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Warum Tiere anonym sterben müssen

Warum Tiere anonym sterben müssen

RIVENICH/KIMMLINGEN. Bei der Suche nach ihrem entlaufenen, gechipten Hund fragte Jeanette Geßner überall nach – auch bei der Tierkörperbeseitigungsanlage (TBA) in Rivenich. Dabei machte sie eine für sie traurige Entdeckung: Herrenlose Haustiere werden in Rivenich "entsorgt", ohne dass sie auf Chips oder Tätowierung hin untersucht werden.

Es passierte an Heilig Abend. Jeanette Geßner wollte mit einer Freundin ausgehen und überließ ihren Hund Jonas dem Vater der Freundin in Neumagen-Dhron. Doch Jonas, ein etwas aus der Art geschlagener Jagdhund, der ängstlich ist und sich nicht für die Jagd interessiert, riss noch beim Abschied aus. Als eine Tür laut knallte, erschrak er und lief weg. Seitdem sucht die 29-jährige Studentin aus Kimmlingen nach dem Schottischen Foxhound, den sie über alles liebt. Alles Mögliche hat sie versucht: Sie begab sich selbst auf die Suche, schaltete Anzeigen in der lokalen Presse, hing Plakate auf, sprach mit Jägern und Förstern, veröffentlichte Jonas Bild auf mehreren Internet-Suchseiten und bat einen bekannten Tierfänger um Hilfe. Trotz Hinweisen bleibt die Suche vergebens

Doch vergebens. Jonas tauchte bislang nicht wieder auf. Es gab zwar ein paar Hinweise, doch ist bei ihnen noch nicht mal sicher, ob es sich tatsächlich um Geßners Liebling, der mit einem Chip gekennzeichnet ist (siehe Hintergrund), handelte. Vielleicht ist der Hund längst tot? In ihrer Verzweiflung wandte sich Jeanette Geßner an die Tierkörperbeseitigungsanlage (TBA) in Rivenich und bat um Unterstützung. Auf Chips würden die toten Haustiere nicht untersucht, hieß es dort zunächst lediglich. Eine Beschwerde-Mail, in der sie unter anderem kritisierte, dass Tiere nicht auf Chips hin untersucht werden, brachte Geßner mehr Erfolg. Geschäftsführer Paul Kill nahm sich der Sache an. Er veranlasste, dass das Foto von Jonas an die Fahrer der TBA weitergereicht wurde. Doch auch dies blieb ohne Erfolg. 10 000 Haustiere landen jährlich in Rivenich

Kill machte sich außerdem kun-dig in Sachen Registrier-Chip, von dem er bislang nichts gehört hatte. Kills Fazit, das er Geßner und dem TV mitteilte: "Aus Zeit- und Kostengründen können wir es nicht leisten, die Registrierung der toten Haustiere mit einem Scanner auszulesen und weiterzuleiten. Ich kenne auch keine Berufskollegen, die so was tun." Kill nennt Zahlen: Aus ganz Rheinland-Pfalz und dem Saar-land werden etwa 10 000 Haustiere jährlich in der TBA entsorgt. Die meisten sind unkri-tisch, sie kommen von Tierärzten und -heimen, wo sie gegebenenfalls auf Chips überprüft werden. Etwa 150 bis 300 herrenlose Tiere (2006 waren es 245 Katzen und 53 Hunde) landen pro Jahr in der TBA. Sie werden von der Polizei, den Straßenmeistereien und Bürgern gemeldet. Jeanette Geßner kann Kills Argumentation nicht nachvollziehen. Die TBA müsse beim Finden eines Chips nur die Nummer an die Tierschutzorganisation Tasso weiterleiten. Der geringe Mehraufwand bringe Geld: Die TBA könne die Kosten der "Entsorgung" des Tieres beim Besitzer einfordern. Ein Argument, das bei der TBA nicht ankommt. Kill konkretisiert den großen Aufwand. Entweder müssten 60 TBA-Fahrzeuge mit Lesegeräten ausgestattet werden oder die Kontrolle am Tourende stattfinden müsste. Dazu müssten die zu untersuchenden Tiere separiert werden, was hygienerechtlich bedenklich sei. Hinzu kämen zusätzliche Software und die Organisation von Verwaltungsabläufen.