Von Lupen und Verstärkern

Es ist die Zeit der Wahlgeschenke. Vom Geldsegen für Familien bis zum Kugelschreiber bei Wahlkampfveranstaltungen ist alles drin.

Ich würde auch gerne Wahlgeschenke machen, aber sinnvolle: Ich würde in dieser Zeit gerne Lupen verschenken, Lupen, die alles Kleine etwas größer machen. Sehen wir etwa, dass zirka 15 von 100 Kindern in unserem Land in Armut leben? Schauen wir noch hin auf die fast fünf Prozent der Kinder unter 15 Jahren, deren Familien nicht immer genug zu essen haben? Wer ist Anwalt für eine gerechtere Verteilung der Güter? Wer zeigt Langzeitarbeitslosen eine neue Chance auf?
Auch kleine Verstärker wären super als Wahlgeschenk. Sie würden uns bei unserer Wahlentscheidung helfen, deren Stimmen im Ohr zu haben, die leicht überhört oder von platten Stammtischparolen übertönt werden: die gebrochene Stimmen der Menschen, die vor Krieg und Bombenhagel geflohen sind, um ihr blankes Leben und das ihrer Kinder zu retten.
Taschenlampen wären auch tolle Wahlgeschenke; sie könnten helfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen: Wer setzt sich wirklich für die Gleichheit aller Menschen ein, wer nimmt ihre Würde ernst? Wem ist das Gespräch und das friedliche Zusammenleben von Menschen aller Religionen und Weltanschauungen ein ernstes und ehrliches Anliegen? Wer schützt unsere Welt so nachhaltig, dass wir sie gut unseren Kindern und Enkelkindern übergeben können, ohne uns schämen zu müssen?
In ungefähr 300 Stunden habe ich gleich zwei Mal die Wahl. Die erste Wahl: Gehe ich überhaupt wählen am 24. September, wenn der neue Bundestag gewählt wird? Mir ist klar: Jede Stimme mehr trägt auch zu mehr Demokratie bei.Die zweite Wahl: Wen soll ich wählen? Welche Partei und welche Politiker bewähren sich unter meiner Lupe, unter meinem Verstärker, unter meiner Taschenlampe?

Armin Surkus-Anzenhofer, Bausendorf,Pastoralreferent im Dekanat Wittlich und an der Kirche der Jugend Marienburg.