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Wandern mit Weitblick am Werthelstein

Neue Serie: Streifzüge : Wandern mit Weitblick am Werthelstein

Das Spazieren gehen erfreut sich im Lockdown großer Beliebtheit. Auch zwei TV-Redakteure sind jetzt auf den Geschmack gekommen und stellen in einer neuen Serie kurze Touren  vor. Der erste „Streifzug“ führt nach Bergweiler.

Die Sache mit den Spaziergängen hat vor gut einem Monat angefangen. Wie das manchmal eben so kommt, entwickelte sich alles bei einem Plausch und einer Tasse Kaffee. Lockdown-Langeweile und das schlechte Gewissen über die größer werdende Pandemie-Plautze mögen auch eine Rolle gespielt haben.

Jedenfalls beschlossen wir, unsere allwöchentlichen Treffen nach draußen zu verlegen. Um zumindest einmal die Woche vor die Tür zu kommen. Ein neues Hobby, zugegeben: aus der Not und der Corona-Krise geboren. Und noch eines dazu, dem ein spießiges und ödes Image anhaftet.

Zu unrecht, wie wir feststellen durften. Jede Woche erkunden wir nun einen neuen Weg vor der Haustür. Und wir zwei, ein 29-jähriger, gebürtiger Saarländer und eine 60-jährige Frau von der Ruhr, entdecken dabei tatsächlich ganz neue Seiten an unserer beider Wahlheimat. Eindrücke, die wir in unserer neuen Serie „Streifzüge“ zu Papier bringen wollen.

Dabei wollen wir aber keine tagesfüllenden Wandertouren vorstellen. Sondern kurze Spazierwege, abseits der Premiumrouten, die auch Sportmuffel in einer Stunde schaffen können. So auch die Strecke, die wir uns für den Auftakt ausgesucht haben: ein Rundweg von Bergweiler (VG Wittlich Land) zum Werthelstein, südlich des Dorfes, und wieder zurück.

Der Pfad beginnt am Ende der Straße Zum Werthelstein, obwohl selbiger schon noch ein paar Kilometerchen entfernt ist. Schon hier bieten sich aber herrliche Aussichten über die Eifel und, bei klarem Wetter, sogar bis zu den Windrädern im schneebedeckten Hunsrück. Doch auch der Blick nach unten lohnt. Besonders zur Herbst- und Winterzeit, wenn die Wittlicher Senke im Nebel liegt. Nach einigen Minuten führt der Weg dann in einen Wald mit Nadel- und Laubbäumen. Wo die Fichten sich drängen, wird der Pfad in Schatten getaucht. Während durch die kahlen Riesen die Sonne durchscheint. Ein Wechselspiel von Licht und Schatten. Und hin und wieder kann man durch das blattlose Geäst ins darunterliegende Tal schauen, wo sich irgendwo die Salm schlängeln dürfte. Ein paar Minuten und Wendungen später stehen wir vor dem Werthelstein. Einem massiven Felsbrocken, um den sich etliche Legenden ranken.

Die einen sagen, der wie von einem launischen Gott in die Landschaft gewürfelte Brocken sei früher der Grenzstein zwischen Dreis und Bergweiler gewesen. Die anderen halten ihn für einen Opferstein, an dem das Blut von Tieren vergossen wurde. Der Name deutet aber auf eine andere Geschichte hin. Denn der leitet sich vom Wort „Wirtel“ ab, dem Schwungrad einer Handspindel. Der Sage nach soll in dem Felsen also eine Spinnerin sitzen, die dort ihr Werk verrichtet. Gezeigt hat sie sich uns bei unserem Besuch allerdings nicht. Obwohl wir   uns auf den Bänken vor dem Werthelstein eine extralange Kaffeepause genehmigt haben.

Mit Koffein und neuer Lebenskraft machen wir uns dann an den Rückweg. Der führt uns aber nicht über denselben Pfad zurück, sondern über eine andere Strecke, die ebenfalls am Werthelstein beginnt und endet. An der Kreuzung nehmen wir den linken Weg und lassen den rechten halt rechts liegen.

Wieder geht es ein Stückchen durch den Wald. Bis sich, als sich die Bäume lichten, nochmal das Panorama vor uns ausbreitet. Wir lassen den Blick ein letztes Mal übers Dorf und ins Wittlicher Tal schweifen und trotten über die Felder heim. Erster Streifzug: geschafft.

 Der kleine Rundweg kann mit tollen Ausblicken über die Eifel aufwarten.
Der kleine Rundweg kann mit tollen Ausblicken über die Eifel aufwarten. Foto: TV/Christian Altmayer
 Der Pfad führt auf weite Strecken durch den Wald.
Der Pfad führt auf weite Strecken durch den Wald. Foto: TV/Christian Altmayer

Sie kennen weitere kleine aber feine Wanderstrecken in der Eifel, dem Hunsrück und an der Mosel? Dann schicken Sie uns doch eine Nachricht mit ihrem Lieblingswanderweg an mosel@volksfreund.de. Vielleicht begegnet man sich ja mal.