Von Mensch zu Mensch

In neuer Struktur, als Zusammenschluss der Kreise Bernkastel-Wittlich und Cochem-Zell, ist der Caritasverband ins neue Jahr gestartet. Neu ist auch, dass einer statt zwei Geschäftsführer die Geschicke leitet. Unter Katy Schug soll weiter der Mensch im Mittelpunkt stehen. Wichtig sind dafür die Ehrenamtlichen, die beispielsweise die "Tafeln" möglich machen, von denen 1900 Menschen profitieren.

Wittlich. Arm, krank, alt: 9,2 Millionen Euro bewegt der Caritasverband Mosel-Eifel-Hunsrück allein in diesem Jahr, um Menschen zu helfen, für die arm, krank oder alt zu sein zum Problem geworden ist.

"Die Caritas" als katholischer Wohlfahrtsverband ist dabei für ihr hiesiges Verbandsgebiet, das die Kreise Bernkastel-Wittlich und Cochem-Zell abdeckt, Arbeitgeber für 320 Mitarbeiter (190 Vollzeitstellen), die 1600 Menschen täglich über den ambulanten Dienst versorgen und 1900 über die Tafelprojekte erreichen. All das muss sich auch bei einer Institution, deren Name Nächstenliebe und Wohltätigkeit bedeutet, wie bei jedem Betrieb "rechnen". Auch arbeitet man teilweise auf einem Markt in Konkurrenz zu privaten Anbietern. "Im Minutentakt muss Leistung erbracht werden, unter diesem Druck stehen alle", fasst Winfried Görgen, Vorsitzender des Caritasverbandes, die generellen Bedingungen, etwa für Krankenschwestern oder Altenpfleger zusammen. Daher setze die Caritas auf Ergänzung durch Ehrenamtliche, um trotz gesetzlicher Vorgaben dem ihr zugrundeliegenden christlichen Menschenbild weiter gerecht werden zu können. Dieser Anspruch bei den Beratungsdiensten zu erfüllen, wo die Caritas bei steigender Nachfrage konkurrenzlos arbeitet, scheint leichter.

"Wenn jemand hier steht, bekommt er Gehör"



Die Schwangere, der Suchtkranke oder psychisch kranke Mensch, Alleinerziehende, an Armut leidende Familien und davon betroffene Kinder: All denen will der Caritasverband Hilfe und eine neue Perspektive bieten. "Wenn jemand hier steht, bekommt er Gehör. Die Menschen können sich auf den Caritasverband und seine Dienste verlassen. Und dabei kennen wir als kirchlicher Verband nicht nur die ökonomische Perspektive, sondern wir haben auch ,Flächenverantwortung', den Anspruch präsent zu sein", sagt denn auch die Geschäftsführerin des Verbands Mosel-Eifel-Hunsrück, Katy Schug. Und ausgegrenzten Menschen zu helfen, das sei auch einmal ein Grund gewesen, warum sie Sozialarbeit studiert habe. "Der unmittelbare Kontakt, manchmal vermisse ich das", sagt Katy Schug, die seit Januar alleinige "Chefin" über zwei ehemals relativ selbstständige Geschäftsführungsbezirke in den zwei Landkreisen ist. Diese Struktur soll nun Bestand haben. Sie hat auch Vorteile: So setzt man auf Synergieeffekte bei der Öffentlichkeitsarbeit, der Teilzentralisierung der Buchhaltung oder einer gemeinsamen Stelle "Glücksspielsucht". Weiter ist eine "Geh-Struktur" Ziel, das heißt den Menschen vor Ort per Hausbesuch zu erreichen. "Wir wollen nicht auf den Klienten warten, sondern zu ihm kommen", sagt Winfried Görgen.

Extra Caritasverband: Ursprünglich sollte die Geschäftsstelle Wittlich in den Caritasverband der Region Trier übergehen, die Geschäftsstelle Cochem in den Verband für die Region Rhein-Hunsrück-Nahe. Die Mitglieder entschieden sich 2008 dagegen. Jetzt sind die Kreise Bernkastel-Wittlich und Cochem-Zell nebst den Cariats-Geschäftsstellen Cochem und Wittlich im Cariasverband Mosel-Eifel-Hunsrück zusammengefasst. (sos)