Vor der Metzgerei gibt es Bares

Nach der Sparkassenschließung: In Mülheim stellt ein Unternehmer probeweise einen Geldautomaten auf. Auch in Lieser gibt es wieder ein Gerät. Das ist allerdings ein Überbleibsel der Fastnacht und nicht echt.

Foto: (m_mo )

Mülheim Ob es damit zu tun hat, dass sich die Mülheimer am lautesten über die Schließung von Sparkassenfilialen beschwert haben? Auf jeden Fall haben sich in der Folge zwei Unternehmer bei Ortsbürgermeister Friedhelm Leimbrock gemeldet. Ihr voneinander unabhängiges Angebot: Sie stellen für einige Wochen einen mobilen Geldautomaten auf. Nach der Probephase werde dann entschieden, ob ein Automat fest installiert wird.
Leimbrock vermittelte die Interessenten an Karlheinz Sopp, den Besitzer der gleichnamigen Metzgerei in der Ortsmitte. Sopp hatte bei einer Versammlung vehement für eine Ersatzlösung plädiert.
Wie berichtet hatte die Sparkasse Mittelmosel Eifel-Mosel-Hunsrück zum 1. Februar 13 Filialen und 15 Selbstbedienungsterminals geschlossen. In Mülheim hatten sich im Vorfeld 1130 Bürger mit ihrer Unterschrift für den Erhalt der Filiale eingesetzt.
Karlheinz Sopp hat dem in Wiesbaden ansässigen Unternehmen Bargeldquelle den Zuschlag gegeben. Es vermietet bundesweit mobile Geldautomaten - zum Beispiel für große Feste und Konzerte.
"Der andere Unternehmer wollte neben den Gebühren eine Standmiete von 1000 Euro für den Monat", erläutert Sopp die Entscheidung. Bargeldquelle nimmt laut Aushang eine Gebühr von 2,75 Euro pro Auszahlung. Das ist vergleichsweise günstig.
Der mobile Geldautomat, der in einen Container integriert ist, steht nun seit Montag vor der Metzgerei. Das kostet Sopp einen Parkplatz und freie Sicht auf sein Geschäft. Aber das ist ihm egal. Der Ort brauche einen Geldautomaten, sagt er.
Schließlich gebe es keine VR-Bank, bei der Sparkassenkunden kostenlos Geld abheben können. Klar ist: Der Unternehmer stellt Automaten nicht aus Nächstenliebe auf, sondern muss sein Geld mit den Gebühren verdienen. Er habe angedeutet, mit der Sparkasse zusammenzuarbeiten. "Dafür müsste sie aber auf ihn zukommen", sagt Sopp. Der Geschäftsmann gibt sich pragmatisch: "Stimmen die Zahlen, werden wir für den Standort eine Lösung finden", sagt er.
Auch Gewerbevorsitzender Bernd Dahmen ist froh über das Angebot und sicher, dass es sich trägt. "Mülheim zählt 80 000 Urlauber pro Jahr", sagt er. Auch Dahmen glaubt, dass ein fester Standort gefunden wird.
Übrigens: In Lieser steht auch wieder ein Geldautomat - und zwar vor der Tür zum ehemaligen Selbstbedienungsterminal. Doch er ist nicht echt. Eine Gruppe hatte ihn für den Fastnachtsumzug gebaut und ihn hinterher abgestellt, wo er ihrer Meinung nach hingehört.

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