Warum Randstreifen gemäht und Blühstreifen angelegt werden

Natur : Wo Wegwarte und Wilde Möhre bleiben dürfen

Rot, gelb, blau: Derzeit sieht man an manchen Straßenrändern die Überreste einer bunten Pracht. An anderen Stelle ist alles kahl. Warum ist das so? Und wo sonst kann etwas gegen das Insektensterben  getan werden?

Immer mehr Menschen sorgen sich um die zurückgehende Artenvielfalt. So auch Günter Kettern aus Rivenich. Er hat insbesondere die Straßenränder im Blick, an denen zeitweilig eine bunte Blütenpracht zu sehen ist, die inzwischen allerdings wegen der Trockenheit gelitten hat. Derzeit blühe beispielsweise die Wegwarte, die am Straßenrand häufig zu sehen sei. Doch das trifft nicht überall zu.

„Ich habe in den letzten Tagen beobachtet, dass die Straßenverwaltung in der Region Wittlich die Straßenränder mit Maschinen mäht. Ist dies erforderlich, da sowieso wenig wächst und Insekten wenig Lebensraum haben“, schreibt Günter Kettern aus Rivenich dem TV.

Es würden auch sonst in den Gemeinden viele Flächen gemulcht und gemäht. „Es ist schade um so manche schöne Blumen“, die Straßenränder zieren würden und die abgemäht auch keinen Lebensraum für Insekten bieten.

Beim Landesbetrieb Mobilität (LBM) steht weder die Liebe zur Fauna, noch die Artenvielfalt im Mittelpunkt. Randstreifen an Straßen und Radwegen werden von den Mitarbeitern gemäht, um in erster Linie die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. „Es geht vor allem um die Bankette und Sichtflächen an Einmündungen und Kurveninnenbereichen“, sagt Eva Johanna Steinecke vom LBM Rheinland-Pfalz. Auch bei den Treffen mit den Unfallkommissionen seien sich alle Teilnehmer einig, „dass die Wildunfälle zu reduzieren“ wären, wenn der Raum neben der Straße so weit wie möglich freigehalten würde, damit Autofahrer Wild, das die Straße überqueren will, schneller erkennen können. Gemäht wird laut LBM gar nicht so häufig, zweimal im Jahr arbeiten die Mitarbeiter beispielsweise an den Banketten. Gräben und Mulden sind einmal im Jahr dran. Alle sonstigen Flächen sind alle zwei bis drei Jahre an der Reihe.

Spielt denn Arten- beziehungsweise Insektenschutz bei der Arbeit des LBM überhaupt keine Rolle? Das kann man so nicht sagen. Bei der Straßenbehörde achte man bereits beim Anlegen von Grünflächen auf Artenreichtum bei Pflanzen und Tieren, erläutert Stein­ecke weiter. Das gelte insbesondere bei den landespflegerischen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen.

Wird Grünland angesät, werde eine „artenreiche, gebietsheimische Saatmischung“ verwendet. Das Grünland wird „in der Regel spät bemäht oder beweidet“, damit die Kräuter zur Blüte gelangen und wieder aussamen können. Auf Düngung und den Einsatz von Pestiziden werde komplett verzichtet.

Der Erhalt der Artenvielfalt ist auch Carlo Bauer, Landwirt in Wittlich-Neuerburg wichtig. Er legt nach eigener Aussage „schon immer“ aus Überzeugung so genannte Blühstreifen an, zum Beispiel rund um seine Kartoffelfelder.

Auf die Frage nach dem Warum sagt er: „Es reicht nicht, eine Petition gegen das Bienensterben zu unterschreiben“, sagt er. Das habe er zwar auch getan, aber man müsse auch selbst aktiv werden. Jeder könne etwas tun, „und wenn man nur Wildblumen auf eine Fensterbank stellt“. Er selbst legt Blühstreifen an mit Pflanzen, die insektenfreundlich seien: Lupine, Phacelia, Rauhafer und Wicken, zählt er nur einige auf. Sie werden nicht gemäht, sondern im Herbst im Zweifelsfall untergepflügt.

Bauer tut dies aus eigener Überzeugung. Er weiß, dass er als Landwirt, der auch Tabak anbaut und Schnaps brennt, dafür auch EU-Zuschüsse bekommen würde. „Aber die habe ich noch nie beantragt“. Das sei ihm viel zu aufwendig.

Insbesondere Blühstreifen nützen Insekten,von denen viele vom Aussterben bedroht sind. Die Honigbienen haben außer der Varroa­milbe wenig Probleme. Dieser Auffassung ist Hermann-Josef Valerius, Vorsitzender des Imkerverbandes Bernkastel-Wittlich. Von den Blühstreifen profitieren vor allem die Wildbienen. Vor allem, wenn dort spät gemäht wird. Dann können die Bienen Nektar sammeln. Und dank des Samens können sich die Pflanzen weiter verbreiten.

Foto: Ilse Rosenschild. Foto: Ilse Rosenschild
Schon lange legt der Neuerburger Landwirt Carlo Bauer Blühstreifen rund um seine Felder an. Dieser liegt rund um einen Kartoffelacker. Diese Bereiche werden nicht gemäht, sondern nur untergepflügt, wenn die Saison vorbei ist. Üblicherweise bekommen Landwirte dafür von der EU eine Prämie. Bauer hat diese nach eigener Aussage noch wie beantragt, weil ihm das zu kompliziert sei. Er plädiert dafür, insektenfreundliche Saatmischungen kostenlos abzugeben, auch an Privatleute. Foto: Ilse Rosenschild

Spät oder nicht gemähte Straßenrandstreifen sieht Valerius dagegen ambivalent. Das Problem ist aus seiner Sicht das Jakobskreuzkraut, dass beispielweise für Pferde und Schafe gefährlich ist. Am Straßenrand sollte aus seiner Sicht früher gemäht werden, damit es sich nicht weiter verbreiten kann.

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