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Vorstand findet keine Mitstreiter mehr: Kneippverein in Manderscheid steht vor dem Aus

Vorstand findet keine Mitstreiter mehr: Kneippverein in Manderscheid steht vor dem Aus

Der Kneippverein in Manderscheid wird sich voraussichtlich auflösen. Es finden sich keine Freiwilligen mehr, die im Vorstand mitarbeiten wollen. Außerdem ist die Mitgliederzahl in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Jetzt muss die Hauptversammlung entscheiden.

Die Stadt Manderscheid nennt sich heilklimatischer Kur- und Kneippkurort. Es ist ein Gütesiegel für Orte, deren Klima (Reiz- oder Schonklima) therapeutisch wirksam ist. Der frühere Bürgermeister der Verbandsgemeinde Manderscheid, Walter Densborn, unternahm 1988 einen Anlauf, den heilklimatischen Kurort auch als Kneippkurort anerkennen zu lassen.

Im April 1989 erhielt die kleine Stadt in der Vulkaneifel vom Kneipp-Bund die Urkunde. Dr. Werner Kuhn war damals als junger Arzt der Eifelklinik schon dabei. Bald wurde er Vorsitzender des 1989 gegründeten Kneippvereins. Und das ist er auch heute noch.

Doch das Ende des Vereins steht bevor. Für Montag, 16. Januar, 19 Uhr, sind die rund 40 verbliebenen Mitglieder zur Hauptversammlung ins Kurhaus eingeladen. Der Vorstand beabsichtigt, den Verein aufzulösen. Werner Kuhn sagt: "Wir finden keine Leute mehr, um den Vorstand komplett zu besetzen."

Vorsitzender Kuhn hat beispielsweise seit mehreren Jahren keinen Stellvertreter mehr und im Beirat, der mit mindestens vier Leuten besetzt sein soll, ist nur eine Person Schriftführer ist Rainer Schmitz. Er ist auch der Geschäftsführer der GesundLand Vulkaneifel GmbH.

Rainer Schmitz bestätigt die Probleme und sagt: "Es geht uns wie vielen anderen Vereinen. Seit Jahren finden wir keine Mitstreiter mehr." Manderscheid dürfe sich aber auch ohne den Verein weiterhin Kneipp-Kurort nennen.
Die staatliche Anerkennung als Kurort mit der Bezeichnung Kneipp-Heilbad setzt laut Kurorte-Gesetz "umfassende leistungsfähige Einrichtungen" voraus. Ferner muss eine angemessene kurärztliche und pflegerischer Betreuung gegeben sein. Dies sei, so Schmitz, in Manderscheid der Fall.

Auch wenn der Verein sich auflöst: Hoffnung gibt es zumindest für die Menschen, die einmal wöchentlich im Schwimmbad der Eifelklinik Manderscheid zum Aqua-Fitness kommen. Das war bislang Sache des Kneippvereins. In Kürze will man mit dem Sportverein Manderscheid Gespräche führen, damit dieser das Angebot aufrecht erhält.
Laut Kuhn sind noch rund 2000 Euro in der Vereinskasse. Damit müssen noch einige Ausgaben bestritten werden, unter anderem der Beitrag zum Kneipp-Bund, dem Dachverband für rund 600 Kneipp-Vereine in Deutschland.

Einiges wird fehlen, falls die Mitglieder die Auflösung beschließen. Der Verein hatte zahlreiche Veranstaltungen, wie Abendspaziergänge, Barfuss-Laufen, Wassertreten und Kneipp-Aktionstage organisiert. Vor zwei Jahren noch feierte er ein Fest zum 25-jährigen Bestehen.

Kneippvereine gibt es in der Region außerdem noch in Gerolstein, Stadtkyll, Prüm und Trier. Extra

Vor mehr als 150 Jahren entwickelte Pfarrer Sebastian Kneipp sein Heilverfahren, das auf dem Zusammenspiel von fünf Elementen aufgebaut ist: Wasser, Ernährung, Bewegung, Kräuter und innere Ordnung. Bei der Wassertherapie werden Kälte- und Wärmereize genau dosiert - immer mit dem Ziel, positive Reaktionen des Körpers zu erreichen. Güsse, Bäder, Wickel und Packungen können die Durchblutung und Entschlackung fördern und so für Entspannung und allgemeines Wohlbefinden sorgen. Zu Kneippkuren gehören weiterhin Entspannungs- und Bewegungstherapien. Auch die besondere Kraft von Heilkräutern wird genutzt.