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Von Schiff gerammte Moselbrücke: Nutzung auf eigene Gefahr

Von Schiff gerammte Moselbrücke: Nutzung auf eigene Gefahr

Die beschädigte Müsterter Brücke ist in Piesport weiter Diskussionsthema. Eine knappe Mehrheit war bei Bürgerbefragung für einen Abriss. Zurzeit laufen aber noch Untersuchungen eines Sachverständigen. Er überprüft die Tragfähigkeit des Bauwerks.

Piesport. Seit einer Bürgerbefragung im September 2013 ist es ruhig geworden um die seit 2009 für Fahrzeuge und Fußgänger gesperrte Müsterter Brücke (siehe Extra). Mit 542 zu 510 Stimmen empfahl eine knappe Mehrheit, die kleinere von zwei benachbarten Brücken abzureißen (der TV berichtete). Der Ortsgemeinderat bekräftigte das unverbindliche Ergebnis mit einem entsprechenden Beschluss.

Doch seither ist nichts weiter geschehen, was Bürger wie Holger Breit nicht verstehen. Sollte erneut ein Schiff die Brücke rammen, bestehe kein Versicherungsschutz, befürchtet er und wandte sich besorgt an den TV. Die Gemeinde müsse dann etwaige Schäden komplett aus eigener Tasche zahlen, glaubt er.

"Wir sind in der Haftung", ist auch Oliver Maximini überzeugt. Der Vorsitzende der Wählergruppe Maximini fragte in der jüngsten Gemeinderatssitzung nach dem aktuellen Stand. Es sollten doch nur noch die Abrisskosten geprüft werden, sagt er. Er befürchtet ein Hinauszögern zum Nachteil des künftigen Rates, der im Mai gewählt wird. "Da ist kein Wille, tätig zu werden."

Dabei seien sich Fachleute einig, die Brücke sei "in keiner Weise zu nutzen", weshalb seine Gruppierung den Abriss befürworte. Von der Gemeinde müsse Schaden abgewendet werden.

Edmund Gansen, Büroleiter der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, kann in diesem Punkt beruhigen. Die Brücke sei ja nicht einsturzgefährdet und folglich weiter für einen solchen Fall versichert. Fußgänger und Radfahrer passierten die für jegliche Nutzung gesperrte Brücke hingegen auf eigene Gefahr.

Nach Auskunft von Ortsbürgermeister Karl Heinz Knodt wird das Ergebnis eines unabhängigen Sachverständigenbüros abgewartet.

Die Trägerkonstruktion werde regelmäßig überprüft - auch von Tauchern. Der Ortsbürgermeister hofft auf konkretere Zahlen für Abriss- und alternativ für Sanierungskosten. Vielleicht könnten Pfeiler und Fahrbahn ja weniger aufwendig saniert und für Fußgänger und Radfahrer freigegeben werden. Vertretbare Kosten vorausgesetzt, wäre diese "kleine Lösung möglicherweise eine Option".

Für Traktoren, einst die Hauptnutzer, sieht er wegen des dann viel höheren Sanierungsaufwands keine Chance. Handlungsbedarf sieht auch er: "Wenn wir jetzt nicht abreißen, verlagern wir die Problematik auf kommende Generationen."

Das Kernproblem sei nach wie vor, dass die Gemeinde mit der Brücke einer vom Kreis abgestuften Straße finanziell total überfordert sei. Der damalige Rat hätte das nicht hinnehmen dürfen, habe aber gar keine Handhabe gehabt, es abzuwenden.

"Wir fühlen uns allein gelassen - die Gemeinde kann das allein nicht leisten", sagt CDU-Kollege Michael Franzen. Dabei habe der Landkreis einst vertraglich zugesichert, sich an etwaigen Reparaturkosten zu beteiligen, was aber wegen seines defizitären Haushalts nun kein Thema mehr sei.Extra

2009 rammte ein Frachtschiff die Müsterter Brücke und beschädigte Trägerkonstruktion und Fahrbahn. Für die mit 470 000 Euro kalkulierten Reparaturkosten zahlte die Versicherung des Schadensverursachers vor zwei Jahren 402 000 Euro. 50 000 Euro davon fielen für Verfahrenskosten an, so dass die Gemeinde schon dadurch auf 118 000 Euro sitzen bleibt. Anschließend zeigte sich, dass die drei Pfeiler saniert werden müssen. Einschließlich Voruntersuchungen und Stahlbauteilsanierung ist dafür mit Kosten von 750 000 Euro zu rechnen - Erfahrungswerten nach eventuell sogar mit 500 000 Euro pro Pfeiler. Der Abriss der Brücke soll mindestens 650 000 Euro kosten. Bleibt die Brücke stehen, fallen jährlich Unterhaltungskosten an: für Prüfgebühren, Tauchgänge und die Behebung festgestellter Mängel. Das Wasserwirtschaftsamt sieht dringenden Handlungsbedarf, weil die Brücke für Schiffe schwer passierbar ist. Sollte sie erneut gerammt werden, könnte sie eventuell einstürzen. urs