Von Napoleon bis zur Stunde Null

Über 140 Jahre Wittlicher Historie berichtet Dr. Klaus Petry in den beiden neuen Bänden der Wittlicher Geschichte. Ende des Jahres sollen die Bücher vorgestellt werden, die die Zeit von 1800 bis 1945 abdecken.

Wittlich. "Das ist kein Konsalik, sondern ein wissenschaftliches Buch", sagt Dr. Klaus Petry über den Band 3.1. der Reihe zur Wittlicher Geschichte. Das Manuskript für dieses Buch wird derzeit in der Wittlicher Druckerei Knopp bearbeitet. "Mit dem Manuskript für den zweiten Teilband bin ich auch schon fast fertig", sagt der Wittlicher Historiker.

Nach derzeitigem Stand Ende November/Anfang Dezember sollen die jeweils 400 bis 500 Seiten starken Bücher der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Rund 140 Jahre von der Franzosenzeit bis zur sogenannten Stunde Null im Jahr 1945 werden dann erstmals in einer Gesamtschau aufgearbeitet werden.

Der bereits abgeschlossene Band 1 firmiert derzeit unter dem Arbeitstitel "Wittlich langer Weg in die Moderne". Ein umfangreiches Studium von Akten, Dokumenten und Zeitungen hat Petry hinter sich gebracht, um die neuen Bände schreiben zu können. Dabei hat er die ein oder andere unerwartete Entdeckung gemacht.

Die "Einkaufsstadt" gibt es seit 1900



"Defizitäre Haushalte sind keine Erfindung der heutigen Zeit", sagt der Historiker. Das beweist ein Haushalt der Stadt Wittlich aus der Zeit der französischen Besetzung um 1800. "Die Einnahmen der Stadt lagen im besagten Jahr bei 2291 Franken, die Ausgaben bei 7041 Franken", berichtet der Historiker.

Ebenfalls herausgefunden hat Petry, dass der Begriff "Einkaufsstadt" keine Erfindung aktueller Vermarktungsstrategen ist. Petry: "Bereits um 1900 wurde mit diesem Begriff geworben."

Eine Theorie für die rasante Entwicklung der Stadt hat der Historiker ebenfalls parat. So wurden in preußischer Zeit ab 1900 in relativ kurzer Folge das Krankenhaus St. Elisabeth, das Gefängnis und Maria Grünewald gebaut. Die Stadt Wittlich habe diese Ansiedlungen durch günstige Grundstückspreise gefördert. Die günstige Lage an der Verbindung von Trier nach Koblenz sei ein weiterer Grund für das Wachsen der Stadt gewesen.

Teils überraschende und oft erschreckende Ergebnisse brachte das Studium der Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus. So habe es beispielsweise 1941 eine geheime Anweisung an den Bürgermeister gegeben, kinderreiche Familien in Klassen einzuteilen. Der Verwaltungschef habe zwar einige Familien benannt, die aber allesamt in die bestmögliche Klasse eingruppiert, berichtet Petry. Womit wieder ein Unterschied zwischen seinem Buch und einem Konsalik-Roman klar wird. Die Eingruppierung war keine erfundene Handlung, sondern Realität im Wittlich des Jahres 1941.