Von Hand gebaut und gepflegt

Bereits seit 60 Jahren wacht die Marienkapelle, auch Fatimakapelle genannt, über Bischofsdhron. Am Sonntag, 13. Juli, feiert die Gemeinde den Geburtstag. Die Geschichte der Kapelle zeugt von Opferbereitschaft und Dankbarkeit.

Bischofsdhron. Die zahllosen Kapellen in und um die Dörfer der Region sind oft der Eigeninitiative Einzelner zu verdanken. So auch die Bischofsdhroner Marienkapelle, die, auf einer Anhöhe errichtet, über das Dorf zu wachen scheint. Dennoch ist ihre 60-jährige Geschichte, der am Sonntag, 13. Juli, eine Prozession (siehe Extra) gedenken wird, einzigartig. Denn sie wurde von einem Mann erbaut, dem als Soldat während des Zweiten Weltkriegs beide Beine amputiert wurden - das eine unterhalb, das andere oberhalb des Kniegelenks. Peter Weber konnte das jedoch nicht davon abhalten, ein in Lebensgefahr ausgesprochenes Versprechen einzulösen. Sollte er jemals wieder nach Hause kommen, werde er eine Marienkapelle bauen, hatte er zu Kameraden gesagt.
Weber mauerte nicht nur selbst, er ebnete auch die Fläche für die Kapelle ein und hob deren Fundamente aus. Oft gelang ihm das nur, indem er über den Boden rutschte. Mit eisernem Willen löste er auch das Transportproblem. Das für den Bau benötigte Material schaffte er mithilfe eines selbst gebauten motorbetriebenen dreirädrigen Rollstuhls auf den kleinen Berg. Bis kurz vor seinem Tod kümmerte er sich selbst um den Erhalt der Fatima-Kapelle und der weitläufigen Anlagen
1987 wies er nach seinem Sohn Aloisius Bernardi auch seinen Nachbarn Siegbert Winkel in die Arbeiten ein. Für sie ist diese Aufgabe eine Ehrensache. Schließlich erlebten sie selbst mit, wie sehr sich Weber plagte, um sein Gelübde zu erfüllen. Bernardi kümmere sich in erster Linie ums Mähen, er selbst um handwerkliche Arbeiten, erzählt Winkel. Auch Bäume fällten sie selbst. Außerdem müssten sie ständig die Böschung befestigen, Hecken und Sträucher stutzen, Unkraut jäten, Blumen pflanzen und natürlich die Kapelle selbst in Ordnung halten.
100 Stunden seien da Jahr für Jahr für jeden von ihnen schnell beisammen, schätzt Winkel. Mit den Jahren werde die Arbeit doch etwas beschwerlicher: "Es geht halt nicht mehr ganz so gut wie früher", räumt er ein. urs
Extra

Der vor 60 Jahren errichteten Marienkapelle und ihres Erbauers wird am Sonntag, 13. Juli, gedacht. Nach einem Wortgottesdienst, ab 18 Uhr in der Pfarrkirche, führt eine vom Musikverein Hochwaldfreude Bischofs dhron begleitete Prozession zur Kapelle, an der eine Marienandacht stattfinden wird. Die Kapelle ist ganzjährig zugänglich. Der zu ihr führende Kreuzweg zweigt gegenüber der Einmündung der Ortsdurchfahrt in die Straße nach Hundheim von der nach Wenigerath führenden Straße ab.urs