Warten auf Wittlichs Bürgerbüro der Zukunft

Warten auf Wittlichs Bürgerbüro der Zukunft

Ein anstehendes Wittlicher Großprojekt ist der Umbau des Erdgeschosses im Stadthaus zu einem Bürgerbüro-Bereich. Wann Baustart sein soll, ist unklar. Mit den neuen Plänen ist das seit drei Jahren aktuelle Vorhaben Ende 2016 einen großen Schritt vorangekommen. 2014 ging man noch von einer Gesamtinvestition von 1,1 Millionen Euro aus, mittlerweile wären es fast 2,5 Millionen Euro.

Eigentlich hätte alles ganz anders kommen sollen: Wittlich wollte sich ein eigenes neues Rathaus bauen: mal auf dem Parkplatz Karrstraße, mal auf dem Parkplatz Oberstadt am Fürstenhof.
Daraus wurde nichts. Das Land hat es sozusagen verboten. Statt Bauherr wurde die Stadt Eigentümer des sogenannten Stadthauses, das nach ihren Vorschlägen errichtet wurde, damit die Verwaltung dort 1996 als Langzeitmieter einzog und sich das Objekt für den damaligen Investor auch rechnete (der TV berichtete mehrfach).
Als die späteren Neubaupläne scheiterten, kaufte man zum 1. Januar 2014 die Immobilie. Schon damals war ein Umbau Ziel, auch weil Einwohnermelde-, Gewerbe-, Standes-, Sozialamt und Ordnungsbehörde in den beiden Obergeschossen untergebracht waren. Das gilt nicht mehr als bürgerfreundlich.
Es gab Workshops mit dem Personal und erste Pläne. So erfuhr die Öffentlichkeit Mitte 2014 im Stadtrat, dass es um künftige Räume gehe, in denen die Verwaltungsmitarbeiter der Stadt Wittlich nicht einfach ihren Job machen, sondern in denen sie "dem Souverän, dem Bürger, dienen können".
Diese Vision hatte jedenfalls vor drei Jahren ein Architekt des Planungsbüros 3X Banktechnik GmbH formuliert. Das rein sachlich gesehene Ziel blieb: Ganze Abteilungen vom Ordnungsamt bis zum Einwohnermeldeamt sollten dafür ins Erdgeschoss verlagert werden. Das ist immer noch so, nur dass das mit dem etwas eigentümlich klingenden "Dienen" keine zentrale Gestaltungsidee mehr ist.
Einiges hat sich seither getan: Der Netto-Markt ist ausgezogen, und es war kein Nachmieter für die Großfläche in Sicht. Auch der Architekt hat gewechselt. Das Büro von Peter van der Heyde, CDU-Stadtratsmitglied sowie Ortsvorsteher von Lüxem, hat inzwischen die Planung des Umbaus des Erdgeschosses unter dem Arbeitstitel "Bürgerbüro" übernommen.
Unter anderem ist durch die neue Situation auch die Integration eines Sitzungssaals möglich geworden und eines vorgelagerten Foyerraums. Außerdem sind seit Juni 2016, als eine erste Vorstellung im Bau- und Verkehrsausschuss war, Anregungen der Beigeordneten, Ausschussmitglieder und des Personalrates mit eingeflossen. Die nun überarbeiteten Flächen, die zudem als "Kernsanierung von 1612 Quadratmetern" bezeichnet wurden, bringen höhere Kosten mit sich: Ging man bei den Anfangsplänen vor drei Jahren noch von 1,1 Millionen Euro aus, stehen im Haushaltsplanentwurf vom Herbst schon 1,6 Millionen Euro als Gesamtinvestition und wurden bei der Vorstellung im November dann 2,485 Millionen Euro genannt. Es kommt aber auch sozusagen Geld hinein: Die Kripo, die bereits im dritten Obergeschoss des Stadthauses Räume hat, will weitere Flächen hinzumieten, sodass es keinen Leerstand geben wird (der TV berichtete).
Wann es wie genau jetzt weitergeht, hängt auch davon ab, wie das Projekt gefördert werden kann. Bei den Vorstellungen der neuen Pläne hatte Bürgermeister Joachim Rodenkirch erklärt, diese Frage nach der Förderung könne erst nach Vorlage der beschlossenen Planung geklärt werden. Für die ehemalige Planung gab es eine Förderzusage. Durch den Netto-Auszug und die deshalb komplett neue Raumgestaltung muss der Antrag jedoch neu gestellt werden. Die Wittlicher müssen also vorerst weiter auf ihre "neue" Verwaltung warten.
Leserecho: Die Stadt Wittlich bekommt kein neues Rathaus, aber ein Bürgerbüro: Was genau ist aus Ihrer Sicht wichtig, damit die Verwaltung künftig noch bürgernaher arbeitet? Was stört Sie am Stadthaus, so wie es jetzt ist? Schreiben Sie uns an mosel@volksfreund.de. Bitte Vor- und Nachnamen und Wohnort nicht vergessen.
Extra

So sollen die Flächen aufgeteilt sein: Eingang und Foyer: 320 Quadratmeter (davon 116 für das Foyer), Bürgerbüro und Sozialräume: 420 Quadratmeter, Standesamt und Büros: 310 Quadratmeter, Sitzungssaal mit multifunktionaler Nutzung: 560 Quadratmeter. Die Kosten splittet das Ingenieurbüro wie folgt: Eingang, Foyer, Bürgerbüro, Standesamt, Büroräume, Technik/Lüftung: 1,8 Millionen Euro und für Sitzungssaal, WC, Archivräume und Lager rund 683 000 Euro. In den Gesamtkosten von rund 2,48 Millionen Euro ist auch ein kompletter Neuanstrich aber nicht die Möblierung enthalten. sos

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