu qualifizieren.

Mit 26 startete er eine zweite Berufsausbildung und war nach drei Jahren Physiotherapeut. In die Zeit fiel die Geburt von zwei Kindern und der Hausbau in Lieser. "Ohne die Unterstützung durch meine Frau hätte ich das alles nicht geschafft", resümiert er und spricht von "Schlüsselerfahrungen. Man kann seine Träume erfüllen - mit starkem Willen und Selbstdisziplin."

Seit 1998 arbeitet er als Physiotherapeut im Wittlicher St. Elisabeth-Krankenhaus, mittlerweile ist er dort in leitender Funktion tätig. In seiner Freizeit nahm er weiter als Sportler oder Physiotherapeut an nationalen und internationalen Wettbewerben teil. 2004 legte er auch noch die Prüfung für den Trainerschein des Deutschen Schützenbundes ab und arbeitet seither auch in der Kaderförderung. Seit 2014 ist er einer der Betreuer der Nationalmannschaft des Behindertensportverbandes. Reuter ist also gleich auf zwei Ebenen für die Sportschützen da.

Für all das opfert er einen Teil seines Urlaubes. Für die Paralympics muss er das Urlaubskonto allerdings nicht belasten. Er ist von seinem Arbeitgeber freigestellt worden. "Weil es sich um eine Veranstaltung von öffentlichem Interesse handelt", sagt er.

Eine der Schützinnen muss ziemlich zeitig nach der Eröffnungsfeier ran und nimmt deshalb nicht am Einmarsch der etwa 4500 Athleten und Betreuer teil.

Patric Reuter wird sich dieses Spektakel aber nicht entgehen lassen. "Auch wenn ich wahrscheinlich nur zwei Stunden Schlaf bekomme", sagt er. Er sei gespannt auf Rio und wolle möglichst viele Eindrücke mitnehmen, "Dafür gehe ich gerne zwei Wochen auf dem Zahnfleisch", sagt er.

Mehr von Volksfreund