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Von Thalfang hinaus in die große, weite Welt

Von Thalfang hinaus in die große, weite Welt

Samuel Hirsch (1815 bis 1889) ist in Thalfang geboren und hat dort seine Kindheit verbracht. Später ging er in die USA. 2014 jährt sich der 125. Todestag. Leben und Wirken finden sich nun in einem Buch wieder, das im Hunsrück entstand.

Er ist der Sohn eines einfachen Viehhändlers aus Thalfang. Doch Samuel Hirsch ist ehrgeizig. Er studiert und wird zu einem bedeutenden Rabbiner nicht nur in Europa sondern auch in den USA.

Bis zu seinem 13. Lebensjahr lebt Samuel Hirsch in Thalfang. Nach Auskunft von Elmar Ittenbach, der ein Buch geschrieben hat und dafür intensiv in alten Unterlagen recherchiert hat (siehe Extra), erlebt er "eine harmonische Kindheit".
1828 verlässt Hirsch den Hunsrück, um in der 120 Kilometer entfernten französischen Stadt Metz die "Jeschiwa", eine jüdische Religionsschule, zu besuchen. Für die ländliche Jugend war dies, so der Autor, die einzige Möglichkeit eine höhere Bildung zu bekommen. Doch Hirsch muss sich dort, so Ittenbachs Recherchen, einsam und verloren gefühlt haben. Das wird auch nicht besser, als er nach Mainz wechselt. Auch dort waren zu der Zeit deutsche Bücher verboten.
Samuel Hirsch setzt sich über dieses Verbot hinweg und eignet sich auf eigene Faust das Wissen an, das er für sein Studium benötigt. So kann er mit 18 Jahren auch ohne Abitur in Bonn sein Studium der evangelischen Theologie beginnen. Jüdische Theologie ist damals noch kein Studienfach, so dass dies die einzige Möglichkeit ist, sich in diesem Bereich weiterzubilden. Später wechselt er nach Berlin zur Universität, wo er sich auf die Philosophie konzentriert. Sein Studium verdient sich Hirsch als Hauslehrer mit Französischunterricht, aber auch mit Religion.Moderne Ansichten


Seine erste Stelle als Rabbiner auf Probe bekommt er in Dessau. Nach zwei Jahren endet seine Aufgabe zunächst. "Vielen gefällt seine moderne Sichtweise nicht", erläutert Ittenbach. Hirsch bleibt dennoch zwei Jahre in Dessau und verfasst mehrere Bücher bevor er als Rabbiner nach Luxemburg geht, wo er 23 Jahre lang wirkt.
1866 folgt Hirsch einem Ruf nach Philadelphia. Dort arbeitet er lange als Rabbiner einer großen deutschsprachigen Reform-Gemeinde in Philadelphia. Er wird zum Anführer eines modernen Judentums, das vieles Alte abschafft. So verlegt er den Sabbat auf den Sonntag. Ansonsten wäre es für Juden an zwei Tagen nicht erlaubt gewesen zu arbeiten, erklärt Ittenbach. Am Samstag nicht, weil es der eigene Feiertag ist und am Sonntag nicht, weil dies der Feiertag der Christen ist. Auch sonst vertritt Hirsch eine Philosophie, die von Toleranz und Humanität geprägt ist. Sie stellt zwar das Judentum in den Vordergrund, akzeptiert aber auch andere Religionen.

Samuel Hirsch heiratet im Alter von 30 Jahren Louise Micholls und hat mit ihr vier Kinder. Seine Nachkommen leben noch in den USA. Hirsch selbst zieht 1888 mit seiner Frau zu seinem Sohn Emil Gustav nach Chicago, wo er 1889 stirbt.

In Thalfang selbst gibt es keine Nachkommen der Familie. Die Eltern des Religionsphilosophen und seine Geschwister sind aus Thalfang weggezogen. Nach 1850 war die Familie Hirsch dort nicht mehr präsent.
"Es ist wichtig, diesen großen Denker und Reformer in Erinnerung zu halten, ihn zu würdigen und aus seinen Lehren zu lernen", sagt Vera Höfner, Beigeordnete der VG Thalfang. Elmar Ittenbach habe genau recherchiert und viel Zeit investiert.
Elmar P. Ittenbach: Samuel Hirsch - Rabbiner - Religionsphilosoph -Reformer; 176 Seiten, Broschur, 27 Abbildungen; ISBN 978-3-95565-045-2; 9,90 EuroExtra

Religionsphilosoph Samuel Hirsch starb vor 125 Jahren. Foto: privat

Elmar Ittenbach, geboren 1948, war mehr als 30 Jahre lang Lehrer in Tha lfang. Seine Schwerpunkte lagen in den Fächern Englisch und katholischer Religionsunterricht. Er beschäftigte sich aber auch schon immer mit dem Judentum und biblischer Theologie. Ein erstes Ergebnis: Im Jahr 2011 brachte er bereits das Buch "Jüdisches Leben in Thalfang" heraus. Für sein Werk über Samuel Hirsch hat sich Ittenbach viele Stunden mit dem Lebenslauf und dem Lebenswerk des Thalfanger Religionsphilosophen beschäftigt. Viel Recherche und viele Gespräche, auch mit den in Chicago lebenden Familienangehörigen gingen der Veröffentlichung des Buches voraus. noj