Vulkanisches Gestein statt Bombe

WITTLICH. Kurz stieg die Spannung: Im Rahmen der Bauarbeiten in der Karrstraße suchten Kampfmittelorter gestern nach einem Blindgänger. Die Verdachtsstelle in 1,60 Metern Tiefe war als "besonders auffällig" vermerkt. Doch auch in mehr als zwei Metern Tiefe schlummerte keine Bombe. Dafür aber ein merkwürdiger Stein.

Mit einem orangefarbenen Kreuz war die Verdachtsstelle auf Höhe des Hauses Nummer 8 in der Karrstraße gekennzeichnet. In 1,60 Metern Tiefe könnte dort ein Blindgänger schlummern. Das haben die Messwerte der Georadar-Untersuchung ergeben. Hinter den Verdachtsstellen, die im Rahmen der Straßenbauarbeiten bislang geprüft wurden, verbarg sich nur Metallschrott (der TV berichtete). Doch dies waren auch Stellen zweiter und dritter Kategorie, bei denen ein Bombenfund ohnehin nicht so wahrscheinlich gewesen wäre. Bei Hausnummer 8 hingegen handelt es sich um die erste Kategorie-1-Stelle, die zudem noch mit dem Hinweis "besonders auffällig" versehen wurde.Bauarbeiten liegen im Zeitplan

"Ihr braucht mit euren Stahlkappenschuhen gar nicht erst zu kommen", sagte Kampfmittelorter Thomas Welker. Er wollte die Stelle mit seinem Magnetometer noch mal überprüfen. Das Gerät meldet per Summgeräusch und Anzeige auf dem Display "eisenhaltiges Material". Doch zu viele Stromkabel irritierten die Messung. Vorsichtig legte der Baggerführer mit der Schaufel Telefon- und Stromkabel frei. Direkt darunter liegt die Verdachtsstelle. Kaum war ein guter Meter Tiefe erreicht, wurde es spannend: Die Zuschauerzahl verdoppelte sich, der Baggerfahrer zündete sich eine Zigarette an. "Mach mal langsam mit dem Bagger, am Ende finden wir wirklich noch so ein Ding", sagte Stefan Kaspari vom Ingenieurbüro John und Partner, das mit den Bauarbeiten beauftragt ist. "Der Wert wird höher, es liegt noch tiefer", sagte Welker, der immer wieder im Erdloch nach Metall fahndete. Doch Steine irritierten das Gerät. "Die reflektieren die magnetischen Strahlen anders als normaler Boden", erklärte Welker. In gut zwei Metern Tiefe dann eindeutige Signale: Das Magnetometer zeigte 1000 Nano-Tesler an, doppelt so viel, wie Welker weiter oben bei den Kabeln gemessen hatte. Ein Zeichen dafür, dass weiter unten doch noch Eisen liegen könnte. Doch einige Anrufe später war klar: Wahrscheinlich haben die Gesteinsbrocken das Magnetometer ausschlagen lassen und bereits bei der Georadaruntersuchung zu der "besonders auffälligen" Fundstelle geführt. Vulkanit beispielsweise würde eisenhaltige Mineralien enthalten und könnte Grund für die erhöhten Messwerte sein, sagte Welker. "Wenn damit auch der Boden verfüllt wurde, ist es kein Wunder, wenn das Gerät unten höhere Werte anzeigt", erklärte der Kampfmittel-Orter. "Schüttet alles wieder zu", lautete Kasparis Anweisung. In einem Monat wird vor dem Frisörladen die zweite Kategorie-1-Verdachtsstelle untersucht. Die Bauarbeiten liegen im Zeitplan. Während der untere Teil der Straße wieder für den Verkehr geöffnet ist, wird im mittleren Stück der Straßenbelag aufgebracht und weiter oben die Kanalisation erneuert.