Vorbei an Wittlichs Ex-Bahnhof

111 Kilometer in einem Zug-Oldtimer: Das bietet eine einmalige Fahrt mit dem Schienenbus-Express auf der Moselstrecke. Ein Verein organisiert die einfache Fahrt nach Trier, er will auch an Nebenstrecken erinnern wie die von Wengerohr über Wittlich nach Daun.

Wittlich. Was ist kirschrot, 50 Jahre alt, kann fahren, hat Platz für 50 Menschen aber keine Reifen? Ein Schienenbus. Der hat in Vor-Internetzeiten Menschen von A nach B gebracht, zum Beispiel auf der Bahnstrecke zwischen Wengerohr und Wittlich, die weiter nach Daun führte.

Davon sind nur noch ein paar Gleise geblieben, denn am 25. September 1988 war die letzte Personenfahrt zwischen dem Stadtteil und der Stadt. Seither hat der Stadtteil einen echten Bahnhof, die Innenstadt nur ein Gebäude, das so heißt. Und der Rest der Strecke Richtung Daun? Die dient der Fortbewegung per Muskelkraft: Sie ist zum Maare-Mosel-Radweg geworden.

Schienenbus fährt am 24. Juli



Deshalb kann der historische Schienenbus-Express am Samstag, 24. Juli, auch nicht durch Wittlich rollen, sondern nur durch Wengerohr. Und im Stadtteil - beim Vorbeifahren - wollen die Zeitreisenden im Schienenbus "zumindest 125 Jahre nach der Streckenöffnung im Jahr 1885 bei der Vorbeifahrt mit einem stilechten Schienenfahrzeug an der ehemaligen Ausfahrt in Wengerohr der Nebenbahn gedenken".

Wer denkt denn noch an so was? Andreas Kurth. Er ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Eifel-Nebenbahnen.

Das ist ein Verein, der die Fahrt von Koblenz Hauptbahnhof (Abfahrt gegen 10 Uhr) nach Trier organisiert und zwar als Eilzug ohne Halt und nur in eine Richtung. 111,6 Kilometer, vier Brücken und sechs Tunnel hat die Moselstrecke. "Unser Ziel ist, an die Eisenbahngeschichte der Eifel zu erinnern, zu vergegenwärtigen, wie Bahnfahren einmal gewesen ist und welche Bedeutung die Bahn in der Fläche hatte", sagt Andreas Kurth.

Zugnostalgie mit der Baureihe 798



Ein bisschen Zugnostalgie soll auch geboten werden. Lokführer-Perspektive nennt der Verein das, denn im Schienenbus, Baureihe 798, ist freie Sicht. Was sonst nur der Lokführer mitbekommt, können alle erleben: das Licht am Ende des Tunnels, zumal man durch den Kaiser-Wilhelm-Tunnel bei Cochem rauscht. Der war bis 1985 der längste Eisenbahntunnel der Bundesrepublik. "Der Schienenbus verfügt nur über die matte Beleuchtung von Glühbirnen, so dass das Tunnelerlebnis weitestgehend ungestört erlebt werden kann", meint Andreas Kurth. Sein Verein kümmert sich besonders um die in Vergessenheit geratenen Eifel-Nebenbahnen, denn: "Da gibt es komplexe volkswirtschaftliche Zusammenhänge. Die Entwicklung der Region wäre ohne die Bahn nicht möglich gewesen."

Die Julifahrt - ausschließlich als Einfachfahrt von Koblenz nach Trier - ist in dieser Form eine Premiere. Sie soll 39 Euro kosten. Stichtag für Voranmeldungen ist der 3. Juli. Infos: www.schienenbus-express.de