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Von Hundheim in die Köchewelt: Felix Stürmer bildet in den USA seit Nachwuchs aus

Von Hundheim in die Köchewelt: Felix Stürmer bildet in den USA seit Nachwuchs aus

In Bernkastel-Kues hat Felix Stürmer in den 1960er Jahren den Kochberuf erlernt. In den USA wird seine Laufbahn enden. Bei einem Besuch an alter Wirkungsstätte traf er unter anderem seinen damaligen Lehrmeister.

Vom Tellerwäscher zum Millionär. In Amerika soll es das ja geben oder gegeben haben. Felix Stürmer war nie Tellerwäscher, obwohl er im Laufe seines Berufslebens mit viel Geschirr in Berührung gekommen ist. Er ist auch kein Millionär geworden. Der 66-Jährige hat in den USA aber durchaus Karriere gemacht. Der gebürtige Hundheimer bildet in Kansas City Köche aus. Seine Berufslaufbahn begann er, wie damals nicht unüblich, bereits mit 14 Jahren. Von 1964 bis 1967 ging er im Hotel-Restaurant Binz in Bernkastel-Kues in die Lehre. Sein Lehrmeister, José Binz, war nur ein paar Jahre älter. Und Felix Stürmer war auch erst der zweite Kochlehrling im Hause Binz, wo er auch wohnte. Knapp 50 Jahre hatten sich die beiden nicht mehr gesehen.

Die Begrüßung bei einer Stippvisite in der alten Heimat fällt so aus, als wären sie Freunde für die Ewigkeit. Felix Stürmer hängt mit dem von ihm trainierten Nachwuchsteam der USA nach der Teilnahme an der Kocholympiade in Erfurt noch ein paar Tage dran, um seinen Schützlingen "Good Old Germany" zu zeigen. Nach Hundheim habe er keinen Kontakt mehr. Dafür habe er den Ort zu früh verlassen. Anlaufpunkt in Deutschland ist vor allem Mörfelden-Walldorf (Hessen). Dort wohnt seine Schwester Liz. "Ich habe noch Verbindungen nach Hundheim. Dort wohnte noch eine Cousine von uns", erzählt sie. Ihr Bruder hat nach der Lehre noch eine Saison im Restaurant Binz gearbeitet. Danach hat er sich auf Wanderschaft begeben. In Deutschland hat er in vielen Küchen gearbeitet, auch in der Schweiz, in Südafrika und in Kanada hat er gewirkt. "1982 bin ich dann für einen großen Hotelkonzern in die USA gegangen", erzählt er.

In Kansas City habe er schließlich in einem 750-Zimmer-Hotel gearbeitet. Alter Herd steht noch In dieser Zeit entstand der Kontakt zum Johnson-County-Community-College der 500.000-Einwohner-Stadt im Staat Missouri. Dahinter verbirgt sich eine Berufsschule. "Mit 22.000 Schülern", erläutert er deren Dimension. Darunter seien etwa 550 Kochazubis. Im Jahr 2002 wechselte er dorthin. Und er wird dort auch nächstes Jahr seine berufliche Laufbahn beenden. Bei seinem ersten Arbeitgeber in Bernkastel-Kues wird er auch von Kollegen des Köchevereins Mittelmosel, an der Spitze Küchenmeister Peter Siegmund, und von Stadtbürgermeister Wolfgang Port begrüßt.

José Binz überreicht Felix Stürmer seinen Lehrvertrag nebst Zeugnis. 50 Mark gab es damals im ersten Lehrjahr monatlich. "Ein Teil davon wurde mir für Kost und Logis wieder abgezogen", erzählt Stürmer. In seinem Zeugnis steht unter anderem: "Er ist sehr geeignet für den Kochberuf." "Er konnte gut kochen", erinnert sich José Binz ein halbes Jahrhundert zurück. Natürlich geht es bei dem Abstecher an die Mosel auch in die Küche. "Hier hat sich ja fast nichts verändert", sagt Stürmer.

An dem in der Mitte stehenden Herd habe er schon damals gekocht. "Er ist immer noch in Betrieb", sagt Binz. Gute deutsche Wertarbeit eben. Felix Stürmer, der mit einer Engländerin verheiratet ist und drei Kinder hat, wird übrigens auch im Ruhestand in den USA bleiben. "Das ist meine Heimat geworden", sagt er.