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Vor 125 Jahren starb der Kröver Auswanderer Clemens A. Reiss

Geschichte : Vom Moselland in die „Neue Welt“

Vor 125 Jahren ist der aus Kröv stammende Auswanderer Clemens A. Reiss in Sheboygan in Wisconsin, USA, gestorben. Der erfolgreiche Auswanderer gründete einst ein bedeutendes Unternehmen in seiner Wahlheimat.

Die im späten 19. Jahrhundert entstandene Firma C. Reiss Coal Company gehörte viele Jahrzehnte lang zu den wichtigsten Kohlenhandelsbetrieben im Nordwesten der Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Seinerzeit verfügte das in Sheboygan, Wisconsin, gegründete Unternehmen über zahlreiche firmeneigene Frachtschiffe, Docks und Ladestationen in mehreren verschiedenen Häfen der Region Great Lakes. Durch ihr imposantes Erscheinungsbild prägten die riesigen Kohle-Frachter der familiengeführten Reiss Steamship Company den einstigen Dampfschiffverkehr auf den Großen Seen.

Der deutschstämmige Firmengründer Clemens A. Reiss kam am 7. November 1835 als Sohn des Ehepaars Johann (1805 bis 1880) und Susanna Reiss, geborene Beth, (1792 bis 1865) in der Moselgemeinde Kröv auf die Welt. Um 1855 verließ Reiss seine alte Heimat, um ein besseres Leben in den USA beginnen zu können.

In der sogenannten Neuen Welt angekommen, verbrachte der junge Auswanderer zunächst einige Monate in der Metropole Chicago, Illinois. Nach einem einjährigen Aufenthalt im Ort Two Rivers, Wisconsin, zog Reiss 1856 nach Sheboygan. Dort arbeitete er vorübergehend im Bäckereibetrieb seines späteren Schwiegervaters John Mallmann. 1858 nahm er eine neue Anstellung in einer Getreidemühle am Pigeon River (Oberer See) an. Nachdem Reiss genügend Eigenkapital angespart hatte, erwarb er 1860 eine Beteiligung an der Mühle. Zudem arbeitete der gebürtige Deutsche für eine regionale Händler-Organisation als Einkäufer für Weizen und Getreide.

1880 machte Reiss sich selbständig und gründete ein eigenes Unternehmen unter dem Namen Clemens Reiss & Company in Sheboygan. Der neue Betrieb beschäftigte sich zunächst hauptsächlich mit dem Handel von Kohle, Salz und Holz. Im Mai 1864 heiratete der aufstrebende Unternehmer seine aus Halsebach bei Boppard stammende Frau Anna Marie Mallmann (1845 bis 1916). Aus der Ehe gingen zwölf Kinder hervor, darunter Peter Reiss (1867 bis 1926), der spätere Mitbegründer der im Jahr 1916 ins Leben gerufenen Reiss Steamship Company.

Im April 1888 wurde unter der Zusammenarbeit von Reiss und mehreren Mitgesellschaftern der bereits seit acht Jahren bestehende Handelsbetrieb neu gegründet. Im Zuge ihres wirtschaftlichen Erfolges vergrößerte sich die Firma C. Reiss Coal Company in den folgenden Jahrzehnten stark. Während ihrer Glanzzeiten betrieb die zum Mutterbetrieb gehörende Schifffahrtsgesellschaft Reiss Steamship Company mehr als 40 Seeschiffe, darunter große Schlepper und Frachter wie die „William A. Reiss“, „Richard J. Reiss“, „Clemens A. Reiss“ und „Otto M. Reiss“ mit je 7.500 Tonnen Tragfähigkeit (siehe Bild).

Am 1. Juni 1896 starb der einstige Firmengründer im Alter von 61 Jahren in seiner Wahlheimat Sheboygan. Für sein unternehmerisches Geschick und den besonderen wirtschaftlichen Erfolg der von ihm geführten Betriebe erhielt Reiss hohe Anerkennung.

So wurde das Lebenswerk des früheren Auswanderers in einem Nachruf unter anderem wie folgt gewürdigt: „Als leitender Unternehmer bewies Clemens Reiss ausgezeichnete Führungsqualitäten und ein scharfes Urteilsvermögen. Er führte sein Geschäft auf eine Weise, die kontinuierliches Wachstum und Erfolg sicherten. In den Geschäftskreisen von Sheboygan übte Herr Reiss sein Wahlrecht zur Unterstützung, Besserung und Festigung der Demokratie aus, fand jedoch keine Zeit für politische Aktivitäten. Sein aufrichtiges und ehrenhaftes Leben brachte ihm den Respekt und die Wertschätzung all derer ein, mit denen er verbunden war. Sein Lebenswerk ist ein hervorragendes Beispiel für die Kraft von Fleiß und Ausdauer. Denn nachdem er mit leeren Händen in die neue Welt kam, entwickelte er sich mit Eifer zu einer angesehenen und wohlhabenden Persönlichkeit.“