Von guten und bösen Anglern

TRIER/WITTLICH/COCHEM. 85 Schwäne lebten im Juli im Landkreis Trier-Saarburg. Die Jahresbilanz: 192 Verletzungen, 58 davon schwer, 27 tote Tiere. Hinzu kommen 25 verletzte Vögel aus dem Bereich Cochem. Lothar Lorig vom Umwelt- und Katastrophenschutz Trier pflegt seit 2004 die verletzten Schwäne. Sein Vorwurf: "Die meisten Tiere werden durch illegale Angelmethoden verletzt."

Ein Satz, der ein enormes Konfliktpotenzial birgt. Es geht um Schwäne, deren Bestand in Trier-Saarburg seit 2004 stark dezimiert wird. Es geht um den Mann, der diese Verluste dokumentiert hat: Lothar Lorig, im Hauptberuf Krankenpfleger, widmet seit zwei Jahren seine gesamte Freizeit der Pflege verletzter Schwäne in einer kleinen Station auf dem Gelände der alten Kaserne in Trier-Feyen. Und es geht um die Angler. "Echte" Angler, die alles richtig machen und deshalb keine Gefahr für Schwäne sind, und "illegale" Angler, die lästige Schwäne aus dem Weg prügeln, ihre Hunde auf sie hetzen, Nester zerstören und tonnenweise für die Tiere gefährlichen Müll an den Ufern von Mosel, Saar und Sauer hinterlassen.Total erschöpft, Mittel aufgebraucht

"Zeitweise waren in unserer Station mehr als 30 Schwäne untergebracht", berichtet Lorig. Wenn er über die Schwäne redet, wirkt er manchmal, als wüsste er selbst nicht, warum er sich diese Bürde auferlegt hat. Denn die ständige Betreuung der Tiere, Transport und Verpflegung gehen ans Geld und an die Substanz. Man sieht Lorig die Erschöpfung an, seiner Station geht es nicht besser. "Alle Mittel sind aufgebraucht, wir haben nichts mehr. Wir existieren nur noch durch die Hilfe der Bevölkerung." Diese Hilfe gibt es, denn Lorig wurde durch sein Engagement gewissermaßen prominent - als Ein-Mann-Institution, die sich um Schwäne kümmert und versucht, sie zu schützen. Kein Gesetz zwingt ihn dazu, niemand bezahlt ihn dafür. Er macht es einfach, und er will nicht aufgeben. Weit über die Kreisgrenzen wurde Lorig zum Ansprechpartner in Sachen Schwäne. Denn das Problem konzentriert sich nicht auf Trier und Umgebung. 25 verletzte Vögel brachte ein Tierschützer, der im Raum Cochem aktiv ist, im vergangenen Jahr zu Lorig. Tiere aus Traben-Trarbach und Bernkastel-Kues waren auch schon dabei. Im Kreis Bernkastel-Wittlich, so vermutet Lorig, werden weniger verletzte Tiere gefunden, weil niemand so genau nach ihnen sucht. Lorig hat einige Zusammenstöße mit Anglern hinter sich. "Vor zwei Wochen wurde im Bereich der Hammer Fähre die gesamte Schwanenfamilie verletzt", berichtet er. "Einige Angler hatten kein Verständnis und behinderten unsere Rettungsaktion." Diese gelang trotzdem. Die Familie schwimmt nun in der Feyener Kaserne. Der rheinland-pfälzische Landesverband des Deutschen Anglerverbandes (DAV) hat die ihm angeschlossenen Vereine, Einzelmitglieder und Fachgeschäfte in einem Schreiben aufgefordert, dem "abscheulichen Treiben" der Wilderer und illegalen Angler ein Ende zu bereiten. Dabei betonte der DAV: "Von den uns angeschlossenen Anglern geht keine Gefahr für die Schwäne aus." Lorig dazu: "1,2 Tonnen entsorgter Angelmüll sind nicht das Werk von einigen schwarzen Schafen. Fahrlässigkeit, Gleichgültigkeit und mangelndes Grundwissen sind hier die Ursachen." Der Bezirks-Sportfischerverband Trier sieht die Dinge anders. "Nicht nur die DAV-Angler sind keine Gefahr für die Wasservögel", betont der Verband in einem Schreiben an den TV. "Wir können diese Liste mit allen Anglern, die bei uns den gesetzlich vorgeschriebenen Lehrgang absolviert haben, ergänzen." Die Diskussion geht dem Sportfischerverband zu weit. "Aus dem gemeinsamen Aufenthalt von Anglern und Wasservögeln am Gewässer auf eine Schuld schwarzer Schafe unter den Anglern zu schließen, ist eine fatale und durch nichts gerechtfertigte Selbstanklage." Fazit: "Das ist nur Theaterdonner weniger Personen, die gegen die Angelfischerei eingestellt sind."