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Vor 100 Jahren: Jobmaschine Hunsrückbahn

Vor 100 Jahren: Jobmaschine Hunsrückbahn

Die Hunsrückbahn steht neuerdings in der Region im Mittelpunkt des Interesses. Schließlich wollen die Anrainerkommunen zwischen Büchenbeuren und Hermeskeil die Strecke erwerben, um sie eventuell zu reaktivieren. Der TV nimmt die neue Situation zum Anlass, die 15 Haltepunkte an der Strecke unter die Lupe zu nehmen.

Hunsrück/Hochwald. "Am 1. Oktober 1903 rollten die ersten Güterzüge, am 1. November folgten die Personenzüge", erzählt der Leiter des Hochwaldmuseums in Hermeskeil, Kurt Bach, von den Anfängen der Hunsrückbahn. Er ist nicht nur akribischer Heimatforscher, sondern mit seinen 72 Jahren auch Zeitzeuge.

Voller Bewunderung spricht er über die technische Meisterleistung der Ingenieure: "Bei Pölert erreicht die Bahn eine Höhe von 521 Metern, fällt bis zum Rascheider Bahnhof auf 405 Meter und erreicht in Dhronecken mit 373 Metern ihren tiefsten Punkt, steigt dann aber bis Deuselbach auf 512 Meter. Eine echte Gebirgsbahn."

Bachs Erinnerungen reichen bis in die Kindheit zurück. Besonders die Wiedereröffnung nach dem Zweiten Weltkrieg am 3. August 1950, als Bischof Bernhard Stein die Trasse wieder einweihte, brannte sich in sein Gedächtnis: "Ich sagte vor dem Bischof ein Gedicht auf."

Doch zurück zu den Anfängen: Die aufstrebende Stahlindustrie und die Kohlenreviere im Saargebiet und Lothringen sogen Anfang des 20. Jahrhunderts Arbeitskräfte wie Magnete an - die ersten Berufspendler. Die "Saargänger", wie man sie damals nannte, scherte die Inflation von 1922 bis 1924 wenig. Sie verdienten Saar-Franken, eine harte Währung.

Die Kehrseite des modernen Verkehrsweges war die Nutzung für den Krieg. War die Bahn im Ersten Weltkrieg hauptsächlich für Truppentransporte genutzt worden, wurde sie im Zweiten Weltkrieg Teil eines Waffensystems, der "V2". Die Raketen wurden auf den kleinen Bahnhöfen der Strecke auf Lastwagen umgeladen und von wechselnden Standorten abgefeuert. Als kriegswichtiges Ziel blieb die Hunsrückbahn vom Bombenhagel nicht verschont.

Die Brücken und großen Bahnhöfe, ja sogar rollende Personenzüge wurden angegriffen, wie 1944 kurz vor Geisfeld, als mehrere Menschen ums Leben kamen.

Nach der Instandsetzung sorgte die Hunsrückbahn für einen zweiten Wohlstandsschub in der Region, das Wirtschaftswunder. "In allen Orten lebten die Menschen von der Bahn und mit der Bahn", sagt Bach. Allerdings ermöglichte der Wohlstand auch die vermehrte Nutzung von Autos und Lastwagen, was die Schiene später entbehrlich machte. 1976 war Schluss - erst für die Schienenbusse, dann kamen die Güterzüge aufs Abstellgleis.

Geht es nach dem Willen der Rathaus-Chefs in Thalfang, Morbach und Hermeskeil, wird die Strecke wohl wiederbelebt. Ob und wann die ersten Schienenbusse rollen, ist aber noch ungewiss.