Von Indien an die Mosel

KESTEN. (urs) Die Personalnot in einigen Pfarreien des Dekanates Bernkastel/Piesport-Morbach hat demnächst ein Ende. Mit Pater Saji Thomas nimmt ab März einer von acht indischen Priestern im Bistum Trier seinen Dienst auf.

Einige kennen ihn bereits, den indischen Priester, der seit vier Monaten im Dekanat Bernkastel/Piesport-Morbach wirkt. In Kesten hat Pater Saji Thomas am Neujahrstag seine erste Messe in deutscher Sprache zelebriert. Doch sein Wirkungskreis in den nächsten - voraussichtlich zwei - Jahren wird sich nicht auf die Pfarrei Osann-Monzel beschränken. Ab März wird der vor drei Jahren zum Priester geweihte Pater des Ordens "Little Flower" vor allem dort sein, wo Not am Mann ist. Aktuell ist das zum Beispiel im Hunsrück der Fall, in den Pfarreien Thalfang, Malborn und Schönberg. Für Dechant Matthias Veit sind die insgesamt acht indischen Priester, die Bischof Reinhard Marx angefragt hat, aber mehr als eine Entlastung. "Sie sind ein Zeichen und mit Sicherheit eine Bereicherung für uns", ist er überzeugt, viel voneinander lernen zu können. Das Bemerkenswerte sei, dass über die Jahrhunderte so viele in die Missionsgebiete gegangen seien und dies nun umgekehrt geschehe. "Jetzt erleben wir, dass wir nicht mehr der Nabel sind, und die Leute erleben Weltkirche.""Mit trockenem Wein kann man ihn verjagen"

Was in Pater Sajis indischer Heimat, dem Bundesstaat Kerala im Südwesten des Subkontinents, anders ist als in Deutschland, ist zum Beispiel der Gottesdienst. "Die Struktur ist die gleiche, aber die Gebete sind anders", sagt Saji. Auch der Blasiussegen oder das Aschenkreuz an Aschermittwoch sind unbekannt in der Heimat der "Thomaschristen", die mit allen indischen Christen etwa 2,5 Prozent der indischen Bevölkerung stellen. Dafür sind in Keralas 26 Bistümern - etwa ebenso viele wie in ganz Deutschland - die Messen stets gut besucht. "Jeden Sonntag ist Messe, und die Kirche ist immer voll", sagt Saji. Daher gebe es auch keinen Priestermangel. Mit der geringeren Kinderzahl zeichne sich in diesem Punkt aber ein Wandel ab. Als Folge von Wohlstand und Bildung habe eine Familie heute kaum mehr als ein oder zwei Kinder. Saji ist das siebte von neun Kindern, von denen zwei heute Ordensschwestern sind. Inzwischen hat sich der 31-Jährige an der Mosel gut eingelebt. Was er vor allem auf die freundlichen und hilfsbereiten Menschen zurückführt, die ihm immer wieder begegnen. Auch auf die "enge innerliche Verbundenheit mit Deutschland", die es in Indien gebe. Wozu auch die langjährigen Kontakte zu deutschen Bistümern beigetragen. Das Bistum Trier habe, wie Augsburg, vielen Studenten in seiner Heimat geholfen, sagt Saji. Sogar die Kälte hat ihn bisher nicht schrecken können. Obschon es ihm unbegreiflich schien, als er erstmals Kinder ausgelassen im kalten Schnee spielen sah. Vorbereitet auf seinen neuen Wirkungskreis hatte er sich am Goethe-Institut in Indien. "Wir haben viel gelernt über deutsche Geschichte, Kultur und Essen." Auch bei Wein kennt er sich der Neu-Moselaner schon aus. "Mit trockenem kann man ihn verjagen", hat Dechant Veit festgestellt. Was Saji vermisst, sind seine Studienkollegen. Schließlich lebte und studierte er seit seinem 15. Lebensjahr im Priesterseminar des Ordens. Doch zumindest während der Woche rückt Indien ein klein wenig näher für ihn. Von montags bis freitags lebt er mit seinen indischen Priesterkollegen im Trierer Priesterseminar und lernt eifrig für den deutschen Führerschein und die Perfektionierung seiner Sprachkenntnisse.