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VRT: Moselaner nutzen immer öfter den Bus​

Verkehr : Moselaner nutzen immer öfter den Bus

Wie stark werden die seit 2019 nach und nach eingeführten neuen Buslinien an der Mosel angenommen und welche Erfahrungen wurden bisher damit gemacht? Der Verkehrsverbund Region Trier hat einen Fragenkatalog des Trierischen Volksfreunds beantwortet.

Was ist das Busnetz Mosel?

Das Busnetz Mosel verbindet mit 12 Buslinien alle Orte zwischen Neumagen-Dhron, Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach untereinander. Dabei dienen diese drei Mittelzentren als Knotenpunkte, an denen die Fahrgäste von der einen Linie in die nächste umsteigen können. Das Busnetz Mosel ist eng verwoben mit dem Busnetz Römische Weinstraße (im Kreis Trier-Saarburg) zwischen Trier und Neumagen-Dhron. Hier fährt ebenfalls das Verkehrsunternehmen Moselbahn für den VRT auf zehn weiteren Buslinien. Die RadBus-Linie 333 fährt zwischen Trier und Kues durch beide Busnetze und ist, neben weiteren Linien, in Aufgabenträgerschaft des SPNV Nords – wird also vom Land finanziert.

Wie hat sich die Fahrgastzahl der einzelnen Linien in den vergangenen Jahren entwickelt?

Ein erweitertes attraktives Busangebot trägt dazu bei, dass Menschen Busse und Züge vermehrt im Alltag mitdenken und nutzen. Dafür brauchen wir ein modernes, verlässliches und gut getaktetes Angebot. Je besser und flächendeckender das Angebot ist, desto eher wird es als Alternative zum (Zweit-) Auto in Betracht gezogen. Wir wissen aber auch, dass es seine Zeit dauert, bis Menschen ihre Routinen ändern und auf Busse und Züge umzusteigen. Die Erfahrungen aus anderen Verbünden zeigen, dass es einige Jahre dauern kann, bis sich ein neues ÖPNV-Angebot durchgesetzt hat und die Kunden es annehmen. Und hier sind Sondereinflüsse wie die der Corona-Pandemie noch gar nicht berücksichtigt.

Genau diese Pandemie macht eine valide Bewertung der Entwicklung der Fahrgastzahlen im Zeitvergleich wenig aussagekräftig: Das Busnetz Mosel startete im September 2019, kurz vor der Corona-Pandemie. Die deshalb überall eingetretenen Rückgänge der Fahrgastzahlen konnten auch 2021 noch nicht komplett abgefangen werden. Aus 2022 haben wir Fahrgastzahlen von April und September, die uns einen positiven Trend bescheinigen. Wir wissen aber auch, dass diese Zahlen mit Vorsicht zu interpretieren sind und noch keine statistischen Rückschlüsse zulassen.

Gibt es Linien, in denen besondere Steigerungen / Senkungen festzustellen sind?

Wir sehen in allen Linien des Busnetzes Mosel im September Fahrgastzuwächse im Vergleich zu den April-Zahlen. Es gab keine Senkungen. Solange unsere Datenlage aber so knapp ist, wollen wir die Unterschiede in den Steigerungen und die Zahlen an sich nicht gegeneinander bewerten.

Mit Einzel-Ticket-Verkäufen im soliden fünfstelligen Bereich im September im Busnetz Mosel ist die Entwicklung beim Einzel-Ticketverkauf auf den Linien an der Mosel ist ebenfalls stetig positiv. Was uns besonders freut: Unsere Septemberzahlen liegen bereits über dem Vor-Corona-Niveau.

Hierbei sind die Verkäufe auf den touristisch beliebten Verbindungen, die auch im dichteren Takt fahren, stärker.

Gibt es Linien, die an manchen Uhrzeiten gar nicht ausgelastet sind (Man hört gelegentlich von „Geisterbussen“)?

Es gibt Tageszeiten, sogenannte Schwachlastzeiten, in denen die Busse nicht so stark genutzt werden, im Vergleich zu den Spitzenzeiten morgens, mittags oder Feierabends, wenn Menschen zur Schule, zur Arbeit oder nach Hause fahren. In solchen Schwachlastzeiten ist ja auch das Mobilitätsbedürfnis von Autofahrern auf den Straßen nicht so groß. Als VRT bieten wir Menschen, die vom Auto auf den ÖPNV wechseln, aber auch in diesen Zeiten ein Angebot im Sinne der Daseinsvorsorge und ermöglichen soziale Teilhabe und damit unter anderem Einkäufe, Arztbesuche oder auch Freizeitaktivitäten – meist im zweistündigen Takt.

Wird in einem solchen Fall der Fahrplan korrigiert, beziehungsweise könnte es sein, dass bestimmte Linien oder Fahrzeiten deshalb wegfallen?

Um hier konkrete Aussagen zu treffen, liegen noch nicht genügend belastbare Daten vor. Wir würden aufgrund der oben beschriebenen benötigten längeren Etablierungszeit für neue ÖPNV-Konzepte insgesamt davon abraten zu früh Rückschlüsse zu ziehen – insbesondere über einen „fehlenden Bedarf für bestimmte Linien“. „Bedarf“ und „Nachfrage“ sind nicht das Gleiche. Unter „Bedarf“ verstehen wir bei der Angebotsplanung nicht nur die heutige Nachfrage, sondern schauen immer auch auf die Einwohnerzahlen und Mobilitätsströme der Orte und berechnen daraus das Potenzial an zukünftigen ÖPNV-Nutzern auf einer Linie. Das muss auch so sein, wenn wir den ÖPNV als Daseinsvorsorge verstehen und etablieren möchten. Wir sehen dies als eine Investition in die Verkehrswende.

In vielen Fällen wäre es außerdem nicht sinnvoll, weniger genutzte Fahrten zu streichen, da dies oft kaum Kostenersparnis bringen würde: Ein Bus, der gerade voll Richtung Stadt gefahren ist, muss zum Beispiel morgens auch wieder zurück zum Ausgangspunkt, um weitere Fahrgäste wieder in Richtung Stadt zu fahren.

Gibt es auf anderen Strecken höheren Bedarf?

Es kann vorkommen, dass es gerade an der Mosel bei bestimmten Großveranstaltungen vereinzelt Engpässe im ÖPNV-Angebot gibt, dass auch über die vom Veranstalter zu organisierenden Sonderverkehre nicht gänzlich aufgefangen werden kann. Solche Fälle werden natürlich aufgenommen und bewertet um für Folgejahre gegebenenfalls Anpassungen zu treffen.