Wahl im Wohnzimmer

MUSWEILER. (peg) Offizielle Amtshandlungen haben in Musweiler stets auch eine sehr private Seite: Sie finden nämlich im Wohnzimmer des Bürgermeisters statt. So auch bei den Regularien rund um den neuen Gemeinderat.

Bei allem nötigen Respekt für die Regeln der Demokratie: Gemütlich ging es dennoch zu im Wohnzimmer des alten, und das sei gleich vorweggenommen, auch des neuen Bürgermeisters von Musweiler. Die versammelte Mannschaft passte an den Tisch, der an diesem Abend Zeuge ernster Vorgänge wurde. Die transportable Wahlurne hatte Hans-Rolf Schleidweiler von der Verbandsgemeinde Manderscheid mittig postiert, die Kommunalbreviere - "eine gewichtige Bettlektüre" auf dem ganzen Tisch verteilt, und klappernd gab die einzige Dame am Tisch alles Notwendige in eine Schreibmaschine ein: Da müssen vor allem die Namen in ihrer korrekten Schreibweise festgehalten werden, schließlich gibt es Urkunden zu verteilen. Zunächst verpflichtete Bürgermeister Lothar Zens "seine" Ratsmitglieder per Handschlag für die kommenden fünf Jahre: die jungen Namensvettern Matthias und Stephan Zens, Thomas Schlösser, Johann Falter und Andreas Schon. Die 54 wahlberechtigten Bürger von Musweiler hatten im vergangenen Monat so abgestimmt. Danach schritten sie zur Tat: Ein Bürgermeister musste gewählt werden. Dazu gingen die Ratsmitglieder kurz hinüber in die angrenzende gute Stube, die an diesem Abend zum Wahllokal umfunktioniert worden war, die beiden Zens-Brüder zählten die Stimmen aus, und verkündeten, was eigentlich niemanden sehr überraschte. Lothar Zens ist wieder Bürgermeister, und dankend nahm er sein Amt auch an. Die Vereidigung zum Ehrenbeamten entfiel in diesem Fall. Zum einzigen Beigeordneten Musweilers wählte das Gremium Stephan Zens. Erfreuliches gibt es von der Jahresrechnung 2003 zu vermelden: Der kleine Ort ist beeindruckend schuldenfrei. Schleidweiler gab noch einen Tipp weiter: Unter Umständen könne Musweiler seine Hundesteuer und seine Friedhofsgebühren erhöhen. Beide lägen jetzt deutlich unterhalb des Landesdurchschnitts. Schließlich rückte Jörg Simon noch in den Gemeinderat nach: Der Bürgermeister räumt ja bekanntlich mit der Übernahme seiner Amtsgeschäfte seinen Stuhl. Dann endlich leitete Lothar Zens zum entspannten Teil des Abends über: Er lud zum freundschaftlichen Umtrunk.