Von der Perle zum Brillanten

Die Kaufstadt Morbach und die Aktivitäten des Morbacher Gewerbe- und Verkehrsvereins können sich sehen lassen. Das war ein Ergebnis eines Workshops, zu dem die Gemeinde sowie der Gewerbe- und Verkehrsverein eingeladen hatten. Das heißt allerdings nicht, dass man die Hände in den Schoß legen will. Im nächsten Schritt will man sich mit dem Image von Morbach und der Vereinsstruktur befassen.

Morbach. Das Referat von Isolde Woll war beeindruckend. Die Vorsitzende des Pirmasenser Stadtmarketings-Vereins zeichnete vor rund 30 Gewerbetreibenden und Vertretern der Gemeinde Morbach zunächst ein düsteres Bild von der Schuhstadt, die in den 90er Jahren nach dem Niedergang der Schuhindustrie und dem Abzug der Amerikaner massiv unter Strukturproblemen zu leiden hatte. "Jammern war in", schilderte die Fachfrau, die hauptamtlich Marketing-Chefin bei der Supermarktkette Wasgau mit Sitz in Pirmasens ist.

Schöne Geschäfte und eine tolle Fußgängerzone



Das war die Situation, in der sich der Pirmasenser Stadtmarketing-Verein gegründet hat. Woll berichtete von zahlreichen Aktivitäten: Mit einer Image-Kampagne hat man am Negativ-Bild der südwestpfälzischen Stadt gearbeitet. Ein Maskottchen für die Stadt wurde entwickelt. Pirmasens organisierte Events wie die Deutschen Grillmeisterschaften und Projekte, die die Innenstadt beleben sollten und sollen - vom Afrika-Markt bis zum Schnäppchen-Sonntag. Woll berichtete auch von den vereinsinternen Strukturen. Der Beigeordnete der Stadt sitzt im Vorstand. Ein Beirat, in dem neben dem Oberbürgermeister auch Chefs großer Unternehmen wie der Wasgau AG und Vorstände etwa der Stadtwerke sitzen, berät die Aktiven.

Vor ihrem Besuch hatte sich die Fachfrau über Morbach informiert und zeigte sich positiv überrascht: "Sie haben schöne Geschäfte und eine tolle Fußgängerzone. Davon träumen wir."

Auch von den Aktivitäten des Gewerbevereins war sie angetan. "Sie haben eine supertolle Basis, auf der Sie aufbauen können", betonte auch Wasgau-Chef Alois Kettern und sprach von Morbach als einer "Perle von Rheinland-Pfalz".

Dass dies in Morbach selbst nicht oder zu wenig gesehen werde, wurde in der Diskussion, geleitet von Marketingberater Karl J. Eggers, mehrfach bedauert. Die Anerkennung komme eher von Auswärtigen, erklärte Ortsvorsteher Hans Jung.

Arbeitsgruppe zum Thema Marketing



Auch für Elke Kleiner und Ralf Christian Kümmel war es unverständlich, dass die positiven Seiten zu wenig wahrgenommen werden. Kurt Müllers sah darin eines der Hauptprobleme: "Wir müssen an unserem Selbstwertgefühl und unserem Image arbeiten. Denn aus der Perle soll ein Brillant werden."

Mit Bürgermeister Gregor Eibes war sich der Gewerbevereins-Vorsitzende einig, dass ähnlich wie in Pirmasens der Verein um weitere Entscheidungsträger erweitert werden muss. Eine Arbeitsgruppe soll sich eigens mit dem Image-Thema befassen. Am Tisch werden nicht nur Einzelhändler sitzen.

Meinung

Prophet muss an sich glauben

Es war eine verblüffende Sitzung. Eigentlich hatten sich die Veranstalter vor allem Anregungen und Tipps von der Pirmasenser Fachfrau versprochen. Doch diese räumte selbst ein, dass die Kaufstadt Morbach sich nicht verstecken müsse. Im Gegenteil. Das ist eine Erkenntnis, die in Morbach nicht wirklich neu ist. Der Prophet gilt im eigenen Lande nichts. Aber um im Bild zu bleiben: Der Prophet muss zunächst selbst an sich glauben, um andere von sich überzeugen zu können. Eine entscheidende "Baustelle" beim Standort-Marketing ist deshalb zu Recht die Arbeit am Selbstbild sowie am Außen-Image, statt dem Morbacher Herbst, der Cocktailnacht oder dem Lichterglanz eine weitere Veranstaltung hinzuzufügen. Ebenfalls nicht neu, aber essentiell wichtig ist die Erkenntnis, dass wichtige Entscheidungsträger stärker eingebunden werden müssen. Unternehmens-Chefs und Führungskräfte aus dem Rathaus sollten aus mehreren Gründen viel enger in die Vereinsarbeit miteinbezogen werden. Sie können ihre wertvolle Kompetenz einbringen. Und sie sind wichtige Multiplikatoren. Am Dienstag ist ganz deutlich geworden, dass aus dem Gewerbe- und Verkehrsverein ein Unternehmerverein werden muss. Aber es sieht ganz danach aus, als sei man auf dem Weg dahin. i.rosenschild@volksfreund.de