Von Guildo Horn zum Schlagerstar geküsst

Von Guildo Horn zum Schlagerstar geküsst

Daniel Conrad ist Lehrer an der Grundschule Hupperath. Alle paar Wochen steht er auf einer Bühne, nennt sich Gerd Blume und singt Schlager. Warum eigentlich?

Manderscheid. Er ist anders, als man ihn sich vorgestellt hat, jünger, normaler. Mit einem Grinsen macht er die Tür auf, kurzer Händedruck, "hallo, Daniel Conrad alias Gerd Blume". Jeans, Kapuzenpulli, ein leichter Schal um den Hals. Erster Eindruck: Sympathisch, aber kein Schlagerstar.
Ein Samstag in Manderscheid: Es ist ein Samstagnachmittag im Kurhaus in Manderscheid. Noch sieht es hier ziemlich langweilig aus, Filzblumen an der Wand, Stehtische vor der Bühne, mittendrin hat ein Tontechniker sein Mischpult aufgebaut. In fünf Stunden wird Daniel Conrad sich Gerd Blume nennen und ein anderer Mensch sein.

Ein Kaffee vor dem Konzert: Jetzt trinkt er Kaffee und erzählt in aller Ruhe, was es über ihn zu erzählen gibt: 33 Jahre alt, geboren in Manderscheid, Schule, Bundeswehr, Uni, heute Grundschullehrer in Hupperath. Eine eher normale Biografie, beinahe zumindest, denn mit 14 Jahren hat er ein besonderes Erlebnis. Ein Freund nimmt ihn mit zu einem Konzert des Trierer Schlagerstars Guildo Horn. "Das war eines meiner ersten Konzerte, es war genial!"

Schicksalhafte Begegnung: Conrad lernt diese Musik zu lieben, die so viel peppiger sei als der Schlager der Großelternzeit; er träumt davon, eines Tages selbst ein Schlagerstar zu werden. Jahre später, längst erwachsen, ist er wieder auf einem Konzert von Guildo Horn. Es ist das Weihnachtskonzert in Trier, Daniel Conrad sitzt auf den Schultern eines Freundes, Guildo Horn sitzt auf den Schultern eines Sicherheitsmannes und lässt sich durch die Menge tragen. Sie begegnen sich, Guildo Horn nimmt seinen Fan in die Arme und küsst ihn auf den Mund, ohne ihn zu kennen. Guildo hat dich lieb. Für Conrad ist das ein Zeichen. Er gründet seine eigene Band, nennt sie Ensemble d\'Amour und sich selbst Gerd Blume.
Es folgen die ersten Auftritte und das erste eigene Lied auf einer CD von SWR 4. Die "Gerd Blume Show", sagen die Bandmitglieder, sei zu einem Hobby geworden, das ein nettes Taschengeld abwerfe: "Wir bleiben aber mit beiden Beinen auf dem Boden. Hauptberuflich machen wir alle was anderes."

Noch eine Stunde bis zum Auftritt: Hinter der Bühne herrscht Chaos, Stühle und Kartons stapeln sich, an einer Wand lehnt ein Spiegel, auf dem Tisch stehen Bierflaschen. Davor sitzen Daniel Conrad und seine Band, fünf Männer und eine Frau, die überhaupt nicht nach Schlager aussehen und sich nur mit ihren Künstlernamen ansprechen: Foxy Obermaier, Sandro P., Peter Sonnenschein, Brosta H\'Ortensis, Johnny la Vendel, Jacques dé Luxe.

Die Stimmung hat was von Klassenfahrt: leicht angespannt, aber sehr lustig. Drei Stunden Schlager werden sie heute Abend spielen, das bedeutet auch: drei Stunden heile Welt. "Wir versuchen, den Leuten einen positiven Abend zu bescheren. Sie aus ihrem Alltag zu reißen." Doch zuerst muss sich Daniel Conrad verwandeln: weißer Anzug, goldener Gürtel, Gelfrisur und Sonnenbrille. Der Hemdkragen ist übergroß und glitzert wie ein Diamant. So sieht er also aus, dieser Gerd Blume.

"Ich liebe euch": Eine halbe Stunde später steht er mit seiner Band auf der Bühne. Die Halle ist voll, der Bass hämmert aus den Boxen, bohrt sich durch Boden und Wände bis zur Decke. Menschen tanzen Arm in Arm, Gerd Blume singt über griechischen Wein, die Menschen singen mit. Schlager funktioniert, weil er einfach und lustig ist, weil er eine heile Welt aufbaut, die es eigentlich nicht gibt. Gerd Blume breitet die Arme aus, als wolle er die Menschen segnen, ruft ekstatisch ins Mikrofon: "Ich liebe euch!" Bald wird er wieder Daniel Conrad heißen und Lehrer sein. Er freut sich darauf, es ist sein Traumjob, sagt er. Am Montag wird er zur Schule gehen und mit seiner zweiten Klasse das kleine Einmaleins wiederholen. Aber heute Abend ist er Gerd Blume, der Schlagersänger.Extra

Daniel Conrad wurde 1979 in Manderscheid geboren und ist dort aufgewachsen. Als Kind lernte er Blockflöte, später spielte er Saxofon in einer Big Band. Um sein Potenzial als Gerd Blume voll auszuschöpfen, nimmt er seit einem Jahr Gesangsunterricht. Dabei singt er keine Schlager, sondern vor allem italienische Arien. gubExtra

Susanne Reuter (19) aus Eisenschmitt, Eva Stolz (21) aus Pantenburg: "Wir sind jedes Jahr auf dem Konzert, weil wir hier Leute treffen, die wir kennen." Claudia (47) und MartinEnderle (46) aus Eckfeld: "Wir sind hier, weil Peter Sonnenschein unser Nachbar ist - und weil das unsere Lieder sind." Nicki Sprünker (30) aus Hupperath: "Die Gerd Blume Show macht gute Stimmung. Bianca Conrad (37) aus Oos: "Die Band ist supergeil!" Sibylle Zeimentz und Ulrike Seyffert (beide 32) aus Hupperath: "Die Stimmung hier ist super." TV-Umfrage: Sebastian Gubernator

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