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Von Fischer Stumpen und alten Zeiten

Von Fischer Stumpen und alten Zeiten

Seit nahezu 100 Jahren gibt der SV 1912 Wittlich (SVW) den Fußballern in der Säubrennerstadt ein Zuhause. Zeitweise spielte die erste Mannschaft in der dritthöchsten deutschen Liga. Das Jubiläum wird unter anderem mit einem Kunstrasen-Fußball-Fest gefeiert.

Wittlich. Es waren wohl mit die schwersten Zeiten, als der SV Wittlich 2003 den Gang in die Kreisliga antreten musste. Der Absturz war jäh. Sechs Jahre zuvor hatten die Wittlicher noch in der Oberliga gegen Trier, Alzey oder Bingen gespielt, nun hießen die Gegner Niederkail, Binsfeld oder Neumagen-Drohn. Doch gerade in der Krise zeigt sich, wie ein Verein zusammenhält. Markus Kuhnen und Michael Schmitt, zwei ehemalige Oberligaspieler des SVW, führten die Mannschaft als Trainer wieder direkt in die Bezirksklasse.
Viele Höhen und Tiefen hat der SVW während eines Jahrhunderts durchlebt. "Angefangen haben sie auf dem Viehmarktplatz. Der war ja damals nicht geteert. Die Tore wurden von Schülern auf- und abgebaut", sagt Dieter Heiderich, der gemeinsam mit Josef Eichhorn die Vereinsgeschichte aufarbeitet. Auch auf Wiesen am Rommelsbach, dem Platz an der Feldscheune am Fallerweg und in der Ohling wurde gekickt.
In den Jahren zwischen den Weltkriegen gehörten die Fußballer aus der Säubrennerstadt zu den besten der Region. Heiderich berichtet von einem Spiel gegen Ehrang zu Beginn der 1920er Jahre vor 1200 Zuschauern. Unter dem Vorsitzenden Franz Archenhold erlebte der SVW ab 1925 eine erste Blütezeit. Von rund 6000 Einwohnern der Stadt waren etwa 300 Vereinsmitglieder. 1930 wurde das bis 1970 vereinseigene Stadion am Bürgerwehr fertiggestellt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten trat Archenhold, der Jude war, auf eigenen Wunsch nicht mehr zur Wiederwahl an. Der Anwalt flüchtete nach Palästina. Auch einer der besten Wittlicher Fußballer wurde um den Höhepunkt seiner Karriere gebracht: Franz Fischer, genannt "Fischer Stumpen", hätte, wäre der Zweite Weltkrieg nicht ausgebrochen, ein Länderspiel bestritten.
Nach dem Krieg fanden sich schnell Fußballbegeisterte zur Neugründung des Vereins. Der SVW pendelte zwischen Kreis- und Bezirksliga. Ein Höhepunkt während der ersten beiden Jahrzehnte der Bundesrepublik: 1968 gewann der SVW auf dem neuen Rasenplatz der Wengerohrer Polizeischule gegen Eintracht Trier mit 2:1. Der Trierische Volksfreund berichtete "von einer Riesenblamage für die Profis". Es dauerte jedoch bis 1985, bis der SVW in die damalige Landesliga Süd aufstieg. Unter der Führung von Klaus Ertz erlebte der Verein die erfolgreichste Periode seiner Vereinsgeschichte. Über die Rheinland- ging es 1992 in die Oberliga, der damals dritthöchsten deutschen Spielklasse.
Die Grundlage, eine gute Jugendarbeit, zeichnete den SVW seit langem aus. Franko Zwang, der zusammen mit Christian Etscheid und Markus Lehnen als Verwaltungsrat den Verein führt, betont das Engagement für den Nachwuchs. 1987 und 1999 errang die B-Jugend den Rheinland-Meistertitel und schied im Achtelfinale um die Deutsche Meisterschaft kurioserweise jeweils gegen den 1. FC Nürnberg aus. 1988 wurde die A-Jugend Verbandsligameister. Derzeit spielen sowohl die A- als auch die B-Junioren in Jugendspielgemeinschaft mit dem SV Lüxem und der Spielvereinigung Minderlittgen-Hupperath (seit 2008) in der Rheinlandliga. Die Zusammenarbeit mit dem SV Lüxem im Jugendbereich besteht seit einem Vierteljahrhundert. Die SG Lüxem/Wittlich führt derzeit in der Bezirksliga.

Für die SVW-Jubiläumszeitschrift werden noch historische Bilder und Berichte gesucht. Kontakt: Dieter Heiderich, Telefon 06571/7620, E-Mail: heiderichdieter@aim.com oder Josef Eichhorn, Telefon 06571/7524, E-Mail: juppeichhorn@gmx.info
Extra

SV Wittlich: Gründungsdatum: 4. August 1912; Mitglieder: 331; Mannschaften: drei Seniorenteams (SG Lüxem/Wittlich in Bezirksliga, Kreisliga A und B), 22 Jugendmannschaften, davon sechs Mädchen-Teams (JSG Wittlich/Lüxem/Minderlittgen/Hupperath) Internet: www.sv-wittlich.deExtra

Pressewart Marc Teusch, Verwaltungsrat Franko Zwang, Josef Eichhorn und Dieter Heiderich (von links) wühlen zurzeit in alten Akten, um zur Feier des 100-jährigen Bestehens des SV Wittlich eine Chronik zu erstellen. TV-Foto: Holger Teusch

Jubiläumsfeier: Das 100-jährige Bestehen des Vereins wird von 20. bis 22. Juli als Wittlicher Kunstrasen-Fußball-Fest im Sportzentrum am Bürgerwehr gefeiert. Unter anderem spielen Traditionsmannschaften des SV Wittlich und des 1. FC Köln gegeneinander. Am 27. September ist außerdem ein Kommersabend geplant.