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Vor fünf Jahren starten Veldenzer Winzer Projekt zur Umwandlung von Brachflächen. Nun wächst zwischen den Rebstöcken sogar der Fenchel.

Wirtschaft : Biologische Vielfalt im Weinberg erhalten

Vor fünf Jahren starteten Veldenzer Winzer ein Projekt zur Umwandlung von Brachflächen. Nun wächst zwischen den Rebstöcken sogar Fenchel.

Der süßlich-mentholische Geruch von Fenchel liegt in der Luft und der Blick schweift über die Weinberge von Veldenz. Auf der gegenüberliegenden Seite des Veldenzer Tals ist auf einer Rasenfläche der hineingemähte Schriftzug „weinerleben.de“ zu erkennen, mit dem ein Winzer auf seine Website aufmerksam macht. Vor knapp vier Jahren roch es hier noch nicht nach Fenchel und der Blick war auch durch Gestrüpp und Gehölz versperrt. Die Parzelle   zählte zu vielen aufgegebenen Weinbergen rund um Veldenz und drohte immer weiter zu verwildern.   Neben dem unschönen Landschaftsbild wirken sich solche über lange Jahre unbearbeitete Flächen   auch auf die angrenzenden Weinberge aus,  denn sie entziehen ihnen Wasser und  mindern die Sonneneinstrahlung.  Dass dort jetzt eine Wildwiese mit Fenchel blüht und sogar einige der aufgegebenen Parzellen wieder bearbeitet werden, ist das Ergebnis eines Projekts, das Veldenzer Winzer in Zusammenarbeit mit dem Bauern- und Winzerverband vor fünf  Jahren  angestoßen haben. Dabei wurden Spenden und Fördergelder des Bundesprogramms „Biologische Vielfalt“ genutzt.

Der Veldenzer Winzer Rainer Kruft und sein Sohn Jonas   zählen zu den Organisatoren. „Teilweise ist uns der Bagger fast in den Brombeer-Büschen versunken,“ erinnert sich Jonas Kruft an die Anfangszeit. Damals galt es, viele Brachen von Wildbewuchs zu befreien, wozu spezielle Geräte verwendet wurden. Manche Brachflächen fanden danach wieder einen Pächter oder Käufer, in anderen Brachflächen wurden Wildkräuter angepflanzt. Andere Brachen, in denen sich bereits Bäume angesiedelt hatten, wurden so belassen. Diese Arbeit ist mittlerweile getan. „Mit Hilfe des Moselprojekts und durch Spenden konnten seit 2015 insgesamt 135 Parzellen mit einer Fläche von 11,9 Hektar entbuscht und teilweise zur Neupflanzung vermittelt werden,“ erzählt Rainer Kruft. Allerdings ist die Förderung durch das Moselprojekt inzwischen ausgelaufen. Um die bearbeiteten Flächen nachhaltig in ihrem Zustand zu halten, sei aber permanente Pflege nötig.  Dazu könne man auf den Solidarfond zurückgreifen, der bereits vor fünf Jahren als Spendenkonto  eingerichtet wurde. „Interessierte Bürger und Touristen können an diesen Fond spenden und erhalten auch eine Spendenquittung“, erklärt Kruft, der in seinem Weingut auch Gästezimmer anbietet. Dabei hat er die Erfahrung gemacht, dass viele seiner Gäste sich für die Landschaft interessieren und auch die Wandermöglichkeiten um Veldenz wahrnehmen - die Gemeinde hat spezielle Wanderwege ausgeschildert. „Unsere Gäste nehmen das sehr stark an und wenn man ihnen die Thematik der Nachhaltigkeit erklärt, dann spenden auch manche,“ sagt Rainer Kruft.  Seine Gäste und auch die übrigen Touristen und Bewohner von Veldenz können sich nun an einer Weinlandschaft erfreuen, in der wichtiger Lebensraum für viele Insekten, Wildblumen, Schmetterlinge und weitere Kleintiere geschaffen wurde.

Wie   Anne Buchsaum-Sehn vom Bauern- und Winzerverband mitteilt, sind im Bereich Veldenz für insgesamt fünf Hektar zwischen 2016 und 2020 zirka 18 000 Euro Fördergeld aufgewendet worden. Hinzu seien im Frühjahr 2018 noch etwa 4000 Quadratmeter Ansaat auf Flächenrändern und Rebbrachen hinzugekommen, die für nochmals 1500 Euro gefördert wurden. „Ziel beider Aktionen war die Förderung der Artenvielfalt. Diese hat sich nach meinen Beobachtungen tatsächlich deutlich erhöht. Das zeigt sich besonders in den Frühsommermonaten, wenn auf den angesäten Flächen Kartäusernelke, Färberwaid, Fenchel und Wilder Dost wachsen und blühen“, sagt Buchsbaum.  Mit dem Projekt seien fünf Hektar Fläche für eine attraktie Weinkulturlandschaft aufgewertet werden, die Vielfalt erhöht und der Schatten- und Schädlingsdruck reduziert worden.  Buchsbaum: „Das Entbuschungsprojekt in Veldenz als Teil des Projekts ,Steillagenbau schafft Vielfalt - das Moselprojekt’ des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau ist ein besonders erfolgreiches Teilprojekt, auch wegen des großen Engagements des Winzers Rainer Kruft und wegen des Einverständnisses von etwa 30 Flächenbesitzern, die zugestimmt haben, dass ihre brachgefallenen Rebflächen innerhalb des Projektes gepflegt werden.“

Wer spenden will, kann sich mit dem Verkehrsbüro in Veldenz oder direkt mit Rainer Kruft in Verbindung setzen. Sonderkonto der Gemeinde Veldenz: Sparkasse MIttelmosel IBAN: DE96587512300000011007