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Vor 190 Jahren wütete ein zerstörerisches Unwetter nahe Trier-Pfalzel.

Geschichte : Eine Schneise der Verwüstung - Zerstörerisches Unwetter in Trier-Pfalzel vor 190 Jahren

Vor 190 Jahren wütete ein zerstörerisches Unwetter nahe Trier-Pfalzel. Der tornadoähnliche Sturm vom 25. Juni 1829 versetzte Einwohner in Angst und Schrecken.

Seit mehreren Jahren macht sich vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung eine signifikante Häufung von lokalen Unwettern in Deutschland bemerkbar. So kam es auch im Raum Eifel-Mosel-Hunsrück in der jüngeren Vergangenheit immer öfter zu Extremwetterereignissen wie Orkanen und Starkniederschlägen sowie schweren Blitz- und Hagelschlägen.

Bei bestimmten Sturmwetterlagen bildeten sich vereinzelt Tornados (Windhosen), die zum Teil große Schäden in den betroffenen Orten, darunter auch in Trier anrichteten.

Obwohl die Entstehung von Wirbelstürmen durch die heutige Klimaveränderung vielerorts begünstigt wird, ist das Auftreten dieses gefährlichen Wetterphänomens auch in unserer Region nicht neu. So kam es dort bereits in der länger zurückliegenden Vergangenheit zur Bildung von Tornados oder tornadoartigen Stürmen, wie das Beispiel der am 25. Juni 1829 entstandenen, windhosenähnlichen Luftwirbel bei Trier-Pfalzel zeigt.

Das Erscheinen des außergewöhnlichen Wetterphänomens wurde seinerzeit in dem Briefdokument eines Meteorologen namens Großmann schriftlich festgehalten. Die ausführliche Beschreibung des sogenannten „Meteors“ ist überdies in Dr. J. Meyers historischem „Lehrbuch der astronomischen und physikalischen Geographie“ von 1852 in verkürzter Fassung zu finden. Darin heißt es: „(...) Gegen 2 Uhr Nachmittags zeigte sich eine Meile unter Treves (Trier) nordöstlich von Ruwer und Pfalzel ungefähr 20° über dem Horizonte ein auffallendes Phänomen, welches eine auf dem Felde beschäftigte große Anzahl von Menschen sehr beunruhigte. Der Himmel war (...) bedeckt, als sich mit einem Male mitten in einer in Nordosten aufsteigenden schwarzen Wolke eine leuchtende Masse zeigte, welche sich nach entgegengesetzter Richtung zu bewegen anfing, und die Wolke mit Heftigkeit zerstreute. Die Wolke nahm bald am oberen Ende die Form eines Schornsteins an, aus welchem ein weißgrauer Rauch aufstieg, der von Lichtflammen unterbrochen wurde, die durch mehrere Oeffnungen mit einer solchen Kraft aufstiegen, als wenn sie durch etliche Blasebälge mit der größten Heftigkeit fortgetrieben würden. Das Meteor war über die Weinberge von Diesburg, Ruwer gegenüber, fortgeschritten, als in einiger Entfernung südlich an dem rechten Ufer der Mosel ganz in Berührung mit dem Boden ein neues Meteor auf eine fürchterliche Weise erschien. Es zerstreute die um einen Baum angehäuften Kohlenmassen, warf einen Arbeiter eines Kalkofens um und stürzte sich mit einem fürchterlichen Krache in die Mosel, wobei das Wasser in einer hohen Säule aufstieg. Mit demselben Geräusch rückte dieses immer mit der Erde in Verbindung stehendes Meteor von der Mosel über die Felder von Pfalzel und ließ deutliche Spuren seines zickzackigen Weges durch die Getreidefelder zurück. Ein Theil des Getreides wurde ganz zerstört, ein anderer Theil zu Boden geschlagen und der Rest weit in die Luft zerstreut. Mehrere Frauen, in deren Nähe das Meteor war, wurden ohnmächtig, und andere weiter entfernte verkrochen sich, oder entflohen mit Geschrei. Die Felder standen ganz in Feuer. Zwei Arbeiter, welche auf einen Baum gestiegen waren beobachteten, das Meteor in seinem ganzen Verlaufe, und ein anderer hatte sogar den kühnen Gedanken, es zu verfolgen, was leicht möglich war, da man bloß einen gewöhnlichen Schritt zu gehen brauchte. Aber in einem der Zickzacke, welche er beschrieb, umgab das Meteor diesen Arbeiter mit einem Male; er fühlte sich bald vorwärts gezogen und bald stark gehoben, er neigte sich und stützte sich mittels seiner Geräthschaften gegen den Boden, aber dennoch wurde er umgeworfen, der Wirbel verlies ihn jedoch und setzte seinen Weg fort. (...).“

Als der heftige Sturm nach acht bis zehn Minuten wieder verschwunden war „(...) verbreitete sich auf dem ganzen Felde ein starker Schwefelgeruch. Gleich darauf zeigte sich über den nordöstlich von dem Orte, wo das Meteor Statt gefunden hatte, liegenden Hölzern ein Gewitter und wurde von Hagel mit ungewöhnlich dicken Körnern begleitet.“

Das außergewöhnliche historische Ereignis vom 25. Juni 1829 wurde später in mehreren Werken der wissenschaftlichen Fachliteratur dokumentiert, darunter auch in dem 1917 erschienenen Buch „Wind- und Wasserhosen in Europa“ (Autor: Alfred Wegener, Entdecker der Kontinentaldrift).