Wachsender Rechtspopulismus stand im Fokus einer Podiumsdiskussion der Arbeiterwohlfahrt im Wittlich.

Rechtspopulismus : Kein Patentrezept, aber einige Empfehlungen

Wie kann man dem wachsenden Rechtspopulismus begegnen? Darum geht  es bei einer Podiumsdiskussion der Arbeiterwohlfahrt.

„Die veränderte Republik? Rechtspopulismus und Politik“ – unter dem Titel haben Experten sowie Vertreter von Politik und Medien auf Einladung der Arbeiterwohlfahrt Bernkastel-Wittlich vor 150 Gästen im Jugendheim St. Bernhard in Wittlich diskutiert. Warum gerade dieses Thema, warum zu diesem Zeitpunkt? Das erklärte Maria Bölinger, Kreisvorsitzende der Awo: „Werte wie Solidarität, Toleranz, Gleichheit und Gerechtigkeit seien für ihren Verband „seit 100 Jahren unumstößlich und Kompass ihres Handelns“.

Heutzutage versuchten Gruppierungen, mit Intoleranz  die „Gesellschaft zu spalten“. Deshalb habe eine Podiumsdiskussion zu diesem Gegenstand anlässlich des 100. Geburtstag des Bundesverbandes nahegelegen. Das Thema ist aktuell wie nie, war man sich auf dem Podium einig. Die Redner erwähnten nach einem Impulsreferat von Nicola Rosendahl vom Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus in Rheinland-Pfalz Anschläge und Attentate in den USA, in Norwegen und Neuseeland. Doch der Antisemitismusbeauftragte Dieter Burgard aus Wittlich warnte vor „rechtsextremem, rechtspopulistischem und antisemitischen Gedankengut“ auch in der Region. Er erinnerte an die Schändung eines jüdischen Friedhofs in Bausendorf. Oder an ein geplantes rechtsextremistisches Konzert in Andel, das die Polizei verhinderte.

Oder an das NPD-Schulungszentrum in Gonzerath, dem man nach wenigen Monaten den Boden entziehen konnte. Es gebe auch Menschen in der Region, die am 20. April ein „Altärchen in ihren vier Wänden aufbauen“ oder nach einem gewonnenen Fußballspiel „Sieg Heil“ rufen würden, steuerte Gerhard Kluth aus Bernkastel-Kues aus dem Publikum bei.

Wie kann man wachsendem Rechtspopulismus begegnen, fragte Lutz Güldenberg, zweiter Vorsitzender der Kreis-Awo und Moderator. Auf die Bedeutung von Menschenwürde und Menschenrechten angesprochen, machte Roger Lewentz, Innenminister von Rheinland-Pfalz aufmerksam. „Alles staatliche Handeln“ habe die Werte des Grundgesetzes zu schützen. Er tue dies, ob im Landtag oder am Stammtisch. Mehrfach auf die Rolle der Medien angesprochen, sagt Thomas Roth, Chefredakteur des Trierischen Volksfreund, Journalisten dürften weder Dinge schlecht- noch schönschreiben, sondern: „Wir müssen schreiben, was ist.“

Es falle heute schwer, auf Rechtspopulismus zu reagieren. Weil „wir seit 70 Jahren in einem Land mit freiheitlich-demokratischer Grundordnung leben“, habe man sich etwas zurückgelehnt, sagte Gregor Eibes, Landrat des Kreises Bernkastel-Wittlich. Der Schlüssel sei die Jugend. „Aber wie wollen sie sie erreichen“, fragte die 19-jährige Marie Hermanns aus Maring-Noviand, eine der wenigen jungen Besucher. Wichtig sei es, die Erinnerungskultur zu stärken, appellierte Burgard und nannte etwa die Arbeit des Emil-Frank-Institutes. Auch Projekte wie „Schulen gegen Rassismus“ spielten eine wichtige Rolle. Thomas Roth hatte eine simple, aber wichtige Anregung: „Wir müssen den Kindern mehr Zeit widmen und ihnen auch zuhören.“

Nicht jedem gefiel der Tenor der Veranstaltung. Die Podiumsteilnehmer würden sich für „linke Ideologie“ missbrauchen lassen, kritisierte Brigitte Hoffmann, Kreisvorsitzende der AfD. Mehrere Redner entgegneten ihr, dass sie sich nicht missbraucht fühlten. Anschließend entzog Moderator Güldenberg ihr das Wort. Auch wenn man sich mit der AfD auseinandersetzen müsse, werde er „nicht über jedes Stöck­chen springen, das man ihm hinhält“.

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