| 20:39 Uhr

Was geschah mit Theodor Rimpp?

 Theodor Rimpp als junger Flugzeugführer (Foto links). Vermutlich liegt er in Südpolen begraben (Foto rechts). Fotos (2): GAK Bitburger Land/ Grzegorz Smela
Theodor Rimpp als junger Flugzeugführer (Foto links). Vermutlich liegt er in Südpolen begraben (Foto rechts). Fotos (2): GAK Bitburger Land/ Grzegorz Smela FOTO: (e_eifel )
Sefferweich/Niebylec. Seit 1944 gilt er als vermisst. Was genau mit Leutnant Theodor Rimpp aus Sefferweich passierte, ist bis heute unklar. Doch der Geschichtliche Arbeitskreis Bitburger Land scheint auf der richtigen Spur zu sein. Ulrike Löhnertz

Sefferweich/Niebylec Vermisst. Vermutlich tot. Am 30. Juli 1944 abgestürzt mit seinem Kampfflugzeug über Südostpolen. Mit 21 Jahren. Kein Lebenszeichen. Keine Gewissheit. Kein Hinweis auf ein Grab. Nichts, wo man hinkann, um den Sohn, den Bruder, den Freund zu betrauern. Von Theodor Rimpp aus Sefferweich fehlt jede Spur. Doch sein Bruder Werner, fünf Jahre jünger als Theo, forscht nach ihm. Ein Leben lang. Als der Eiserne Vorhang fällt, setzt er sich sofort ins Auto. Sein Weg führt nach Polen. Aber außer ein paar Hinweisen findet er nichts. Auch nicht bei weiteren Reisen. Er stirbt vor einigen Jahren und nimmt die Ungewissheit mit ins Grab.
Hier hätte die Geschichte der Familie Rimpp enden können. Wie vermutlich so viele Geschichten, in denen Familien während der Wirren des Zweiten Weltkrieges auseinandergerissen und für immer getrennt wurden, ohne das Schicksal des anderen zu kennen.
Doch ein neues Kapitel in der Geschichte von Leutnant Rimpp wird aufgeschlagen: am 22. Januar 2014 - 70 Jahre nach seinem Tod. Ralph Schmitz vom Geschichtlichen Arbeitskreis (GAK) Bitburger Land erreicht ein ungewöhnlicher Anruf.
An der anderen Seite der Leitung: Grzegorz Smela aus Niebylec, etwa 30 Kilometer südlich von Rzeszów, der ein ungewöhnliches Anliegen hat. Er berichtet von einem deutschen Soldaten-Grab in seiner Gemeinde und sagt, er habe nach intensiven Nachforschungen die Vermutung, dass darin Theo Rimpp liege. Nun bittet er um Kontakt zur Familie.
"Das war sehr überraschend", gesteht Schmitz, der zunächst skeptisch ist. "Man muss erst mal vorsichtig sein mit solchen Dingen", sagt er. Aber: Nach genauer Prüfung erscheint ihm Smela seriös. Er stellt einen Kontakt zu einem Schulfreund Rimpps her. Philipp Roths erzählt Grzegorz Smela von der vergeblichen Suche Werners und die Kindheit und Jugend Theos in der Eifel.
Währenddessen sind auch die Mitglieder des GAK nicht untätig. Denn auch sie interessieren sich für das Schicksal des Jagdfliegers. Bereits 1994/95 hatten sie sich für den dritten Band der Pfarrdokumentation Heilenbach, Schleid, Seffern und Sefferweich mit dem Verbleib von Theo Rimpp beschäftigt, waren aber auch zu keinem endgültigen Ergebnis gelangt.
Und nun? Mit den neuen Informationen aus Polen? "Es erscheint wahrscheinlich, dass der Tote im Grab von Niebylec Theo Rimpp ist", sagt Schmitz. "Aber letzte Gewissheit haben wir nicht." Die bringe nur eine Exhumierung. "Anfragen bei der Deutschen Dienststelle (WASt) für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht und beim Deutschen Roten Kreuz laufen", sagt Schmitz. Bisher gebe es noch keine abschließende Antwort.
Ob es künftig genauere Erkenntnisse gibt und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in diesem Zusammenhang dann eine solche Graböffnung und Untersuchung der Überreste vornehmen wird, ist unklar. Schmitz fände es aber schade, wenn das Grab, das - wie Fotos und Schilderungen von Grzegorz Smela zeigen - von den Menschen vor Ort liebevoll gepflegt wird, aufgelöst und Rimpps Überreste auf einen Soldatenfriedhof verlegt würde. "Man kann es nicht hoch genug anrechnen, dass Menschen in Polen die Gräber von Soldaten pflegen, die im Gegensatz zu heute nicht als Freunde, sondern Soldaten eines feindlichen Staates nach Polen gekommen waren", schreibt Schmitz in seinem Artikel in den aktuell erschienenen Beiträgen zur Geschichte des Bitburger Landes, Heft 2-2016 (siehe unten stehenden Text). Dort erfährt man auf 14 Seiten auch Genaueres zur Recherche um das Schicksal von Theo Rimpp - zum Beispiel, was mit seinem Soldatenausweis passiert ist und wer den Absturz des Flugzeugs beobachtet hat. Unter anderem sind ins Deutsche übersetzte Passagen von Grzegorz Smela eingefügt.
Ob der GAK einmal eine Reise zum Grab nach Niebylec organisiert? "Vielleicht", sagt Schmitz. Schließlich liege auch die Partnerstadt der Verbandsgemeinde Bitburger Land, Klein-Strelitz, in Polen - wenn auch 500 Kilometer entfernt.
"Es wäre auch schön, wenn wir noch Verwandte von Theo Rimpp finden, die sich für das Grab interessieren", sagt Schmitz. Eventuell gebe es noch Verwandte der Mutter Theodor Rimpps, die mit Mädchennamen Maria Margarethe Gierenz hieß, in der Eifel. Wenn sie sich melden, könnte ein neues Kapitel dieser Geschichte aufgeschlagen werden. Seinen Bruder hätte es sicher gefreut.

FOTO: (e_eifel )