"Was hilft mir eine Madonna, die mich nicht ansieht"

"Was hilft mir eine Madonna, die mich nicht ansieht"

KRÖV. (urs) An Karfreitag wäre der Kröver Bildhauer August J. Lebenstedt 100 Jahre alt geworden. Ein Datum, das seine Söhne zum Anlass nehmen, das künstlerische Wirken ihres Vaters in einer Ausstellung zu würdigen.

So bodenständig und bescheiden der Kröver Bildhauer August J. Lebenstedt auch gewesen sein mag - seine Werke sind an der Mittelmosel jedenfalls allgegenwärtig. Da ist zum einen der 1954/55 entstandene Bergkreuzweg entlang der kurvenreichen Kreisstraße von Kröv in Richtung Reil, der sich dank einer Bürgerinitiative neuerdings in Bronze gegossen präsentiert. Oder der zwei Jahre später geschaffene Weinbrunnen, der - ursprünglich am Standort der heutigen gleichnamigen Kröver Halle installiert - heute deren Eingangsbereich ziert. Ein drittes, nicht minder bekanntes, Werk ist das eindrucksvolle Kapuzinerkreuz in der Bernkasteler Burgstraße. Dessen Existenz ist übrigens der Grund dafür, dass zwei Söhne Lebenstedts, Ulrich und Michael, eine Ausstellung anlässlich des 100. Geburtstages ihres 1996 gestorbenen Vaters nicht in Kröv, sondern in der Doctor-Stadt ausrichten. Dem Engagement Bernkasteler Bürger für ein neues Kreuz war es nämlich zu verdanken, dass August Lebenstedt 1949 nach zehn Jahren Kriegsdienst und russischer Gefangenschaft wieder einen ersten Auftrag als Bildhauer erhielt. Das Werk des am 9. April 1904 geborenen August Lebenstedt trägt nach Ansicht seines ältesten Sohnes, des Trierer Künstlers Ulrich Lebenstedt, unverkennbar die Handschrift des "Universalhandwerkers und Universalgenies". Der Sohn, selbst als "Künstler am Bau" in Trierer Schulen oder im Stadtbad seit Jahren präsent, hat nach eigenen Worten von seinem Vater sehr viel gelernt. So zum Beispiel, dass zuerst das Handwerk stimmen muss. Als Meister des Malerhandwerks weiß er nach seinem Studium der Malerei und der langjährigen künstlerischen Mitarbeit in der Keramikindustrie die Leistung des Vaters einzuordnen.Kunst, die die Menschen akzeptieren

Was dessen Werk auszeichne, sei die Fähigkeit, eine Kunst zu machen, die die Menschen akzeptierten. "Das ist die Kunst des Vaters gewesen - Werke zu schaffen, die den nicht vorbelasteten Menschen ansprechen." Allzu Abstraktes hatte da kaum Chancen, wie eine von August Lebenstedts Aussagen vermuten lässt, an die sich der Sohn noch gut erinnert: "Was hilft mir eine Madonna, die mich nicht ansieht." Es sind in erster Linie Themen des christlichen Glaubens, die August Lebenstedt ernst und eindringlich ins Bild setzte. Das künstlerische Schaffen des bei dem Trierer Vitus Föhr in die Lehre gegangenen Bildhauers nahm nach Wanderjahren als Schnitzer und Steinmetz in den 30er Jahren seinen Anfang. Und zwar mit Ehrenmalen in Kröv und Bengel sowie Figuren für Pfarrkirchen an der Mosel und im Hunsrück. Zwei Jahre nach dem Besuch der Trierer Meisterschule musste er in den Krieg und konnte erst zehn Jahre später sein Werk fortsetzen. So schuf der Vater dreier Söhne den Kreuzweg für die Pfarrkirche Minheim, die Madonna für die Pfarrei Kröv und ein Viertel Jahrhundert später die Schutzmantel-Madonna für die Kirche. Ebenso stammen eine Petrus-Skulptur für die Kirche in Niederemmel, das Petruskreuz zwischen Kröv und Kinheim und der Auferstehungs-Christus in der Kröver Bergkapelle aus seiner Werkstatt. Auch die Wittlicher Pfarrkirche St. Bernhard hat eine Madonna von Lebenstedt, der darüber hinaus zahllose Arbeiten für private Auftraggeber ausführte. Darunter auch Alltägliches wie die im Innenbereich der Weinbrunnenhalle integrierte Fachwerkschnitzerei. Die Vernissage der bis 23. April in den Räumen der Kreissparkasse Mittelmosel zu sehenden Lebenstedt-Ausstellung ist am Freitag, 26. März, um 18 Uhr.