Wallfahrtskirche Reilkirch: Verlassen, aber nicht vergessen

Geschichte : Wallfahrtskirche Reilkirch: Verlassen, aber nicht vergessen

Eine Stele erinnert an die einstige Wallfahrtskirche und den Kurpfälzischen Hof Reilkirch.

Auf der anderen Moselseite der Gemeinde Reil, direkt neben der Brückenauffahrt, befindet sich ein parkähnliches, von einer alten Bruchsteinmauer eingegrenztes Gelände. Was nur wenige wissen: Es ist ein geschichtsträchtiger Ort mit dem Namen Reilkirch. Dort stand einst die Wallfahrtskirche „Mariä Heimsuchung“. Neben der Kirche befand sich der Friedhof, Pfarrei, Küsterhaus und der „Kurpfälzische Hof“, ein Besitz der Herrschaft Pfalz-Birkenfeld. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde das Kultbild „Madonna mit Jesuskind und Taube“ Ziel zahlreicher Wallfahrer. Heute steht es in der Reiler Pfarrkirche, die 1839 bis 1841 in der Ortsmitte errichtet wurde.

Seit wenigen Tagen steht in Reilkirch eine Gedenkstele aus Schieferstein mit einer Informationstafel, die an den Ort erinnert. Sie wurde auf Initiative von Eleonore Roth dort errichtet. Sie sammelte Spenden, und auch die Gemeinde gab einen finanziellen Beitrag.

Eleonore Roth hat sich intensiv mit der Geschichte von Reilkirch befasst und sie hat im Jahr 2017 im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz im Reiler Pfarrheim die Austellung „Von der Mosel nach Arkadien, Johann Franciscus Ermels (1661 - 1693) als Künstler in seiner Zeit“ organsiert. Ermels, Sohn eines Tagelöhners, wohnte auf dem Hofgut.

Werke des aus Reilkirch stammenden Künstlers hängen in berühmten Sammlungen und Museen, unter anderem im Städel in Frankfurt. Die nun errichtete Stele mit Infotafel erinnert auch an diesen bekannten Porträt-, Historien- und Landschaftsmaler, der 1693 in Nürnberg starb.

Das Gotteshaus, einst Pfarrkirche von Reil und Burg, wurde 1842/43 abgerissen. Der Friedhof auf Reilkirch wurde allerdings noch bis 1928 von den Reilern genutzt. Die Toten von Reil wurden bei Wind und Wetter mit der Fähre übergesetzt.

Heute ist Reilkirch, das im Besitz der katholischen Pfarrgemeinde Reil ist, ein Ruhe- und Andachtsort. Ruhebänke laden dort zum Verweilen  ein.

Der Reiler Pfarrer Matthias Hermes sagt: „Das ist schon ein ganz besonderer Ort.“ An Fronleichnam, 20. Juni, findet in Reilkirch ein Gottesdienst statt und dann wird auch die Stele offiziell eingeweiht. Von Reilkirch aus geht dann die Fronleichnamsprozession über die Brücke bis zur Pfarrkirche im Ort.

In Zukunft sollen auf der Wiese, wo einst die Wallfahrtskirche stand, regelmäßig Gottesdienste stattfinden.

Mehr von Volksfreund