Wald der Zukunft: Die Mischung macht's

Wald der Zukunft: Die Mischung macht's

Nach und nach werden für Schutzgebiete nach der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie Bewirtschaftungspläne erstellt. Elf solcher Gebiete gibt es im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Was diese Pläne für Waldbesitzer bedeuten, hat ein Experte beim Treffen des Kreiswaldbauvereins berichtet.

Wittlich. 20 Jahre lang war es kein Thema oder nur eins für Experten: Schutzgebiete nach der 1992 beschlossenen europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie. Die Folge war im Landkreis Bernkastel-Wittlich die Ausweisung gleich mehrerer solcher Schutzflächen, um den Artenreichtum in Europa zu erhalten. Mit der Ruhe ist es nun vorbei. Nach und nach werden sogenannte Bewirtschaftungspläne erstellt, die vor allem Folgen für Forstbesitzer haben können. Denn die meisten Schutzgebiete liegen im Wald.
Im Landkreis Bernkastel-Wittlich sind rund 400 Besitzer von Waldstücken im Kreiswaldbauverein organisiert. Bei dessen Mitgliederversammlung (siehe Extra) informierte Birger Führ über solch einen Bewirtschaftungsplan für das FFH-Gebiet "Lieser zwischen Manderscheid und Wittlich" (siehe Hintergrund). Mehrfach versucht der Biotopbetreuer in seinem Vortrag die Waldbesitzer davon zu überzeugen, dass es nicht darum geht, den einzelnen Besitzer zu gängeln. "Nach 20 Jahren staatlichem Naturschutz weiß ich, dass es nicht gegen die Menschen geht, sondern nur mit ihnen."
Grundsätzlich gilt, dass es keine Beschränkung für den einzelnen Waldbesitzer gibt, was er mit seinem Stück Forst anfängt. Es ist weiter erlaubt, Nadelbäume zu fällen, um neue zu setzen. Auch wenn diese Baumart aus ökologischer Sicht nicht gewünscht ist.
Damit der Waldbesitzer eher zu Laubbäumen greift, gibt es Zuschüsse. Es gehe um einen Ausgleich von Ökologie und Ökonomie im Wald, sagt Führ und beschreibt damit die Tatsache, dass es finanzielle Hilfen gibt, wenn anstatt schnell wachsender Fichten langsamer wachsende und standortgerechte Eichen gepflanzt werden.
Wie solch ein Umbau des Waldes aussehen kann, ist unmittelbar am Lieserpfad in der Gemarkung Niederlittgen zu besichtigen. Dort wachsen seit rund einem Jahr auf 0,7 Hektar Fläche Ahorn, Esche, Nuss, Kirsche, Erle und sogar Esskastanien anstatt Fichten. Drei Waldbesitzer haben sich dazu zusammengetan. Der Nachbarbesitzer lieserabwärts hat nicht mitgemacht. Und so stehen dort weiter dicht an dicht die Fichten.
Trotz der um Verständnis werbenden Aussagen von Biotopbetreuer Birger Führ sind bei der Versammlung der Waldbesitzer nicht alle Teilnehmer zufrieden mit den Bewirtschaftungsplänen. Sie fürchten, dass sie auf ihren Flächen nicht mehr tun dürfen, was sie für richtig halten.
Diesen Befürchtungen versucht schließlich auch Ulrich Frömsdorf, Leiter des Forstamts Wittlich, entgegenzutreten. Es seien vor allem der Staats- und der kommunale Forst gefragt, das Schutzziel in FFH-Gebieten zu erreichen. Das lautet: Auf die komplette Fläche des FFH-Gebiets gesehen darf sich der Zustand im Bezug auf Artenreichtum und Schutzziele nicht verschlechtern. Frömsdorf macht zudem deutlich: "Es wird keine Zwangsmaßnahmen geben." Trotzdem rät er ebenso wie Führ allen Waldbesitzern, sich darüber zu informieren, ob ihre Flächen innerhalb eines FFH-Gebiets liegen.Extra

Der Waldbauverein Bernkastel-Wittlich besteht seit 1973 und hat rund 400 Mitglieder. Diese besitzen rund 2000 Hektar Wald. Der Verein organisiert gemeinsame Aktionen wie Aufforstung, Wegebau und Holzernte. In den kommenden fünf Jahren führt Georg Fox (Manderscheid) den Verein. Sein Stellvertreter ist Klaus Plei (Bettenfeld). Beisitzer sind Josef Konrad (Minderlittgen), Rainer Miesen (Bausendorf), Walter Raskop (Landscheid), Jörg Schermann (Bettenfeld) und Jürgen Becker (Wittlich-Bombogen). harExtra

Das FFH-Gebiet "Lieser zwischen Manderscheid und Wittlich" hat eine Größe von 1346 Hektar. Es wurde als schützenswerte Region bei der Europäischen Union unter anderem wegen des Eichen-Hainbuchenwalds gemeldet. Weitere FFH-Gebiete im Kreis sind beispielsweise "Mesenberg und Ackerflur" bei Wittlich und Mosel. Außerdem gibt es Vogelschutzgebiete wie die "Wälder zwischen Wittlich und Cochem". har Informationen im Internet unter www.naturschutz.rlp.de